Hofflohmärkte in der Babenhäuser Straße

Vom Ranzen zum 55er Moped

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Eine 1955er Zündapp zog vor Manfred Rädleins Haustür aller Blicke auf sich - der Preis wiederum war mit 650 Euro klar definiert und flohmarkt-untypisch nach unten nicht verhandelbar.

Ober-Roden - Der erste Hofflohmarkt in der Babenhäuser Straße wird sicher nicht der letzte sein. Etliche Hausbesitzer hatten ihre Tore geöffnet und boten Trödel, Kitsch oder Nützliches an. Die Umsätze hielten sich oft in Grenzen. Von Christine Ziesecke 

Aber die Veranstaltung brachte Leute miteinander ins Gespräch, die oft jahrelang einfach nur nebeneinander her gewohnt haben. Das Wetter bescherte den Standbetreibern des ersten Hofflohmarktes in der Babenhäuser Straße mehr Arbeit als nötig. Pavillons mussten aufgebaut und gesichert und Planen von Haus zu Haus gespannt werden. Doch die Atmosphäre und die kleinen Verkäufe haben den Aufwand durchaus gerechtfertigt. Erika Becker, Steffi Mitterle und Gaby Weber hatten die Idee im Frühjahr „geboren“. Einige Treffen hatten sie voran gebracht und dann wieder zweifeln lassen, als plötzlich das Interesse gering war. Doch die Initiatorinnen zogen es durch, zumal für einen reinen Hofflohmarkt keine größeren Vorgaben bestehen außer die Bürgersteige weitgehend frei zu lassen und keine Nahrungsmittel zu verkaufen. Der Rest war jedem Teilnehmer selbst überlassen.

Ein paar Sonnenstrahlen hätten dem kleinen Markt gut gestanden, aber auch so war’s eine gelungene Initiative, die Menschen ins Gespräch brachte und manchem auch ein schönes Schnäppchen bescherte. Irene Geiss zeigte strahlend ihrem Nachbarn neun kleine Porzellanschüsselchen für Kräuterdips oder ähnliches, die genau zu ihrem Geschirr zuhause passen. Nichts, was man wirklich dringend braucht, aber worüber man sich beim nächsten Tischdecken einfach freut.

Ähnlich mag es manchen Spaziergängern ergangen sein, die am Sonntag vorbei flanierten und erst zurückhaltend, dann aber doch interessiert oder amüsiert jene Schätze begutachteten, die auf Torpfosten oder Kisten, Tapeziertischen oder Gartenbänken Blicke auf sich zogen. Lächelnde Porzellanhunde oder betagte Teekannen, schillernde Ohrgehänge oder schnittige Lederjacken, Kunstfotos von der Katze namens Buda, die einst aus der Tschechoslowakei gerettet wurde: Die Geschichten zu den originellen Stücken gab’s stets kostenlos dazu.

Aber auch aktuelle Eisprinzessinnen-Videos oder gerade erst abgelegte Schulranzen standen da in der Hofeinfahrt. Paula Lotz hatte sie ausrangiert und hoffte damit ihr Taschengeld aufzubessern. Bei den Schwestern Sarah und Mona Linke konnte man sich lange die Zeit unterm grünen Zeltdach vertreiben. Sie verkauften von der Babyausstattung bis zur Markenbluse und vom Kinderhochstuhl bis zu den Rollerblades vieles: „Wir haben unsere Wohnung durchsucht und außerdem die Kisten aus dem Keller geholt. Da stehen immer Boxen mit Sachen für den nächsten Flohmarkt.“

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Richtig froh, wieder einmal einiges los zu werden, war auch Vroni Jäger, in deren geöffnetem Hof Schätze zu Hauf zu finden waren: „Ich hab den Flohmarkt mit der ganzen Familie vorbereitet – da kam schon so einiges zusammen.“ Conny Weidenauer und Patricia Bauer verbanden ihren Stand mit ein bisschen Kundenwerbung, denn die Tür zu ihrem Studio „Mein Körperglück“ stand als Umkleidekabine offen.

„Was jetzt nicht weggeht, kann guten Gewissens in den Second Hand-Laden oder zur Kleiderkammer!“, betonten einige Teilnehmer. Nicht so bei Manfred Rädlein, dessen 1955er Zündapp Motorroller ein echter Hingucker war. Doch er hielt am Preis von 650 Euro fest. Eigentlich wollte er ihn gar nicht wirklich los werden. „Obwohl er ihn fast nie gefahren ist“, wie seine Frau ihm vorhält. Schöner Nebeneffekt des Hofflohmarktes: An diesem Nachmittag lernten sich Menschen kennen, die schon länger nahe beieinander wohnen, aber nichts voneinander wissen. Unzählige Hände wurden geschüttelt, und nun kennt man sich, auch um die Ecke.

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