Hundebesuch

Abby bringt Lebensfreude in Ober-Röder Pflegeheim

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Banja (vorn) und Abby freuen sich tierisch über die Streicheleinheiten, die Sieglinde Heeg ihnen zukommen lässt. Ute Riedner kommt mit ihren Hunden zweimal die Woche ins Pflegeheim.

Ober-Roden - Lydia Richmann liebt Hunde schon immer. Wer mit seinem Hund den Weg am Senioren- und Pflegepark Odenweller entlang spaziert, bekommt von der alten Dame stets ein paar freundliche Worte zu hören und ein Leckerli übern Zaun gereicht. Von Michael Löw

Banja und Abby spüren diese Zuneigung noch viel intensiver, denn die Hovawart-Hündinnen umkreisen Lydia Richmanns Rollator voller Vorfreude auf ausgiebige Streicheleinheiten und natürlich einen kleinen Happen. Und Sieglinde Heeg springen sie auf den Schoß - aber erst, als Ute Riedner ihr Okay gegeben hat. Banja und Abby sind aufwändig und liebevoll ausgebildete Therapiehündinnen, die einmal pro Woche die Bewohner des Alten- und Pflegeheims in der Carl-Zeiss-Straße besuchen, und Ute Riedner ist Chefin und zweibeinige Partnerin in einem. Die Ober-Röderin hat sich auch von Berufs wegen dem besseren Miteinander von Mensch und Hund verschrieben.

Rita Gotthold, die Leiterin des Sozialdienstes, könnte die vor gut einem Jahr begonnene Visite wissenschaftlich verklausulieren und von kognitiver, feinmotorischer und emotionaler Förderung sprechen. Sie tut’s aber nicht, sondern sagt ganz einfach: „Abby und Banja vermitteln Freude und geben unseren Leuten Sicherheit.“ Bei Demenzkranken weckt die Hand im weichen Fell Erinnerungen an eine frühere Welt, die längst schon in Vergessenheit geraten ist.

Ute Riedner besucht das Pflegeheim ehrenamtlich mit ihren Hunden. Hovawarts sind eine alte Rasse, die schon im 16. Jahrhundert gezüchtet wurde. Hofwächter heißt der Name ins zeitgemäße Deutsch übersetzt, doch mit einen scharfen Wachhund haben Abby und Banja absolut nichts zu tun. „Sie sind große Hunde, vor denen man keine Angst haben muss“, stellt Ute Riedner klar. Die Hündinnen würden sogar spüren, wenn jemand Angst vor ihnen hat. Solchen Menschen kommen sie längst nicht so nahe wie anderen.

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Aber auch diese Angst legt sich. Rita Gotthold und Ute Riedner schildern den Fall einer Heimbewohnerin, die anfangs geschrieen hatte, wenn die Hunde auf Tuchfühlung gingen. Inzwischen dreht sie sich nur noch weg. Diese Woche schaute sie sogar interessiert zu, als Abby Bälle apportierte oder Banja einen Futterspender aus drei Metern Entfernung bediente und ihre Belohnung in Form eines Zipfels Truthahnwurst auf den Teller rollte.

Die meisten der älteren Herrschaften kommen in den Hof, wenn die Hunde zu Gast sind. Nach den Vorführungen folgt dann der nichtöffentliche Teil des Besuchs. Ute Riedner geht in die Zimmer jener Bewohner, die das Bett nicht einmal mehr im Rollstuhl verlassen können. Abby oder Banja legen sich zu ihnen ins Bett und lassen sich sanft streicheln oder herzhaft knuddeln - je nach Kraft der Patienten. Diese Verbundenheit zwischen Mensch und Tier bleibt. Ute Riedners Hovawart-Hündinnen haben im Pflegepark auch schon Sterbende bis zu ihrem letzten Atemzug begleitet.

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