„Religiöse Spinner“ am Werk?

Immer mehr Diebstähle in Gotteshäusern

Rödermark - Mitte Januar trieben Unbekannte in der St.   Nazarius-Kirche Schindluder. Jetzt suchen Diebe die evangelische Kirche Ober-Roden und die Urberacher St. Gallus-Kirche heim.

Der evangelische Pfarrer Carsten Fleckenstein listet eine ganze Reihe von Vorfällen auf: Nach dem vorletzten Wochenende wurden die Altarbibel sowie das Buch für Gebetsanliegen und der Kasten für anonyme Bitten entwendet. Zwischen dem vergangenen Sonntag und Montagmorgen verschwanden erneut die Altarbibel und das Altartuch, das grüne Parament. Sie waren rund um die Kirche nicht auffindbar – weder im Gebüsch noch in den Mülleimern oder ähnlichem. Daraus schließt Pfarrer Fleckenstein, dass es sich wohl nicht um einen Dumme-Jungen-Streich handelt, sondern dass vielleicht „religiöse Spinner“ am Werk waren. „Ecclesiogene Neurose“ wäre das Fachwort dafür. Die Polizei wird eingeschaltet.

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Die evangelische Gustav-Adolf-Kirche, die seit den 80er Jahren ganz bewusst für Ruhesuchende und für Betende rund um die Uhr einladend offen steht, ist seit gestern erst einmal geschlossen. Der Geistliche Ausschuss der Gemeinde, in dem Pfarrer und Kirchenvorsteher vertreten sind, entscheidet über das weitere Vorgehen und bedauert zutiefst, dass die offene Kirche mit solchen Freveln grundlegend in Frage gestellt wird.

Pfarrer Fleckenstein appelliert an den oder die Täter, die für sie ohnehin weitgehend wertlosen Gegenstände wieder zurückzugeben. Wer Beobachtungen zu diesen Vorfällen gemacht hat, möchte sich bitte mit der Kirchengemeinde in Verbindung setzen (06074/94008 oder 94009). Wegen „unangenehmer Vorkommnisse“ ist auch die katholische Kirche in Urberach bis auf Weiteres nur für die Gottesdienste geöffnet. Das teilte die St. Gallus-Gemeinde gestern mit.

Henry Faltin von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Südosthessen sagte gegenüber unserer Zeitung, dass seit 1. Januar in Stadt und Kreis Offenbach vier Straftaten in oder aus kirchlichen Gebäuden angezeigt wurden. Ins Muster passe jedoch nur der Einbruch in die St. Gallus-Kirche am 18. Januar. Vorsicht sei aber geboten. Denn wenn ein Täter in einem Gebäude leichte Beute gemacht habe, verleite ihn das zu Wiederholungen. Die übrigen Delikte, so Faltin, hätten auch in jedem anderen Gebäude passieren können. So sei am 13. Januar in der Petruskirche einer Frau die Handtasche gestohlen worden.

chz/lö

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