Amtlich festgestellte Bodenrichtwerte lassen aufhorchen

Bauplätze sind etwas billiger als vor zehn Jahren

Rödermark - Schlagzeilen wie Wohnungsnot, explodierende Immobilienpreise oder Zuzugs-Region Rhein-Main lassen eigentlich nur einen Schluss zu: Der Traum von den eigenen vier Wänden wird immer teurer. Von Michael Löw

Rote, orangefarbene und gelbe Flächen stellen Wohngebiete, die blauen Flächen Gewerbegebiete dar. Die Zahlen darin geben den Preis pro Quadratmeter wieder, den Gutachter aus den Grundstücksgeschäften des vergangenen Jahres errechnet haben.

Doch in Rödermark können Käufer aufatmen, während Verkäufer lange Gesichter machen. Bebaute Grundstücke sind tendenziell eher etwas billiger als vor zehn Jahren. 400 Euro pro Quadratmeter lassen sich allenfalls noch in Spitzenlagen am Ortsrand erzielen. Wer in Rödermark auf Top-Preise für Immobilien spekuliert, hat derzeit keine sonderlich guten Chancen. Das geht aus den Bodenrichtwerten 2016 hervor, die Gutachter aus den Grundstücksgeschäften des Vorjahres errechnen. 2015 wechselten in Rödermark 159 Immobilien den Besitzer. 2014 waren’s wegen der Erhöhung der Grundsteuer 182, 2013 nur 139. Während die Zahl der Verkäufe von Jahr zur Jahr beträchtlichen Schwankungen unterliegt, bewegen sich die Verkaufspreise nur minimal. Und dann eher nach unten: Wurden 2006 im Breidert noch 410 Euro je Quadratmeter gezahlt, sind’s laut aktuellen Bodenrichtwerten nur noch 390 Euro. In Messenhausen ging der Quadratmeterpreis von 350 auf 340 Euro zurück. Das sind keine weltbewegenden Summen, doch Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist.

Die Zeit der ganz großen Preisunterschiede ist vorbei. Die Bodenrichtwerte für Wohngrundstücke schwanken zwischen 330 Euro auf der Bulau und 400 Euro entlang der Seligenstädter Straße in Ober-Roden oder am südlichen Rand von Urberach. Auffallend: Der Unterschied zwischen begehrten und weniger begehrten Wohnvierteln verschwimmt zusehens. Die Gutachter haben für das idyllisch gelegene Messenhausen den gleichen Quadratmeterwert ermittelt wie für das Seewald-Gebiet, das wegen seiner Wohnblocks nicht unbedingt als Urberachs Top-Adresse gilt: 340 Euro.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

„Bodenrichtwerte sind immer ein Blick in den Rückspiegel“, macht Bauamtsleiter Thomas Kron klar, dass sich die momentane Entwicklung auch umkehren kann. In Waldacker zum Beispiel steigen die Preise wieder von 320 Euro in den Jahren 2011 bis 2014 auf 340 Euro in diesem Jahr. Die Bodenrichtwerte sind keine amtlich festgelegten Preise, sondern eher eine Verhandlungsgrundlage auf der Basis vergangener Geschäfte. Letztlich bestimmen der Zustand eines Hauses, die genaue Lage, Nachbarschaft, Grundstückszuschnitt und die Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln, was bezahlt wird.

Luxus pur: Die teuersten Wohnlagen in Frankfurt

Krons Kollegen und Kolleginnen in der Bauverwaltung hören immer wieder von Quadratmeterpreisen um die 600 Euro. Aber das ist offensichtlich Wunschdenken von Grundstücksbesitzern: Was letztlich protokolliert wird, liege praktisch immer innerhalb der Richtwerte. Wo immer die Stadt mit nennenswerten Flächen im Bauplatz-Geschäft dabei ist, trägt sie mit ihren Fixpreisen zur Beruhigung des Marktes bei. Das, so Kron, sei in den Urberacher „Rennwiesen“ der Fall gewesen. Dort gewährte die Stadt jungen Familien einen Preisnachlass von 70 Euro je Quadratmeter. Andere Käufer zahlten 360 Euro. Wer ein Passivhaus gebaut hat, bekam 15 Euro Rabatt auf den Quadratmeterpreis.

Rubriklistenbild: © Grafik: Ekkehard Wolf

Kommentare