Einrichtung ein Jahr nach dem Start voll belegt

Franziskushaus: Kein Zimmer frei in der Demenz-WG

+
Petersilie, Basilikum, Schnittlauch und zuoberst Lavendel: Kinder der städtischen Kita „Villa Kunterbunt“ bepflanzten bei ihrem zweiten Besuch in der Demenz-WG des Franziskushauses gemeinsam mit den Bewohnern eine Kräutersäule. Die ehemalige Sozialarbeiterin Elisabeth Rudolf-Butz organisiert das Engagement der Angehörigen und der Nachbarschaft – ohne engagierte Angehörige und Betreuer geht nämlich fast gar nichts. Sie gehen einkaufen und entscheiden über alles, was in der Demenz-WG passiert.

Urberach - Die Demenz-WG im Franziskushaus der Caritas besteht seit gut einem Jahr. Die beiden im vergangenen Juni eröffneten Wohngruppen ermöglichen 13 Menschen ein trotz Krankheit weitgehend eigenständiges und dennoch betreutes Leben.

Die Betreuung Demenzkranker hat in Rödermark viele Gesichter. Vor einem Jahr eröffnete die Caritas in ihrem neuen Franziskushaus Wohngruppen. Mittlerweile sind alle Zimmer belegt; sechs Frauen und sieben Männer im Alter von 51 bis 92 Jahren leben dort zusammen. Ihre Angehörige haben als Mietergemeinschaft den Verein Demenz-Partner Rhein-Main beauftragt, die Organisation der Wohngemeinschaften zu regeln. Acht Zimmer in der einen, fünf Zimmer in der zweiten Wohngruppe haben eigene Aufenthaltsräume und Küchen. Jeder Bewohner hat ein eigenes Schlaf- und/oder Wohnzimmer, das nach Belieben ausstattet werden kann. Vier barrierefreie Bäder werden gemeinschaftlich genutzt, ebenso das Pflegebad mit Badewanne.

In den beiden großen Gemeinschaftsräumen nehmen die Mieter ihre Mahlzeiten ein oder gehen anderen Aktivitäten nach. Ein Gästezimmer mit Schlafsofa bietet Besuchern die Möglichkeit zur Übernachtung. Alle Mieter nutzen Garten und Terrasse. Die Beteiligung der Demenzkranken nach ihren individuellen Fähigkeiten bei hauswirtschaftlichen Tätigkeiten hilft therapeutisch mit, vorhandene Fähigkeiten möglichst lange zu erhalten. Solche ambulant betreuten Wohngemeinschaften sollen vielen Menschen den Weg ins Pflegeheim ersparen.

„Die Demenz-Wohngemeinschaften sind keine Pflegeeinrichtungen oder Kleinstheime. Ihre Bewohner sind Mieter, die sich je nach Bedarf Betreuungs- und Serviceleistungen hinzukaufen. Sie oder ihre Vertreter sind die ‚Herren im Haus’. Die Alltagsbegleiter und Pflegefachkräfte sind Gäste“, erklärt Wolfgang Geiken-Weigt der Vorsitzende der Demenz-Partner Rhein-Main. Die Mieter bestimmen, wer die Betreuung und Pflege übernimmt; zur Zeit ist die Caritas-Sozialstation beauftragt.

Alzheimer - die Krankheit des Vergessens  

Regelmäßig besuchen Kinder der Kita „Villa Kunterbunt“ die Demenz-WG und singen mit den Bewohnern oder pflanzen Blumen und Kräuter. Die Senioren-Lotsen gehen mit den Demenzkranken an der Rodau spazieren. Acht Bewohner des Franziskushauses engagieren sich und singen und basteln mit ihren Nachbarn. (chz)

Kommentare