Mehr Beachtung erwünscht

Sportler des TSV Dudenhofen bei Einrad-Weltmeisterschaft

Rodgau - Einrad-Sportlerin Inga Kern vom TSV Dudenhofen bereitet sich mit ihrer Partnerin Karina Lach auf den großen Auftritt bei der Weltmeisterschaft vor, die vom 27. Juli bis zum 7. August im spanischen San Sebastian ausgetragen wird. Jetzt heißt es: Daumen drücken!

Seit ihrem siebten Lebensjahr sitzt Inga Kern auf dem Einrad. Heute ist sie 21 Jahre alt, lernt am Sana-Klinikum Offenbach den Beruf der Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin und bereitet sich gerade mit ihrer Trainingspartnerin auf die Weltmeisterschaft in der Paarkür im Einradfreestyle im spanischen San Sebastian vor. „Das hat nichts mit Zirkus zu tun, ich kann noch nicht einmal jonglieren“, sagt die sportliche Hessin und erklärt: „Am ehesten ist es vielleicht mit der Kür beim Eiskunstlauf zu vergleichen.“

Zu einem Medley aus klassischer und aktueller Popmusik führen Inga Kern und ihre gleichaltrige Einradpartnerin Karina Lach spektakuläre Tricks – synchron auf einander abgestimmt – vor. Die Kür dauert rund vier Minuten und lässt deutlich das Motto „Marionetten“ erkennen. In einem anmutigen, schwarz-weiß-roten Kleid drehen die beiden jungen Frauen waghalsige Pirouetten, fahren nur mit den Händen am Reifen und stehen oder springen auf ihren Einrädern.

Inga Kern ist begeistert von ihrem Einrad, gleichzeitig aber auch traurig, dass ihr Sport als Randsportart eher ein Nischendasein fristet, ohne größere Aufmerksamkeit und Anerkennung – und ohne entsprechende offizielle Unterstützung. „Zumindest noch“, sagt sie und lässt zarte Hoffnung erkennen.

Beruflich will Inga Kern in der Medizin bleiben. Die Abiturientin ist im zweiten Lehrjahr ihrer Pflegeausbildung. „Und sie ist gut, nicht nur auf dem Rad“, bestätigt ihr Ausbilder Jörg Noll. Er leitet die Pflegeschule am Sana-Klinikum Offenbach und ist fast so stolz auf seine Schülerin wie ihre Eltern. Diese unterstützen Inga seit vielen Jahren mit großem Einsatz. Und die sportliche Pflegeschülerin hat das Credo ihrer Eltern nach 15 Jahren Leistungssport auch selbst gut verinnerlicht: „Schule, Ausbildung und Beruf gehen vor.“

Bilder: Präsentation der Einrad-Küren des TSV Dudenhofen

Trotzdem schafft sie es, gemeinsam mit ihrer Einradpartnerin, neben der anstrengenden und intensiven Pflegeausbildung, bei ihrem Verein, dem TSV Dudenhofen in Rodgau, bis zu fünf eigene Trainingseinheiten auf dem Rad einzuhalten. Dazu kommen Konditionstrainings. Außerdem trainiert sie noch mit der Gruppenkür für junge Frauen ab 15 Jahren und leitet als Trainerin einmal in der Woche die Wettkampfaufbaugruppe für den sportlichen Nachwuchs. Ein stolzes Programm.

„Es kommt auf eine gute Organisation an“, sagt das Einrad-Talent. Das habe sie ja von Kindesbeinen an gelernt. Noll weist auf die spannende, aber auch komplexe Ausbildung hin: „Unsere Schülerinnen und Schüler lernen ja nicht nur in den theoretischen Unterrichtseinheiten, sie werden auch als wichtige Unterstützung auf den Stationen im Dienstplan vorgesehen. Und der läuft 365 Tage im Jahr rund um die Uhr.“ Aber, alles eine Frage der Organisation. „Der Dienstplan geht vor, aber hin und wieder kann man auch mal tauschen oder ein freies Wochenende planen“, erklärt die Sportlerin.

Und wie das geht, zeigen ihre Erfolge: Ihr persönlich größter ist die Auszeichnung als „Sportlerin des Jahres 2012“ der Stadt Rodgau. Aber bereits mit zwölf Jahren war sie das erste Mal mit einer Partnerin deutsche Meisterin im Einradfreestyle, und schon vor vier Jahren konnte sie mit Karina Lach bei der alle zwei Jahre stattfindenden Weltmeisterschaft den fünften Platz belegen.

Deutsche Meisterschaft im Einrad-Freestyle: Bilder

Auch jetzt mussten sich die beiden in einer Qualifikation durchsetzen. „Das ist schon ein Riesenerfolg“, freut sich Inga Kern. Ihre Ziele für die WM im spanischen San Sebastian? „Viel Aufmerksamkeit für diesen tollen Sport“, sagt sie lächelnd. Dabeisein ist alles, und wenn die beiden Rodgauerinnen es am Ende unter die Top Ten schaffen, dann wäre Inga Kern mehr als zufrieden.

Nicht nur das Sana-Klinikum drückt die Daumen: Die Weltmeisterschaft wird in etwa 25 unterschiedlichen Disziplinen des Einradfahrens vom 27. Juli bis zum 7. August im spanischen San Sebastian ausgetragen.

Beim TSV Dudenhofen schaut man übrigens auf bereits mehr als 20 Jahre Einradfreestyle zurück: 1992 lernten die Familien Cornelia und Elke Dubberstein das Einradfahren kennen. Mit einer Projektwoche an der Freiherr-vom-Stein-Grundschule wurde der Grundstein gelegt. Die Gruppe vergrößerte sich in rasantem Tempo. Bereits 1994 wurde eine eigene Abteilung gegründet mit 51 Mitgliedern. Im Jahr 2010 nahmen drei TSVler bei der WM in Neuseeland teil. 2011 richten der TSV Dudenhofen und der RSC Dietzenbach in Dietzenbach die 3. Deutsche Meisterschaften aus. Im Jahr 2012 wurden Inga Kern und Karina Lach Rodgaus „Sportlerinnen des Jahres“. Um wieder Werbung für die Randsportart zu machen, fanden 2013 Projektwochen an Grundschulen in Dietzenbach, Seligenstadt und Rodgau statt. (siw)

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