14 Staubecken halten einen Teil des Schmutzwassers zurück

Unwetter überfordern Kläranlage

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Kein Klopapier, sondern Feuchttücher ballen sich an den Gitterstäben dieses Überlaufkanals bei Weiskirchen. Die Rückstände machen deutlich, dass verdünntes Abwasser aus vollen Rohren ungeklärt in die Rodau abgeleitet wurde.

Rodgau - Wie kann es passieren, dass nach einem Unwetter eine Straße unter Wasser steht? Die Überflutung der Jahnstraße vor zwei Wochen bleibt ungeklärt. Die Stadtwerke fanden keine technische Ursache. Bei weiteren Wolkenbrüchen floss das Wasser problemlos ab. Von Ekkehard Wolf 

Die anhaltende Schlechtwetterperiode bringt die Kanalisation an ihre Grenzen. Feuchttücher und andere Fremdstoffe im Abwasser verstärken die Probleme. Anwohner der Jahnstraße mussten in der Nacht zum 30. Mai miterleben, wie Regenwasser von der Straße über die Vorgärten in die Keller-Lichtschächte flutete. Die Fenster gaben nach, die Keller wurden überschwemmt. „Das Wasser stand 30 bis 40 Minuten auf der Straße, auch als es nicht mehr regnete“, sagt einer der Betroffenen. Es habe ausgesehen, als sei die Kanalisation blockiert gewesen. „Die Sinkkästen waren sauber“, sagt Manfred Wasserek von den Stadtwerken Rodgau: „Es gab keine Störung in der Entwässerungsanlage.“ Offenbar sei in kurzer Zeit mehr Regen gefallen als der Kanal verkraften konnte. Das habe sich nicht nur in Rodgau gezeigt, sagt Wasserek, gesteht aber ein: „Für den unmittelbar Betroffenen ist das kein Trost.“

Die Stadtentwässerung sei nach den anerkannten Regeln der Technik ausgelegt, betont der Ingenieur. Der Generalentwässerungsplan aus dem Jahr 2002 berücksichtige das „zweijährige Regenereignis“ - also eine Niederschlagsmenge, wie sie alle zwei Jahre vorkommten kann. Das heißt aber auch: Stärkere Regenfälle können die Kanalisation überfordern. „Bei Starkregen ist die Grenze erreicht, wo eine öffentliche Entwässerung umfassend ihrer Aufgabe nachkommen kann“, bestätigt Wasserek. Der Durchmesser der Kanalrohre müsse in einem sinnvollen Verhältnis zur üblichen Abwassermenge stehen. Das Problem: Wenn die Rohre zu weit sind, werden die Fäkalien nicht zuverlässig transportiert; abgelagerte Feststoffe behindern den Durchfluss und führen zu Gestank im Sommer.

185 Kilometer Abwasserrohre durchziehen den Untergrund der Stadt. Etwa 10.000 Grundstücke sind angeschlossen. 22 Pumpstationen gleichen das geringe Gefälle aus. Wenn es regnet, schwillt der Abwasserstrom stark an. 14 Regenrückhaltebecken sorgen dafür, dass Kanäle und Kläranlage nicht gleich überfordert werden. Pro Sekunde kann die Kläranlage Weiskirchen rund 400 Liter Schmutz- und Regenwasser verarbeiten. Bei Regenwetter steigt diese Zulaufmenge auf bis zu 1 572 Liter - das entspricht elf vollen Badewannen pro Sekunde.

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Oft sind die Kanäle so voll, dass verdünntes Abwasser ungeklärt in die Rodau gerät. Technische Anlagen sorgen dafür, dass der gröbste Dreck zurückgehalten wird. Das neueste Regenrückhaltebecken befindet sich an der Wilhelm-Leuschner-Straße in Hainhausen. Das ankommende Abwasser fließt durch eine Art Sieb, das alles zurückhält, was größer als vier Millimeter ist. Das Schmutzwasser wird in einem riesigen, kreisrunden Becken gespeichert, bis es in der Kläranlage verarbeitet werden kann. Das überschüssige Abwasser wird in die Rodau abgeschlagen; in der Regel ist es aber stark durch Regen verdünnt.

Dennoch lagern sich weiße Rückstände an den Gittern der Überlaufrohre und an den Ufern der Rodau ab. Dabei handelt es sich nicht etwa um Klopapier, sondern um Feuchttücher und andere Dinge, die im Abwasser nichts zu suchen haben. „Diese Feuchttücher sind eine echte Plage“, berichtet Manfred Wasserek von den Stadtwerken: „Sie sind leicht, schwimmen oben und verstopfen unsere Pumpen und Anlagen.“ Das Problem: Feuchttücher bestehen nicht mehr aus Zellstoff, sondern aus Kunststoff- oder Textilfasern. Anstatt sich aufzulösen, verfilzen sie miteinander. Wasserek: „Sie bleiben schon an der kleinsten Schraube hängen.“

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