Angehörige sind nicht allein

Projekt „Leuchtturm“ kümmert sich um Familien von Demenzkranken

Waldacker - In Deutschland leiden etwa 1,5 Millionen Menschen an einer Demenz. Aber nicht nur die Erkrankten leiden, sondern auch die Angehörigen. Wie gut, dass es Betreuungsgruppen wie den „Leuchtturm“ im Stadtteil Waldacker gibt.

Ein wahrer „Leuchtturm“ für die Angehörigen demenziell erkrankter Menschen, die zuhause gepflegt werden, ist seit zehn Jahren das Angebot der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Ehrenamtlich betreuen derzeit rund acht Mitarbeiterinnen – nach einer speziellen Ausbildung – jeden Montag von 13.30 bis 17.30 Uhr die von der Krankheit Betroffenen und entlasten so die Angehörigen. Das ist preislich sehr viel günstiger als eine Tagespflege und von sehr persönlichem, privatem Charakter. Seit vier Jahren und mit immer mehr Freude daran leitet die Sozialpädagogin Helga Möller diese Gruppe, davor sechs Jahre lang Irmgard Jütten, die das eigentlich nur kurz übergangsweise machen wollte, doch dann dabei blieb.

Vor zehn Jahren war es die AWO-Vorsitzende Marianne Gräser gewesen, die den „Leuchtturm”, den Lichtblick für Kranke wie ihre Angehörigen, ins Leben gerufen hatte. Damals war das Pflegegesetz geändert worden, und da sie auch beruflich zum Thema Demenzerkrankung Erfahrungen gesammelt hatte, beschloss sie den Betroffenen mit einer Gruppe zu helfen – preiswert und praktisch, jederzeit erweiterbar und von den städtischen Stellen unterstützt.

Was sie heute noch bedauert ist die Tatsache, dass noch immer – auch nach zehn Jahren – eine große Scheu besteht, in die Gruppe zu kommen, als Angehöriger eines dementiell Erkrankten ebenso wie als Betroffener. „Wie soll ich das meinem Partner, meinen Eltern klar machen, warum wir da hin gehen?” über diese Frage stolpern viele, denen die vier Stunden Ablenkung oder auch Freizeit jeden Montag sehr helfen könnten. „Ich glaube, inzwischen ist es wirklich leichter, diese Angebote – von denen es in der Stadt inzwischen so einige gibt – zentral unter dem Dach der Stadt anzusiedeln und von dort aus zu bewerben. Das fällt den Betroffenen leichter, städtische Angebote anzunehmen, und auch die Werbewirksamkeit ist größer”, vermutet Marianne Gräser. In der Leuchtturm-Gruppe wird viel von früher erzählt, gesungen, gespielt, man geht spazieren und macht leichte Bewegungsübungen. Gemeinsam bereiten Besucher und Betreuerinnen einen kleinen Imbiss zu.

Alzheimer - die Krankheit des Vergessens  

Kontakte nach draußen gibt es auch – gerade mit der Kita Amselstraße in Waldacker, die öfter mal zu Besuch kommt. Das war auch wieder zur Geburtstagsfeier der Gruppe der Fall. Die Augen der an diesem Tag (aus Krankheitsgründen) nur drei von sechs Stammgäste strahlten ebenso wie die der Angehörigen oder der Besucher aus dem Pflegestift an der Rodau, die zum Geburtstagsbesuch gekommen waren, als die Kita-Kinder sangen, mit Besuchern der Gruppe tanzten und zuletzt selbst gebastelte Blumen verteilten. Sie wurden mit Schokoküssen belohnt. Alle Besucher erwartete ein ausgiebiges, von den Mitarbeiterinnen selbstgebackenes Kuchenbüffet.

Mit Blumen dankte Adele Belia vom Verein den Mitarbeiterinnen, von denen manche schon seit den Anfängen bei der Gruppe mit dabei sind wie etwa Christel Gries, Karin Gries, Marlene Geppert und Sylvia Kiechle. Musikalischen Schwung brachte wieder Lieselotte Krikser – begleitet von Ruth Röhrig – mit ihrer Gitarre und mit altem Volksliedgut und Oldies in den Saal des Bürgertreffs. Da sangen nicht nur die vielen besonderen Geburtstagsgäste mit, sondern auch die Besucher, für die der Leuchtturm seit zehn Jahren gute Arbeit leistet.

chz

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