Unwetternacht zeigt Leistungsgrenze der Rettungsleitstelle auf

112: Notrufe in der Warteschleife

Rodgau - Was kann man tun, wenn man beim Notruf 112 in der Warteschleife landet? In der Unwetternacht vor einer Woche wurde der Notruf für viele Anrufer zur Geduldsprobe. Ein Hausbesitzer aus Jügesheim fuhr zum Feuerwehrhaus Mitte, um einen Brand zu melden. Von Ekkehard Wolf 

„Nicht durchkommen gibt’s nicht“, sagt Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann. Bei rund 500 Einsätzen im Kreis Offenbach, davon 220 in Rodgau, komme es aber zwangsläufig zu Engpässen. Ackermann rät Anrufern, in der Warteschleife auszuharren. Wer den Hörer auflege und erneut anrufe, lande sonst wieder auf dem letzten Platz. Notrufe über die Nummer 112 landen in der Leitstelle in Dietzenbach. In der Unwetternacht waren alle sechs Telefone besetzt; normalerweise sind nur zwei (nachts) oder drei (tagsüber) Mitarbeiter dort. Aus jedem Telefon-Ortsnetz sind nur zwei Notrufleitungen geschaltet. Wenn mehr Anrufe ankommen, landen sie zunächst in der Warteschleife - egal ob es sich um einen Brand, einen Unfall oder einen Wasserschaden handelt. „Das lässt sich technisch nicht anders regeln“, bedauert Ralf Ackermann.

Etliche Bürger behalfen sich damit, direkt in einem der Feuerwehrhäuser anzurufen oder hinzufahren. Das kann gut gehen, muss es aber nicht. „Die Feuerwehrhäuser sind nur besetzt, wenn gerade ein Einsatz läuft“, sagt der stellvertretende Stadtbrandinspektor Michael Gröschl. Die städtische Pressesprecherin Sabine Fischer rät davon ab, ins nächste Feuerwehrhaus zu fahren. Der vermeintlich kurze Weg bedeute Mehrarbeit, weil jede Meldung an die Zentrale durchgegeben werden müsse. Die Unwetternacht wurde zur Bewährungsprobe für eine neue Art der Organisation. Im Feuerwehrhaus Mitte war eine Unterstützungsgruppe der Einsatzleitung damit beschäftigt, die vielen Einsätze durch voll gelaufene Keller möglichst effizient abzuarbeiten. Ein Feuerwehrmann fuhr alle gemeldeten Einsatzstellen ab; seine Informationen halfen der Einsatzleitung, die Dringlichkeit einzuschätzen. Brände und andere gefährliche Situationen haben oberste Priorität.

Bei mehr als 200 vollgelaufenen Kellern hieß es oftmals warten, bis die Feuerwehr kam. „Das hat an dem Tag auch jeder erkannt“, berichtet Gröschl. Die längste Wartezeit habe bei zwei, drei Stunden gelegen. In einigen Fällen sei es den Bewohnern gelungen, den Wasserschaden selbst zu beseitigen. Dazu Kreisbrandinspektor Ackermann: „Bei fünf Zentimetern Wasser im Keller sollte man überlegen, ob man sich selbst helfen kann.“

Kann man das Notrufsystem noch leistungsfähiger machen? Ralf Ackermann hofft auf die neue Leitstellentechnik, die das Land Hessen wohl nächstes Jahr beschaffen will: „Dann muss man sehen, welche Änderungen möglich werden.“ Zur Frühwarnung vor Unwettern und anderen Gefahren empfiehlt er allen Bürgern, sich beim kostenlosen Informationsdienst „Katwarn“ (www.kat warn.de) anzumelden. Bei großflächigem Stromausfall seien die Feuerwehrhäuser besetzt, um als Anlaufstelle zu dienen: „Die Bürger haben ja sonst keine Chance.“

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