Sportkreisvorsitzender übt scharfe Kritik

Staat kassiert bei Vereinsfusionen ab

Rodgau - Sportvereine müssen auf dem Weg zur Fusion viele Hürden überspringen. Sogar das Finanzamt schlägt zu und verlangt bei der Verschmelzung Grunderwerbssteuer. Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel nennt die Steuerpflicht „nicht hinnehmbar“. Von Bernhard Pelka 

Sportvereine werden gerne als der „Kitt der Gesellschaft“ gepriesen. Wenn’s ums Kassieren geht, hört diese Lobhudelei allerdings auf. Dann bittet auch das Finanzamt bei einer Verschmelzung mit Grunderwerbssteuer zur Kasse. In Hessen sind das immerhin sechs Prozent auf den Kaufpreis einer Immobilie inklusive Grundstück. Und diese Prozente müssen sogar dann bezahlt werden, sofern bei einer Vereinsfusion der eine Verein dem anderen eine Liegenschaft kostenlos überträgt. Doppelt fällt die Steuer an, sofern beide Alt-Vereine ihr Grundvermögen einbringen und daraus ein neuer Verein entsteht. Deshalb ist ratsam, dass bei einer Fusion der Verein mit dem höheren Grundvermögen den Verein mit dem niedrigeren Vermögen übernimmt.

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Vor der Steuerfrage stehen in Rodgau derzeit gleich mehrere neue Fusionsvereine: die Sportfreunde Rodgau (Radfahrerverein Germania Jügesheim/Freundeskreis), Die Sportgemeinschaft Hainhausen (TGH/SKV) und der Jügesheimer Sport- und Kulturverein (TGS/TGM SV). In letzterem Fall beträgt die voraussichtliche Höhe der Grunderwerbssteuer bis zu 30.000 Euro. „Mit Kosten in dieser Höhe muss man kalkulieren“, sagt Finanzvorstand Lothar Mark. Er kündigt an, der JSK würde gegen einen Steuerbescheid Widerspruch einlegen.

Für die Sportfreunde hofft Rudi Ott, „dass wir von der Steuer verschont bleiben“. Der Freundeskreis trete dem an Mitgliedern weitaus ärmeren Radfahrerverein bei, der allerdings eine Halle besitze. „Der Radfahrerverein bleibt bestehen und ändert dann später nur seinen Namen. Dem Freundeskreis gehört im Prinzip nichts.“

Eine abwartende Haltung nimmt die Sportgemeinschaft Hainhausen ein. „Es ist bedauerlich, dass man sich als ehrenamtlich geführter Verein über so etwas Gedanken machen muss, zumal Firmen bei Fusionen von dieser Steuer befreit sind“, bedauert der SKV-Vorsitzende Egon Laux. Der SKV-Partnerverein TGH hatte am vergangenen Freitag einer Verschmelzung mit dem SKV mit fast 95 Prozent zugestimmt. Die Abstimmung beim SKV folgt am nächsten Freitag.

Sportkreisvorsitzender Peter Dinkel übt scharfe Kritik am Steuersystem. Und er prangert eine Ungleichbehandlung an: „Die Kirche ist beim Grunderwerb von der Steuer befreit.“ Für den glühenden Fürsprecher aller Sportvereine ist dies ein weiteres Indiz dafür, dass die Politik den sozialen Aspekt der Sportvereine nicht erkenne. „Im Ehrenamt wird viel zu viel als selbstverständlich vorausgesetzt, das nicht selbstverständlich ist“. Bis in die 80iger Jahre hinein waren auch gemeinnützige Vereine von der Grunderwerbssteuer befreit. Im Zuge einer Steuerreform wurde diese Vergünstigung allerdings kassiert. Dinkel rustikal: „Das waren Idioten, die das damals zugelassen haben.“

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