Hunde haben viel Elend erlebt

Tierschützerinnen suchen neue Heimat für Vierbeiner aus Süd- und Osteuropa

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Symbolbild

Ober-Roden - Der „arme Hund“ ist ein geflügeltes Wort. Und in vielen Ländern Europas eine traurige Tatsache. Rödermärker Tierschützerinnen verhelfen spanischen und ungarischen Hunden zu einem besseren Leben - obwohl sie aufgrund ihrer Vita alles andere als pflegeleicht sind. Von Michael Löw

Karin Milde und Elwine Gaubatz engagieren sich schon seit Jahrzehnten für den Tierschutz. Karin Milde, Rentnerin aus Ober-Roden, tut’s seit 2000, da war ihr Yorkshire-Terrier gestorben. „Ich wollte mich wenigstens eine Zeitlang als Gassi-Geherin im Tierheim Altheim nützlich machen“, erzählt sie. Dem ist sie heute noch eng verbunden. Vor allem aber ist ihre Wohnung im Breidert eine Pflegestelle, zu der das Tierheim Hunde schickt, die bislang in Ungarn oder auf der spanischen Ferieninsel Gran Canaria ein trauriges Dasein fristeten. „Auch hier in Deutschland gibt es viel Tierleid“, entschuldigt sich Karin Milde fast schon für ihr Engagement. „Aber ich kann doch nicht einfach weggucken, in anderen Ländern haben Tiere gar keine Lobby!“ Deshalb haben zwei ungarische Straßenhunde bei ihr eine vorläufige und Hündin „Toffee“ eine dauerhafte Heimat gefunden.

„Milo“ ist ein dreijähriger Pekinesen-Mix, den Tierfänger mit einer Schlinge einfach von der Straße geholt haben. Die „Hund und Katz Tierhilfe“ aus Lehrte brachte den Rüden nach Deutschland. Die Schlinge hat „Milo“ offenbar nachhaltig schockiert, denn es hat ewig gedauert, bis er sich das Halsgeschirr fürs Gassi-Gehen anziehen ließ. „Nelly“ ist mit ihren acht oder neun Jahren eine schon ziemlich betagte Hundedame. Auch sie muss auf der Straße viel Böses erlebt haben, denn sie ist ein ziemlich ängstlicher Charakter. Karin Milde sucht für beide ein neues Zuhause. Denn drei Hunde sind zuviel für ihre Wohnung. „Milo“ und „Nelly“ sind einerseits verschmust und verträglich, andererseits brauchen sie klare Ansagen. Karin Milde: „Hundeerfahrung wäre von Vorteil.“

Zustände in ungarischen Tierheimen haben sie entsetzt

Während sie das traurige Hundeleben im Süden und Osten Europas nur vom Hörensagen kennt, hat Elwine Gaubatz es erlebt. Die Zustände in ungarischen Tierheimen haben sie entsetzt, erzählt sie. Selbst bei dicken Minusgraden liegen Hunde auf blankem Beton, und wenn es schneit, ahnt man allenfalls, dass die weißen Hügel Lebewesen sind. Auch regelrechte Tötungsstationen hat sie schon besuchen müssen. Elwine Gaubatz ist seit 36 Jahren im Tierschutz aktiv. Anfangs fuhr sie mit einem Katzenmobil durch Mallorca und sammelte herumstreunende Kater ein, um sie auf eigene Kosten zu kastrieren. Von einer spanischen Urlauberinsel kommt auch ihr derzeitiger Pflegehund „Benny“. Der 2014 geborene schwarze Kurzhaar-Rüde wurde mit Mutter und Schwester auf einer Müllhalde in Gran Canaria gefunden. Beide Mädels wurden in Deutschland vermittelt, „Benny“ wartet noch darauf. Denn Menschen gegenüber ist er sehr scheu. Streicheln geht gar nicht, und das Halsgeschirr lässt er sich derzeit nur von Elwine Gaubatz anziehen. Wenn das seine einzigen Macken wären...

„Benny braucht erfahrene Herrchen oder Frauchen ohne kleine Kinder, aber unbedingt einen souveränen Zweithund, möglichst in seinem Alter“, schreiben Elwine Gaubatz und Karin Milde im Steckbrief auch nicht lange um den heißen Brei herum. Zumal „Benny“ weder ein Wohnungs-, noch ein Zwingerhund ist und am glücklichsten auf einem Bauernhof wäre. Bis dahin müssen die beiden Frauen noch einiges an Überzeugung leisten.

Schnauze mit Köpfchen - Ein Pudel braucht viel Pflege

Das gern gepflegte Klischee von Tierschützerinnen, die außer Vierbeinern nichts in Kopf und Herz haben, weisen die Ober-Röderinnen zurück. Karin Milde zum Beispiel gehört zum Freiwilligenteam, das Alte und Pflegebedürftige im Haus Morija mit Kaffee und Kuchen bewirtet. Elwine Gaubatz versichert, auch nach 36 Jahren Tierschutz kein „Animal-Horter“ zu sein. Dieses englisch-deutsche Wortungetüm beschreibt Menschen, die aus falsch verstandener Liebe Tiere sammeln und früher oder später an der schieren Masse verzweifeln. „Ich habe drei Tiere - einen Hund und zwei Katzen“, sagt Elwine Gaubatz. Und vollendet den scheinbar fertigen Satz nach einer kleinen Kunstpause: „...gehabt in all den Jahren!“

„Nelly“ ist geimpft und mit einem Chip gekennzeichnet, „Milo“ und „Benny“ sind zudem noch kastriert. Wer Interesse an einem der drei Hunde hat, kann Karin Milde, Tel.: 06074/93449, oder Elwine Gaubatz, Tel.: 0172/6915130, anrufen. Bundesliga-Rekordspieler Charly Körbel hat den Steckbrief des Trios übrigens in der Eintracht-Fußballschule aufgehängt.

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