Bach setzt im Überschwemmungsgebiet Gärten unter Wasser

Wohnwagen mit Seeblick in der Rodau-Aue

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Eine Idylle sieht anders aus: Den Wohnwagen im überschwemmten Garten kann man nicht trockenen Fußes erreichen.

Jügesheim - Die Rodau breitet sich weiter aus. Nachdem die Gärten nördlich der Egerstraße vor einigen Jahren wegen Überflutung aufgegeben werden mussten, stehen nun zwei weitere Grundstücke unter Wasser. Sie liegen zwischen Jet-Tankstelle und Rodau. Von Ekkehard Wolf 

Zusammen sind sie rund 3 000 Quadratmeter groß. An gärtnerische Arbeit ist dort schon lange nicht mehr zu denken. Aus Sicht der Behörden ist die Entwicklung erwünscht. Vor zwei Jahrzehnten hat das Regierungspräsidium weite Teile der Rodau-Auen zum Überschwemmungsgebiet erklärt. Dazu zählt auch der Abschnitt von der Egerstraße bis nach Hainhausen.  „Seit zwei, drei Jahren stehen die Gärten regelmäßig unter Wasser“, berichtet Reinhard König, der eines der beiden Grundstücke gepachtet hat. „Früher war das ein grünes Paradies“, erinnert er sich: „Mein Vater hatte seinen Hasenstall und seine frei laufenden Hühner dort.“

Seit einiger Zeit hat König auf dem Gelände ein Boot und einen Wohnwagen stehen. Die Fahrzeuge sind den Behörden ein Dorn im Auge, weil der Garten im Landschaftsschutzgebiet liegt. Auch die alten Hütten müssen weg. Der Fachdienst Umwelt des Kreises Offenbach befasst sich damit mindestens seit 2013. Am 31. August letztes Jahres verschickte der Kreis eine Räumungsverfügung und drohte ein Zwangsgeld an. Allerdings weiß man auch im Kreishaus um die Probleme im Überschwemmungsgebiet. Pressesprecherin Kordula Egenolf: „Wir gehen davon aus, dass der Pächter das Grundstück räumt, sobald es möglich ist.“ Bereits letztes Jahr habe er zwei Container voll Gerümpel abgeräumt.

Reinhard König versichert, er werde die Aufräumarbeiten alsbald fortsetzen. Für seine Fahrzeuge habe er einen anderen Stellplatz im Odenwald. Zurzeit könne er aber auf dem überfluteten Gelände nichts ausrichten: „Ich muss warten, bis es richtig trocken ist. Man kann niemandem zumuten, mit den Schwimmbagger zu kommen.“

Der Gartennachbar, Imker Arnold Werner, stimmte schon vor einigen Jahren einem Grundstückstausch mit der Stadt Rodgau zu. Seine Bienenstöcke stehen nun am Finkenweg. Dort ist es trocken und die Jungvölker finden das ganze Jahr über genügend Pollen. Der verlassene Garten verkommt unterdessen zu einem „Modderloch“, wie eine Spaziergängerin formuliert. Nicht nur die Überreste des ehemaligen Lattenzauns verrotten im Morast. Auch allerlei Abfall sammelt sich dort an. Vom Wegrand sieht man unter anderem eine alte Mülltonne, ein blauer Müllsack und ein undefinierbares Rohrgestell in der Brühe dümpeln.

Auch in den Augen von Reinhard König ist diese Ecke nicht gerade ein Aushängeschild für den Stadtteil: „Das ist der wilde Osten Jügesheims, da wird nichts gemacht. Außer dass die Hundebesitzer ihre Hunde dort ausführen und den Boden gut düngen. Da baut man mitten im Ort so etwas wie die Everglades auf.“ Durch die Nässe seien nicht nur Obstbäume abgestorben, sondern auch schon Erlen und Weiden. Das ganze Gebiet wuchere zu und entwickele sich zu einer Brutstätte für Mücken: „Wenn das Wasser wärmer wird, fängt es an.“

Die Rodau-Auen sind seit Mitte der 90-er Jahre zum großen Teil Überschwemmungsgebiet. Seit 2004 wird der zuvor kanalähnliche Bach renaturiert. Die ehemaligen Gärten nördlich der Egerstraße wurden 2009 geräumt; der entstandene Teich hat inzwischen einen Namen (Finkensee) und ist im Stadtplan eingezeichnet. Damit der Geh- und Radweg am Finkensee nicht überflutet wird, ließ die Stadt etwa vor fünf Jahren dicke Rohre verlegen. Sie sollen den Druck des Wassers von dieser Stelle wegnehmen.

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Das Überschwemmungsgebiet soll dazu beitragen, Hochwasser zu vermeiden. Stadt-Pressesprecherin Sabine Fischer: „In diesem Gebiet darf die Rodau sich gerne ausbreiten, wenn sie das braucht. Sie tut das auch. Nach unserem Wissen hat sie sich bisher an diesen Überschwemmungsbereich gehalten.“

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