Alte Schule als moderne Kita

„Villa Kunterbunt“ nimmt 99 Kinder auf

Der Turnraum der Kita Lessingstraße ist seit Tagen zum Materiallager umfunktioniert. Die Kinder sitzen auf Umzugskisten, die sie mit den Erzieherinnen Marianne Roth-Anthes (links) und Petra Fuchs gepackt haben.
+
Der Turnraum der Kita Lessingstraße ist seit Tagen zum Materiallager umfunktioniert. Die Kinder sitzen auf Umzugskisten, die sie mit den Erzieherinnen Marianne Roth-Anthes (links) und Petra Fuchs gepackt haben.

Urberach - Rödermarks ältester städtischer Kindergarten ist ab dem Wochenende Geschichte. Die Kita Lessingstraße zieht in die frühere Helene-Lange-Schule um und heißt dann „Villa Kunterbunt“. Von Michael Löw

Petra Fuchs, Kita-Leiterin Klaudia Breimhorst und Erster Stadtrat Jörg Rotter rückten in der „Villa Kunterbunt“ Kinderbettchen.

Die Stadt hat das Schulgelände zum symbolischen Preis von einem Euro gekauft und rund 920.000 Euro in den kleinkindgerechten Umbau investiert. Nach und nach überwiegt bei den Erzieherinnen der Kita Lessingstraße die Vorfreude. „Es ist eine Herausforderung, in so ein schönes neues Gebäude zu ziehen“, sagt Leiterin Klaudia Breimhorst, die seit 1980 dort arbeitet. Oder wie sie es beschreibt: „Ich bin mit dieser Kita verwurzelt.“ Für die anfängliche Wehmut ist kein Platz mehr. Denn Klaudia Breimhorst und Petra Fuchs, die auf 26 Dienstjahre in der Lessingstraße zurückblickt, haben schon geschluckt, als Sozialdezernent Jörg Rotter Ende 2014 mit den neuen Plänen für die Helene-Lange-Schule auf sie zukam.

Der Kindergarten Lessingstraße wurde 1965 eingeweiht. Damals standen im Urberacher Seewald-Gebiet überwiegend Wohnblocks, kleinere Häuser wurden erst nach und nach gebaut.

Die Stadt hatte die einstige Lernhilfeschule vom Kreis gekauft und einen Euro gezahlt. Zunächst wollte sie Gebäude und Gelände für 20 Jahre nutzen, dann einigten sich beide Seiten auf 40 Jahre. Rotter: „Über diesen Zeitraum rechnen sich auch unsere Investitionen.“ Während einer Bauzeit von neun Monaten wurde aus großen Klassenräumen und einem langen Mittelflur eine moderne Kita mit vielen Funktionsräumen. In der Kita der „Villa Kunterbunt“ finden die 75 Kinder aus der Lessingstraße eine neue Heimat. Die in einem angehängten Neubau untergebrachte Krippe mit zwei Zwölfer-Gruppen für Kinder unter drei Jahren erreicht man über einen verglasten Flur oder über einen separaten Eingang. In der Sporthalle ist viel Platz zum Toben. Auf dem Außengelände wurden für die Krippe ein Sandkasten und ein Spielhügel vorbereitet, der Kindergarten hat zwei Sonnenterrassen erhalten. Im Frühjahr wird dann in Zusammenarbeit mit einer Expertin für Spielraumplanung das Außengelände gestaltet. Eine Photovoltaikanlage (20.000 Euro) versorgt die „Villa Kunterbunt“ mit Warmwasser.

Für die neugeschaffenen Krippenplätze haben die Kommunalen Betriebe vom Land einen Zuschuss von 145.000 Euro erhalten. Noch wurde nicht abgerechnet, doch voraussichtlich werden die kalkulierten Gesamtkosten von 920.000 Euro nicht überschritten, sagt Erster Stadtrat Rotter.

Die gravierendsten Mängel in deutschen Kitas

Wer die Kita Lessingstraße in diesen Tagen besucht, spürt die Aufregung auch der Kinder. Die haben mit den Erzieherinnen unzählige Kisten gepackt und wuseln drumherum. Beim Aufräumen haben sie einen Filmprojektor aus den siebziger Jahren entdeckt, den die damalige Leiterin Gertrud Schachermayer angeschafft hatte. Die Inneneinrichtung zieht am Freitag, 19., und Samstag, 20. Februar, in die „Villa Kunterbunt“ um. Die Hauptarbeit erledigen professionelle Möbelpacker, doch auch viele Eltern haben ihre Hilfe angekündigt. Das Grundstück an der Lessingstraße wird an einen Bauträger verkauft.

Kommentare