Mit Sprüchen und Anekdoten

Kerbverein feiert 25 Jahre Bestehen

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20 der einstigen Gründungsväter und fast alle Kerbväter seit der Vereinsgründung 1981/82 auf der Bühne im „Gasthof zum Löwen“.

Ober-Roden - Das kann ja heiter werden – der Sommer in Rödermark verspricht abwechslungsreich zu werden. Dafür wird vor allem der Kerbverein Ober-Roden sorgen, und geht man von dessen „akademischer Feier“ anlässlich seines 25. Geburtstags aus, so können sich die Rödermärker freuen: Wenn akademisch schon so vergnüglich ist, wie mag dann erst das Zeltfest vom 8. bis 10. Juli auf dem Festplatz werden? Von Christine Ziesecke 

Alles andere als trocken akademisch ging es nämlich im „Gasthof zum Löwen“ – einem sonst eher unakademischen Ort – bei der Eröffnung des Festjahres zu. Christian Christ, seit 2014 Vorsitzender des Kerbvereins, hatte an diesem Abend 30 Programmpunkte zu moderieren – doch sie boten einen wunderbaren Querschnitt durch 25 Jahre Kerbverein. Neben ein bisschen klassischem Einstieg durch zwei Musikerinnen des Musikvereins Viktoria 08 gab es viel Kerbmusik, waschecht dargeboten von den vier Vereinsmitgliedern Norbert Köhler, Jörg Sadler, Bernd Krickser und Achim Hitzel. Eben dieser (mittlerweile Professor Dr.) Achim Hitzel hielt zum Einstieg einen geschliffenen und doch urkomischen Festvortrag, der es in sich hatte und die geladenen Gäste schon zum Gelächter reizte. Dem gewollt klassischen Anfang ließ er eine zweite Rede folgen, ganz im Stile des alljährlichen Kerbspruchs – und das verstanden die Kollegen aus 25 Jahren Owerräirer Kerb denn auch.

Christian Christ (Vorsitzender des Kerbvereins), Achim Hitzel (Festredner der akademischen Feier) sowie Bürgermeister Roland Kern beim traditionellen Stiefel.

Ihm schlossen sich in kleinen Gruppen die Kerbväter dieser 25 Jahre an – jeder mit kurzen Zitaten aus seinem jeweiligen Kerbspruch, oft noch von einem aktuellen launigen Nachsatz abgerundet. Merkwürdigerweise betrafenen die meisten dieser Auszüge den westlichen Nachbarn und dessen Kerb-Besonderheiten – was sich liebt, das neckt sich doch wohl. Schirmherr Roland Kern kam nicht nur mit antiquarischen Nachschlagewerken unterm Arm herbei, aus denen er Stichworte rund um die Kerb in der Version etwa um 1900 verlas, sondern ließ dem letzten Stichwort Kerbholz auch ein solches folgen: ein dickes Scheit mit dem schriftlichen Versprechen „50 Liter“ und seinem Namen verziert – der Bierfass-Gutschein fürs Zeltfest.

Ganz Anderes hatte der Festpräsident und ehemalige Kerbborsch und Kerbvereinsmitglied Jörg Rotter im Gepäck: Eine Anekdote aus seiner Amtszeit, als die Kerbburschen spätnachts – natürlich völlig nüchtern – mit dem Auto, aus dem eine lange Leiter herausragte, auf dem Weg zum Klauen der Orwischer Kerbpopp waren – die wiederum seiner Mutter am nächsten Mittag vor dem eigenen Haus einen gewaltigen Schrecken einjagte: „Du, Jörg, steh auf! Da draußen liegt einer!“ (Die Retourkutsche erfolgte sehr wohl im Jahr darauf.) Die Geschichte der Ober-Röder Kerb, die durchaus immer mit der Kirche im Ort verbunden war, begann eigentlich am 4. Oktober 1886, vor 130 Jahren, doch im 1. Weltkrieg und erst recht im 2. Weltkrieg kam sie zum Erliegen. Es brauchte bis 1981, die Kerb wieder aufleben zu lassen, dann aber gewaltig, denn gerade der Jahrgang 82/83 nahm sich vieler alter Kerbtraditionen wieder an.

Kerb 2015 in Ober-Roden: Fotos

Mit 41 Mitgliedern gründeten sie einen Kerbverein, von denen immerhin noch 20 von B wie Berli bis S wie Sadler am Freitag bei der akademischen Feier dabei waren. 13 Vorsitzende hatte der Verein seit seiner Gründung – fast alle standen sie auf der Bühne und bekamen dankbaren Applaus. Einen Verdienstorden konnte der Bürgermeister zwar nicht gerade versprechen, aber ein Lobstebbel für so viel Engagement für die Bürger steht doch nach diesem Abend groß und deutlich im öffentlichen Raum.

Und es geht weiter: mit vielen Randnotizen gespickt, teilte Dominik Raquet schließlich eine große Prise Vorfreude aufs Zeltfest aus und schilderte des Programm der heißen drei Tage, von den „Jukes“ und den „Rodgau Monotones“ am Freitag über ein buntes Kinder- und Familienprogramm mit der Olympiade der Kerbvereine aus Ober-Roden und den benachbarten Orten und einem rasanten Partyabend bis zum sonntäglichen ökumenischen Gottesdienst, dem großen Mundart-Frühschoppen mit allen Orwischer und Owerräirer Mundart-Unikaten und einem Konzert der Ober-Röder Musikvereine. Als grandiosen Abschluss gilt es zu guter Letzt gemeinsam das Endspiel der Fußball-Europameisterschaft auf der Großleinwand zu feiern. „Mer sollts net maane, awer es is woar: der Kerbverein wird 25 Joar!“ Freuen wir uns doch alle auf drei Tage volle Lotte wieder mal.

Ausführliche Informationen dazu unter www.zeltfest.kerbborsche.de.

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