Von wegen Babysitten

Tageselternbüro feiert sein 25-jähriges Bestehen

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Die Tagespflegemütter (von links) Angela Wüstenberg, Silvia Schneider, Karin Kienzle-Scholl und Jessica Grimm vom Leitungsteam des Tageselternbüros. 

Rodgau - Was als Projekt der Tagespflegeeltern begann, ist heute mit 90 Plätzen ein fester Bestandteil der städtischen Kinderbetreuung. Das Büro, das die Betreuung und Qualifizierung koordiniert, feiert am Samstag, 9. Juli, zwischen 15 und 18 Uhr im Familienzentrum Alter Weg 63 F in Jügesheim sein 25-jähriges Bestehen. Von Simone Weil

„Mein Mann und ich leben seit 30 Jahren in einem Spiel-Wohnzimmer.“ Karin Kienzle-Scholl ist eine Tagespflegemutter der ersten Stunde. Wie Silvia Schneider betreute Kienzle-Scholl neben ihrem eigenen Nachwuchs weitere Kinder in ihrem Zuhause. Die Nachfrage war groß nach solchen Plätzen, die wegen der familiären Atmosphäre in einer Mini-Gruppe mit maximal fünf Kindern vielen Eltern geeignet scheinen, insbesondere die Kleinen auf den Kindergarten vorzubereiten. „Wir haben mehr Zeit für die Kinder“, ist Silvia Schneider überzeugt. Beide Damen wurden Tagesmütter aus Überzeugung und mit „viel Enthusiasmus und Herzblut“, wie sie sagen. Die Liebe zu Kindern und vor allem auch die Freude und der Spaß, die die Arbeit mit den kleinen Menschen mit sich bringen, gehören unbedingt dazu, denn reich werden die Ersatzmamas mit 4,95 Euro brutto pro Stunde und Kind nicht. Kranken- und Haftpflichtversicherung und die Berufsgenossenschaft tragen die derzeit 22 Aktiven selbst.

Vor allem die fachliche Fortbildung kam gut bei den Frauen an: Denn in den ersten Jahren wurde die Tätigkeit oft als „ein bisschen Babysitting“ abgetan, wie Angela Wüstenberg kritisiert. Wie ihre Kolleginnen wünscht sie sich grundsätzlich mehr Wertschätzung und Anerkennung für ihre Tätigkeit. Dass aus der Hausfrau und Mutter, die daheim auf Kinder aufpasst, eine kompetente Betreuungsinstanz wurde, hat mit den Anforderungen an die Tagespflegepersonen zu tun, die immer mehr wuchsen. Schließlich braucht es längst eine Eignungs-Überprüfung, eine zirka 160 Stunden dauernde Qualifizierung sowie eine regelmäßige Aktualisierung des Kenntnisstands, um eine Pflegeerlaubnis zu erhalten.

Wie Jessica Grimm vom Rodgauer Tageselternbüro erläutert, gehören Erziehungsfragen, rechtliche Aspekte, aber auch Themen wie Ernährung, Pädagogik und Entwicklungspsychologie zu den Schwerpunkten der Fortbildungen. Derzeit beschäftigt sich die Einrichtung damit, eine Regelung zu finden, wie sich die Tagesmütter künftig bei Krankheit, Urlaub oder in Notfällen gegenseitig vertreten können.

Insgesamt 90 Kinderbetreuungsplätze stehen zur Verfügung. „Wobei die Tagesmütter sehr flexibel sind“, wie Jessica Grimm sagt. Es gibt keine Warteliste, weil immer passgenaue Pflegestellen gesucht sind: „Wer heute kommt, kann morgen Glück haben und wer schon drei Monate wartet, weil das Passende für ihn nicht dabei ist, kann unter Umständen auch noch länger warten“, sagt Grimm, die sich die Leitung des Tageselternbüros mit Nicole Höfer teilt. Wer zum Beispiel an drei Tagen eine Betreuung sucht, kann eventuell mit Hilfe einer Oma einen Tag anders regeln und braucht nur noch an zwei Tagen Entlastung durch eine Tagespflegemutter. Meist entstehen in den Gruppen enge Bindungen zwischen Tagesmutter und Kindern, aber auch zwischen den Kindern beginnen erste Freundschaften. Deswegen kommen die Jungen und Mädchen oft auch Jahre später noch zu Besuch.

Kinder sicheren Umgang mit Feuer üben lassen

Die Tagesmütter haben ihre eigenen pädagogische Konzepte. Silvia Schneider hält viel von unverplanter Zeit für fantasievolle Spiele, die Eltern selten gewährleisten können. Die Mütter und Väter werden übrigens auch gerne mit ins Boot geholt. Karin Kienzle-Scholl weiß genau, wo Konflikte entstehen können. „Oft gehen die Meinungen bei Erziehungsfragen oder beim Umgang mit Krankheiten auseinander“, erzählt sie. Deswegen sucht die Tagespflegemutter früh das offene Gespräch. Zum guten Verhältnis tragen auch Elterabende und Bastelnachmittage bei – wie in der Kindertagesstätte auch.

Das Tageselternbüro der Stadt Rodgau arbeitet unter dem Motto „Hand in Hand“ und lädt regelmäßig interessierte Eltern zu Informationsabenden ins Familienzentrum Alter Weg 63 F ein, sucht aber auch mögliche Tagespflegepersonen. Die nächsten Termine sind am Donnerstag, 28. Juli, 18 Uhr, und am Dienstag, 30. August, 17 Uhr. Anmeldung bis jeweils einen Tag vorher unter 06106/639-1167 oder tageseltern@rodgau.de. Doch zunächst einmal wird am Samstag gefeiert: Ab 15 Uhr gibt es diverse Mitmachaktionen für Kinder, einen Blick auf die Entwicklung des Tageselternbüros, Informationsstände sowie Kaffee und Kuchen.

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