Höhe noch umstritten

S-Bahn-Bau wirkt nach: Stadt braucht mehr Kredit

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So sah die S-Bahn-Unterführung Dellweg in Dudenhofen im November 2001 aus. 14 Jahre später liegt die Schlussabrechnung der Baukosten vor.

Rodgau - Mehr als zwölf Jahre nach dem Betriebsbeginn der S-Bahn hat die Stadt Rodgau die Schlussabrechnung der Baukosten erhalten. Doch Bahn und Stadt sind sich über die Höhe noch nicht einig. Um für alle Fälle vorbereitet zu sein, braucht die Stadt kurzfristig mehr Geld. Von Ekkehard Wolf 

Ein Nachtragshaushalt sieht vor, den Höchstbetrag der Kassenkredite um sechs Millionen Euro zu erhöhen. Es gehe nur um eine Zwischenfinanzierung, um die Rechnung zu bezahlen, erklärt Stadtkämmerer Jürgen Hoffmann. In der städtischen Bilanz sei die S-Bahn schon seit Jahren enthalten. Die S-Bahn war ein Jahrhundertbauwerk. Von der ersten Idee 1968 bis zum Betriebsbeginn 2013 vergingen 35 Jahre. Zwei Jahre und acht Monate lang zog sich eine Riesenbaustelle durch die Stadt. Allein die Bauleitung bestand zeitweise aus 20 Personen. Gigantisch waren auch die Kosten der Neubaustrecken nach Rödermark und Dietzenbach: rund 300 Millionen Euro. Beim Bau der Unterführungen wurden auch die sechs betroffenen Städte zur Kasse gebeten. In Rodgau gibt es elf Bahnübergänge und Unterführungen, mehr als in jeder anderen Stadt.

Dass die Abrechnung mehr als zwölf Jahre dauerte, ist bei einem Projekt dieser Größe nicht ungewöhnlich. „Die Tunnel-Stammstrecke wurde 1985 fertig gestellt und Anfang der 2000er abgerechnet“, sagt Jürgen Hoffmann: „Das ist eine Riesenarbeit. Ich habe hohen Respekt vor den Menschen, die diese Arbeit geleistet haben.“ Die Unterlagen füllten rund 200 Ordner. Noch jetzt würden Grundstücksgeschäfte abgewickelt. Dabei gehe es um unzählige Flächen, teils nur um zwei oder zehn Quadratmeter.

Für jede einzelne S-Bahn-Querung gibt es einen eigenen Vertrag. Wie schwierig die Aufteilung der Kosten ist, lässt sich am Beispiel Hainhausen erklären. Es ist normalerweise Sache der Bahn, einen Bahnübergang zu ersetzen. In Hainhausen wurden aber zwei Unterführungen gebaut: August-Neuhäusel-Straße (für Fußgänger und Radfahrer) und Südtrasse (für Autos). Da die Stadt an der Südtrasse einen zusätzlichen Geh- und Radweg haben wollte, muss sie dafür bezahlen. Richtig kompliziert wird es dadurch, dass dieser Weg auch als Bahnsteigunterführung dient . . . Und das ist noch einfach dargestellt. Die Wirklichkeit ist viel komplexer. Noch Jahre nach dem S-Bahn-Start gab es im Rathaus eine Ein-Mann-Abteilung, um alle Fragen rund um den S-Bahn-Bau aufzuarbeiten.

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Bisher hat die Stadt Rodgau 835.000 Euro an die DB Netz AG bezahlt. Weitere 6,958 Millionen sind noch offen. „Das ist keine Überraschung“, betont Stadt-Pressesprecherin Sabine Fischer. Die Stadt hat aber auch noch Zuschüsse zu bekommen, und zwar rund 2,1 Millionen Euro. 950.000 Euro hat sie bereits erhalten.

Die Höhe der Schlussrechnung ist noch umstritten. Bürgermeister Jürgen Hoffmann erklärt das so: Weil der Landesrechnungshof in den Ausschreibungsunterlagen der Bahn einen formalen Fehler gefunden habe, sei der Landeszuschuss an die Bahn gekürzt worden. Die Bahn wolle diese Belastung auf die Kommunen abwälzen. Zurzeit bemühten sich beide Seiten um einen Vergleich. Hoffmann: „Paradoxerweise sind die gleichen Ausschreibungsunterlagen beim Bund anstandslos durchgegangen.“

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