Theatersaison im Bürgerhaus Nieder-Roden beginnt:

Vorm Start zweimal ausverkauft

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Politisches Kabarett mit Martin Maier-Bode und Jens Neutag steht am 4. Februar auf dem Programm.

Rodgau - Die gute Nachricht zuerst: Die Kultursaison beginnt wieder und verschönt die dunkle Jahreszeit. Die schlechte Nachricht: Zwei der insgesamt 15 Veranstaltungen sind bereits ausverkauft. Von Simone Weil 

Für den Auftritt von Johannes Scherer und Bodo Bach am 6. Oktober sowie die Komödie „Die Wunderübung“ mit Michaela May, Michael Roll und Ingo Naujoks am 3. März (!) gibt es schon keine Eintrittskarten mehr. Das zeigt, dass die Mischung aus Schauspiel, Kabarett, Comedy, Satire sowie Kindertheater im Bürgerhaus Nieder-Roden beim Publikum ankommt. Ganz praktisch aber bedeutet es auch, dass sich sputen und Tickets kaufen muss, wer dabei sein und bestimmte Aufführungen zwischen Oktober und Anfang Mai sehen will.

Im Haushaltsplan 2016 sind folgende Ausgaben für die Theatersaison 2015/16 sowie 1016/17 eingeplant: 52.000 Euro (Theater), 45.000 Euro (Kleinkunst) sowie 11.500 Euro Nebenkosten etwa für den Hausmeister. Den 108.500 Euro stehen Einnahmen von rund 80.000 Euro gegenüber. Klare Sache, dass wegen dem Zuschussbedarf von knapp 30.000 Euro die Kulturausgaben immer auf dem Prüfstand stehen.

Deswegen wurde der Magistrat im Mai beauftragt, ein Konzept „Kulturprogramm“ zu erarbeiten und zu prüfen, ob es Kooperationen mit anderen Kommunen und Vereinen geben könne. Dabei sollten insbesondere Einnahmesteigerungen oder Kostensenkungen angepeilt werden – bei gleicher Qualität.

Den städtischen Zuschuss reduzieren und das künstlerische Niveau halten, kommt einem Spagat gleich, bei dem es einen zerreißt – zumal sich die aktuellen Ticketvorverkaufzahlen (Zwischenstand 9. September) sehen lassen können. Auch wenn es bei manchen Vorstellungen noch recht lange hin ist, ist die Nachfrage groß wie etwa bei der Tragikomödie „Vater“ zum Thema Demenz mit Peter Striebeck am 22. April. Von 480 Plätzen im großen Saal sind schon 325 verkauft. Auch für das Musikabarett mit Felix Janosa am 21. April im kleinen Saal, der 145 Sitzplätze bietet, haben schon 101 Tickets Abnehmer gefunden. Dementsprechend ist damit zu rechnen, dass beide Vorstellungen annähernd ausverkauft sein werden.

Der Deutsche Bühnenverein nennt in seiner jüngsten Statistik der Spielzeit 2012/13 eine bundesweit durchschnittliche Auslastung von 78,2 Prozent. Dieser Wert ist in Rodgau bei sieben Theater-abenden zum jetzigen Zeitpunkt bereits überschritten. Das Interesse an einer interkommunalen Kultur-Zusammenarbeit mit Rodgau hält sich in den Nachbargemeinden dagegen in Grenzen. Städte wie Dietzenbach, Seligenstadt oder Heusenstamm haben zwar ihr grundsätzliches Interesse bekundet, aber keine eigenen Vorstellungen, wie eine Kooperation aussehen könnte.

Die Landesgruppe Hessen der „Interessengemeinschaft der Kommunen mit Theatergastspielen“ (INTHEGA), die rund 400 Gemeinden vertritt, diskutierte jüngst übers Thema Theater-Kooperationen: Die kleine Umfrage ergab, dass keiner der Beteiligten Erfahrungen mit Nachbarstädten oder Vereinen hatte, was die kulturelle Zusammenarbeit anbetrifft. Zu den Argumenten zählte beispielsweise, dass die Besucher das Theater vor Ort wollten und sich mit ihrem Haus identifizierten und nicht mehr kämen, sollte es woanders sein, weil sie dann auch nach Frankfurt fahren könnten.

Kulturell aktive Vereine zeigten sich einer Zusammenarbeit mit der Stadt Rodgau gegenüber offen und sind gespannt, was auf sie zukommt. Bei bisherigen gemeinsamen Aktivitäten belaufen sich die Erfahrungen darauf, dass Vereine etwa die Bewirtung bei Veranstaltungen übernommen haben oder organisatorisch und personell durch die Agentur für Sport, Kultur und Ehrenamt unterstützt wurden. Die einzige Möglichkeit, wirklich mehr Geld in die Haushaltskasse zu spülen, sieht der Magistrat in einer Erhöhung der Eintrittspreise, die für die Spielzeit 2017/18 angedacht ist, weil der jüngste Aufschlag dann bereits drei Jahre zurückliegt. Über diese Teuerung soll das Stadtparlament in seiner Dezember-Sitzung entscheiden.

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