Bestohlen und ein Punkt in Flensburg

18-Jähriger zeigt Diebstahl an und wird selbst bestraft

Rodgau - So ein Pech: Einem 18-Jährigen wird das Handy geklaut. Er fährt am Morgen danach zur Polizei. Die lässt ihn pusten: 250 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg.

Mehrfach Pech hatte ein 18-jähriger Rodgauer. Erst wurde ihm in Alt-Sachsenhausen das Smartphone geklaut und dann musste er dreimal zur Polizei gehen, um den Diebstahl anzuzeigen. Als die Anzeige endlich aufgenommen wurde, musste er ins Röhrchen pusten: 0,4 Promille. Die Folgen: 250 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg. Es geschah am späten Freitagabend in der Kleinen Rittergasse: Der junge Rodgauer wurde von drei Männern angesprochen, die er auf etwa 20 Jahre schätzte. Nach der Begegnung fehlte sein Telefon. Wieder zurück in Dudenhofen klingelte er am Samstag gegen 1 Uhr beim Polizeiposten. Dort wurde er abgewiesen: Nachts könne man keine Anzeige aufnehmen. Am nächsten Morgen hörte sich die Auskunft etwas anders an: Am Wochenende könne keine Anzeige aufgenommen werden, er müsse zur Polizeistation Heusenstamm fahren. Der junge Mann setzte sich ins Auto und fuhr nach Heusenstamm. Dass er noch Restalkohol im Blut hatte, war ihm nicht bewusst.

„Man soll nicht außer Acht lassen, wie lange der Körper braucht, bis er den Alkohol abbaut“, sagt Polizei-Pressesprecherin Andrea Ackermann. Dass der 18-Jährige den Diebstahl erst im dritten Anlauf anzeigen konnte, sei unglücklich gelaufen. Grundsätzlich könne jeder Bürger bei jeder Polizeidienststelle Anzeige erstatten.

Der Polizeiposten Dudenhofen ist allerdings oft mit einem Wachpolizisten besetzt, der keine Strafanzeige aufnehmen darf. „Es läuft so, dass der Wachhabende eine Streife hereinholt oder in Heusenstamm anruft, dass jemand kommt“, erklärt Ackermann: „Das ist möglich, wenn eine Streife frei ist und keine anderen dienstlichen Aufgaben Vorrang haben.“ Die Rodgau-Streife hätten jedoch gerade Gaststätten kontrolliert, die Heusenstammer seien wegen eines Einbruchs und einer Schlägerei unterwegs gewesen.

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Erst im Nachhinein erfuhr der Bestohlene, dass man einen Handy-Diebstahl auch per Internet melden kann. Die „Onlinewache“ ermöglicht außerdem Anzeigen wegen Fahrraddiebstahl, Onlineauktionsbetrug, Kfz-Diebstahl und Nötigung im Straßenverkehr. Die folgenschwere Fahrt nach Heusenstamm wäre also überhaupt nicht notwendig gewesen.

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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