Mitten im Umbau 

SV Weiskirchen steckt 1,6 Millionen in Sportstätten

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Hier kommt der neue Sportplatz hin - ein Fußballplatz mit Leichtathletik-Anlagen. Das tief liegende Gelände wurde um etwa 1,50 Meter aufgefüllt. - Fotos: Wolf Hier kommt der neue Sportplatz hin - ein Fußballplatz mit Leichtathletik-Anlagen. Das tief liegende Gelände wurde um etwa 1,50 Meter aufgefüllt.

Weiskirchen - Die Sportvereinigung Weiskirchen (SVW) steckt mitten in einem der größten Bauvorhaben ihrer Vereinsgeschichte. Bei laufendem Betrieb bringt sie ihren 40 Jahre alten Hallenbau auf einen modernen Stand. Gleichzeitig erneuert sie ihren Sportplatz von Grund auf. Von Ekkehard Wolf 

Das alles kostet rund 1,6 Millionen Euro – zu viel, um es allein zu stemmen. Stadt, Kreis und Land unterstützen den Verein mit Steuergeldern. Das Land Hessen hat für das Großprojekt einen Zuschuss von 200.000 Euro bewilligt. Innen-Staatssekretär Werner Koch übergab den Bescheid am Dienstag. Mit einem Bonmot eröffnete SVW-Vorsitzender Albert Frühwacht die kleine Feier: „Heute ist ein Tag, an dem man sich freut und den man gerne erlebt – ach so, das ist der Zettel vom letzten Mal ...“ Bereits im März hatte Landrat Oliver Quilling die 150.000 Euro des Kreises Offenbach überreicht. Der Umbau ist in vollem Gang. Der Vorsitzende und Architekt hat die Arbeiten in 15 Bauabschnitte aufgeteilt. Vier davon sind bereits erledigt. Alle Bauarbeiten sollen im Spätsommer nächsten Jahres beendet sein.

Das geht nur, wenn die Handwerker an mehreren Stellen gleichzeitig arbeiten. An der Nordseite der großen Sporthalle sind schon die neuen Isolierglasfenster montiert. An der Südseite steht ein Baugerüst: Dort wird der Vollwärmeschutz angebracht. In vier Wochen soll die komplette Halle eingepackt sein. Gleichzeitig bereiten riesige Baumaschinen den Untergrund für den neuen Sportplatz vor. Der Hallenbau hat rund 2 000 Quadratmeter Grundfläche. Der Sanierungsbedarf ist enorm. „An der großen Halle wurde seit 40 Jahren nichts mehr gemacht“, sagt Albert Frühwacht. Die Sporthalle stammt von 1974, die Kunstturnhalle von 1980. Zwischen Alt und Neu herrscht ein Unterschied wie Tag und Nacht. Die neuen Umkleide- und Duschräume wirken so freundlich, dass man gern etwas länger duscht. Hinter einer staubdichten Behelfswand liegen dunkle Gänge und Räume, in Jahrzehnten abgenutzt.

„Gibt es eigentlich die Schnitzelgrube noch?“, fragte Stadtverordnetenvorsteherin Anette Schweikart-Paul am Dienstag beim Rundgang. Ja, es gibt sie noch: Wer in der Kunstturnhalle von den Ringen fällt, landet in weichen Schaumstoffteilen. 40 000 Euro an Eigenleistungen hat die Sportvereinigung eingeplant. Das sind 4 000 Stunden Arbeit. Angestellte Mitarbeiter und ehrenamtliche Helfer tauschten zum Beispiel die alten Leuchtröhren durch LED-Lampen aus.

Bei den meisten Arbeiten müssen Profis ran – und das bei laufendem Sportbetrieb. Die Handwerker arbeiten, während nebenan die Trampolinturnerinnen trainieren und die Kindertanzgruppe von Christiane Zilch für ihren Auftritt am Rodgauer Sommersonntag übt. „Wir können ja nicht einfach die Halle schließen und sagen, wir bauen jetzt“, betont SVW-Vorsitzender Albert Frühwacht. Nur nächstes Jahr in den Sommerferien muss es eine Schließzeit geben. Dann wird ein neuer Schwingboden eingebaut, gleichzeitig werden die löchrigen Trennvorhänge durch neue ersetzt.

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Ob auch die hölzerne Wandverkleidung erneuert wird, lässt Frühwacht offen: „Das entscheiden wir erst, wenn wir wissen, wo wir mit den Kosten stehen.“ Denn eines ist für ihn sicher: „Wir wollen keine Schulden machen.“ Lieber verzichte man auf Dinge, die nicht zwingend erforderlich seien. An die finanziellen Abenteuer unter einer früheren Vereinsführung erinnert der SVW-Vorsitzende nur in Andeutungen: „Eine aufregende und anstrengende Zeit liegt hinter unserem Verein. Wir standen manchmal mit dem Rücken zur Wand.“

Jetzt ist die Sportvereinigung wieder im Aufwind. Sie hat rund 1 150 Mitglieder, Tendenz steigend. Mit dem neuen Sportstudio hat sich die Mitgliederzahl der Kraftsportabteilung von 60 auf 285 fast verfünffacht. Auch die Trampolinturner erleben ungeahnte Höhenflüge. Jeder zweite SVW-Sportler ist jünger als 18 Jahre. Auch jüngere Mitarbeiter engagierten sich zunehmend für ihren Verein, betont Frühwacht. Eine treue SVW-Sportlerin bringt es auf den Punkt: „Es hat sich gelohnt durchzuhalten.“

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