Stadtwerke punkten mit Erfahrung

Sechs Mann bändigen das wuchernde Grün

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Im Notfall ist die Mannschaft schnell zur Stelle. Gestern galt es einen umgestürzten Baum an der Bushaltestelle Haingraben zu beseitigen. Drei Arbeiter hatten bis zum Mittag zu tun.

Rodgau - Gartenbesitzer kommen zurzeit aus der Arbeit nicht heraus: Während sie Pflanzen zurückschneiden, wächst es hinter ihrem Rücken wieder nach. Feuchtigkeit und Wärme lassen die Vegetation explodieren. Von Ekkehard Wolf 

„Wenn das Wetter so bleibt, mähen wir noch im November“, sagt Peter Böschow von den Stadtwerken Rodgau. Er ist Vorarbeiter der sechsköpfigen Mannschaft, die die öffentlichen Grünflächen in Schuss hält. Ihm und seinen Kollegen geht es wie jedem Kleingärtner. Sie kommen mit der Arbeit nicht nach. Ein Beispiel sind die Sportplätze: Je nach Dünger kann der Rasen innerhalb von zwei Wochen um bis zu 15 Zentimeter wachsen. „Kein Verein spielt bei so hohem Gras“, betont Böschow. Zwei Zentimeter fordert die Bundesliga. Auf Rodgauer Sportplätzen stellen die Stadtwerke ihre Rasenmäher meist auf drei Zentimeter ein. Günter Zilch, der die Fußballplätze mäht, erinnert an eine alte Gärtnerregel: Gras sollte nicht kürzer als vier Zentimeter sein. Es braucht ja auch Blattmasse, um wieder zu wachsen.

Mittwochs und donnerstags ist Zilch auf den Sportplätzen unterwegs. Die Reihenfolge orientiert sich an den Spielplänen. Immer wieder wünschen sich Vereine, dass ihr Platz als letzter drankommt, damit der Rasen am Spieltag möglichst kurz ist. Zilch bedauert: „Ich kann nicht alle 13 Sportplätze am Donnerstag Abend mähen.“ In der Grünpflege arbeiten „überwiegend ältere, aber erfahrene Mitarbeiter“, sagt Sabine Kretschmer, die bei den Stadtwerken den Geschäftsbereich kommunale Dienste leitet. Diese Erfahrung zahlt sich im Alltag aus. Die Arbeiter kennen jede Wiese, jeden Baum und jede hervorstehende Wurzel, etwa am Ulmenweg. Sie wissen, wo sie besonders aufpassen müssen. Und sie wissen auch, worauf es Anwohnern und Politikern besonders ankommt.

Der Ortskenntnis ist es auch zu verdanken, dass bei Mäharbeiten am Mittwoch am Finkenweg einige Quadratmeter ausgespart blieben. Der Grund: Brütende Fasane sollen dort ungestört ihre Jungen aufziehen können. Im Gegensatz zu Fremdfirmen steht der Bauhof auch bereit, um kurzfristige Aufgaben zu erledigen. Das konnte man gestern in Jügesheim erleben, nachdem ein halber Baum auf die Bushaltestelle Haingraben gefallen war. Drei Arbeiter der Stadtwerke sägten Stammholz und Äste klein und brachten sie zur Kompostierungsanlage.

Brände und Überschwemmungen nach Gewitter (mit Leserbildern)

Als kommunaler Betrieb haben die Stadtwerke eine Vorbildfunktion. Ein Nebeneffekt: Wenn mal etwas nicht geklappt hat, beschweren sich die Bürger zuerst „bei der Stadt“. Bei näherem Hinsehen stellt sich aber oft heraus, dass der Fehler bei einer beauftragten Firma lag. So war es dieser Tage am S-Bahn-Parkplatz in Weiskirchen. Bei Arbeiten mit dem Freischneider war der Grasschnitt gegen geparkte Autos geschleudert worden; das Gras klebte förmlich am Blech. In Jügesheim klagten Anwohner des Lärmschutzwalls über verschmutzte Gehwege. „Jede Beschwerde wird geprüft“, sagt Sabine Kretschmer. Hilfreich sei es, die Uhrzeit und das Kennzeichen des Arbeitsfahrzeugs zu notieren. Zunehmend hört der städtische Eigenbetrieb auch Anerkennung. „Wir werden häufiger gelobt“, so Kretschmer. „Das hängen wir dann immer an der Stechuhr aus, damit alle Mitarbeiter es sehen.“

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