Opel-Testzentrum: Intelligenter Asphalt

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Der Brückenfertiger asphaltiert die gekrümmte Fahrbahn auf 11,50 Meter Breite ohne störende Nähte. Von diesen Spezialmaschinen gibt es weltweit nur drei Exemplare.

Dudenhofen - Die größte Straßenbaustelle Rodgaus liegt mitten im Wald hinter hohen Zäunen und Bäumen: Das Herzstück des Opel-Testzentrums, die 4,8 Kilometer lange Rundbahn, wird für die Zukunft fit gemacht. Von Ekkehard Wolf

Fast neun Millionen Euro investiert der Autohersteller in die Hightech-Strecke.

Mit jeder Menge Messtechnik wird die Fahrbahn aufgerüstet. „Der Asphalt wird intelligent“, sagt Dr. Matthias Schollmaier, der Leiter des Testzentrums. Antennen erfassen, wer wo wie schnell fährt. Sensoren messen Bodentemperatur, Salzgehalt, Eisdicke und Schneeflockengröße, um den Winterdienst zu optimieren. Auch Wetterdaten werden erfasst: Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit und Niederschläge. Für die Testingenieure sind diese Angaben wichtig. Aus der Datenbank können sie die Umweltbedingungen zu jedem beliebigen Zeitpunkt abfragen.

Fahrbahnwellen sind nur im Millimeterbereich erlaubt

Die Fahrbahn muss fast Laborqualität aufweisen, damit die Testergebnisse verlässlich sind. Der Asphalt ist extrem glatt und gleichmäßig, Fahrbahnwellen sind nur im Millimeterbereich erlaubt. Der Rollwiderstand („Grip“) muss überall gleich sein. Deshalb gelten strenge Anforderungen fürs Material. Alle Steinchen im Asphalt stammen aus demselben Steinbruch im Rheingau. Neben ihrer Größe und dem Staubanteil sind sogar die Bruchkanten vorgeschrieben. „Das ist eine Mischung, die im normalen Straßenbau nicht erreichbar wäre“, so Schollmaier. „Wir bekommen die beste Asphaltqualität, die die Firma Strabag bisher eingebaut hat.“

Als Berater hat Opel eine weltweit anerkannte Asphalt-Koryphäe engagiert: Dr. Rainer Hart (Neuwied) ist seit 1996 am Bau fast aller Formel-1-Rennstrecken beteiligt.

Spezialisten ihres Fachs sind auch die Straßenbauer. Mit einem Brückenfertiger asphaltieren sie die gekrümmte Fahrbahn ohne störende Nähte. Von diesen Spezialmaschinen gibt es weltweit nur drei Exemplare.

„Wir machen die Kurve steiler“

Das ratternde Ungetüm wird von einer feinfühligen Elektronik gesteuert. Es orientiert sich an einer Metallschiene am Fahrbahnrand, die millimetergenau verlegt ist. 1,5 Meter pro Minute legt der Brückenfertiger zurück. Am Tag schafft er bis zu 600 Meter und verbraucht bis zu 1 000 Tonnen Asphalt. Zum Transport vom Mischwerk in Langen sind mehr als 50 große Mischfahrzeuge nötig.

Mit der Erneuerung der beiden obersten Asphaltschichten ändert sich auch das Profil der Fahrbahn. Schollmaier: „Wir machen die Kurve steiler, von 37,5 auf 40 Grad. So können wir bei Höchstgeschwindigkeit 250 querkraftfrei einen größeren Abstand zur oberen Leitplanke einhalten.“ Der Sicherheit dienen auch helle LED-Spots, die alle zehn Meter als Warnsignal in die Leitplanke eingelassen werden. Sobald der Zentralrechner an einem Fahrzeug eine Panne feststellt, bekommen alle Testfahrer das Signal zum Anhalten. Das verhindert Unfälle.

Noch bis zum 15. Juli dauern die Bauarbeiten an der Rundbahn. Es ist die erste Sanierung seit 1993. Die neue Fahrbahn soll wieder 20 Jahre halten.Schollmaier: „Wir fahren auf der Rundbahn zwar mehr als eine Million Kilometer pro Jahr, aber bei uns gibt es keinen Lkw-Verkehr.“

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