Wohin dann mit den vielen Notfällen?

Amt will „Wildtierarche Rodgau“ dicht machen

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Petra Kipper mit einer Tigerpython. Die Tierschützerin soll ihre Tierauffangstation schließen.

Rodgau - Das Veterinäramt des Kreises Offenbach will die „Wildtierarche Rodgau“ schließen. Damit ginge nicht nur eine in Südhessen bisher als unverzichtbar eingestufte Tierauffangstation verloren. Zerstört würde vielmehr auch das Lebenswerk der Betreiberin Petra Kipper. Von Bernhard Pelka

Seit 30 Jahren kümmert sich Petra Kipper in ihrer Auffangstation in Dudenhofen um heimische Wildtiere, die in Not geraten sind. Zum Beispiel um angefahrene Rehe und aus dem Nest gefallene Eichhörnchen. Aber auch Exoten wie Skorpione kommen bei ihr unter. Polizei und Feuerwehr vertrauen der Referentin für Tier- und Naturschutz. Sie liefern bei ihr ab, was etwa nach Wohnungsräumungen an Getier zu vermitteln ist. Oder, was einfach ausgesetzt wurde, weil Herrchen und Frauchen ihre Qualitäten als Tierhalter überschätzt haben. Schlangen und Bartagamen gehören zu solchen Patienten. Jetzt möchte das Kreisveterinäramt die Betriebserlaubnis nicht verlängern, weil Petra Kipper angeblich die Sachkunde fehle. Außerdem seien die Räume für deren Zweck nicht geeignet. Schon seit 31. Juli darf die engagierte Tierschützerin keine Tiere mehr aufnehmen. Nur noch bis Oktober duldet die Behörde die „Wildtierarche“.

Wie mehrfach berichtet, geht dieser Streit schon seit elf Jahren. Petra Kipper bestreitet die Vorwürfe. Sie hat einen Anwalt eingeschaltet, der gegen den Ablehnungsbescheid des Veterinäramts klagt. Was passiert, wenn sie vor Gericht verliert? „Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen“, sagt die 52-Jährige zuversichtlich. „Aber wenn sie eine Amtsärztin haben, die alles zerstört, was den Tierschutz hier betrifft, haben sie nur begrenzte Möglichkeiten. Warum sollte ich mein Privatvermögen weiter in diese Sache stecken? Ich bin nicht Don Quijote.“

Mit ihrer Einstellung zum Kreisveterinäramt ist Petra Kipper im Landkreis Offenbach nicht alleine. Wie berichtet, hatten im Mai Tierschützer beklagt, sie fühlten sich vom Kreisveterinäramt gegängelt. Sie warfen Amtsärzten vor, ehrenamtliche Betreiber von Tierherbergen und Auffangstationen systematisch und so lange mit Vorschriften, Durchsuchungen und Klagen zu traktieren, bis sie entnervt aufgeben.

Bei einem Krisentreffen machten die Betroffenen ihrem Ärger Luft und nannten Beispiele: Schließung der Igel-Insel Mühlheim (2011), Aus für eine Papageien-Pension in Mühlheim (2012/13), Auseinandersetzung um die Tierherberge in Egelsbach, Beschlagnahmung einer Schafherde in Obertshausen (2009) und von Tauben (2014).

20 kuriose Tier-Urteile

Rückendeckung bekommen die Aktivisten vom Kreisverband Offenbach des Naturschutzbunds Nabu. Der reklamierte in einem Brief an Landrat Oliver Oliver Quilling bereits im Januar 2015: „Es ist absurd, wenn Auffangstationen geschlossen werden müssen oder in ihrer Arbeit blockiert werden, weil durch kurzfristig aufgenommene Notfälle die gesetzlichen Platzanforderungen der Tiere unterschritten werden, wenn hier eine Zollstockmentalität über das Wohl des Tieres gestellt wird. Wie können Genehmigungsverfahren zum Teil Jahre dauern, wenn bei der Rettung von Tieren spontan gehandelt werden muss? Daher unser Appell: Beenden Sie den Kampf des kreiseigenen Veterinäramts gegen jede Art von ehrenamtlich geführten Tierauffangstationen im Kreisgebiet!“

Oliver Quilling wies als Dienstherr der Mitarbeiter im Veterinäramt im Mai die Vorwürfe zurück. Es bestehe „kein gesondertes Verfolgungsinteresse“. Das Amt achte lediglich auf die konsequente Einhaltung der zum Wohl der Tiere erlassenen Gesetze. Tierliebe allein genüge eben nicht. Quilling verwahrte sich gegen den Vorwurf, die Amtsärzte überzögen ehrenamtliche Tierpfleger mit Schikanen. Tierschützer haben gegen den Landrat und Mitarbeiter des Veterinäramts inzwischen Strafanzeige gestellt.

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