Unbeschrankter Bahnübergang unter ständiger Beobachtung

Nach Warnhinweis: Lebendige Bahnschranke in Urberach

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Gestern Vormittag kümmerte sich Michael Sagolla (im Hintergrund, rechts) um die Bahnüberführung. Er betreut die beiden Ziehharmonikabänder, die während der Zeit des herannahenden Zuges quer über den Weg „Am Zilliggarten“ gezogen werden.

Urberach - Ein bisschen hemdsärmelig sieht die Absperrmaßnahme am unbeschrankten Bahnübergang nahe der Bulau schon aus. Mit rotweißen Zieharmonikabändern sichert ein Mitarbeiter die Gleise, sobald ein Zug kommt. Anwohner und Passanten wundern sich über diese „menschliche Bahnschranke“.

„Der Übergang steht unter Beobachtung“, beschreibt ein Sprecher der Deutschen Bahn die Lage an der Strecke unweit der Bulau. Ein besorgter Anwohner habe die Bahn darüber informiert, dass er Unregelmäßigkeiten an der Lichtzeichenanlage beobachtet habe. „Es soll ein Zug durchgefahren sein, ohne dass das Blinklicht funktionierte.“ Solche Hinweise lassen bei der Bahn alle Alarmglocken ertönen. Sie lösen eine Kette von Prüf- und Sicherheitsmaßnahmen aus. Der Bahnübergang werde rund um die Uhr elektronisch und zusätzlich durch Personal beobachtet. Züge, die dort ankommen, müssen stoppen und einen Warnton absetzen. Der Fahrer des Triebwagens muss sich versichern, dass der Übergang frei ist. Erst dann darf er in Schrittgeschwindigkeit darüberfahren.

Zusätzlich sperrt ein Sicherheitsmitarbeiter die Strecke mit den rotweißen Zieharmonikabändern. So geht das jetzt seit einigen Tagen. Der Bahn-Sprecher versichert, die bisherige Auswertung sämtlicher Störprüfprotokolle habe keinen Fehler ausfindig machen können. „Wir konnten keine Unregelmäßigkeit feststellen.“ Trotzdem werde die Prozedur so lange fortgesetzt, bis das Eisenbahnbundesamt die Strecke wieder frei gegeben habe. Gestern Vormittag kümmerte sich Michael Sagolla um die Bahnüberführung. Er betreut die beiden Ziehharmonikabänder, die während der Zeit des herannahenden Zuges quer über den Weg „Am Zilliggarten“ gezogen werden, um Passanten und Autofahrern den Übergang zu versperren.

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Nach der Durchfahrt löst er sie wieder und legt sie dann quer über die Gleise – ein skurriler und origineller Anblick, der suggeriert, die Bänder würden den Zug ausbremsen können. „Ich werde vor jeder Zugpassage vom Fahrdienstleiter in Offenbach-Ost angerufen, ob die Strecke an dieser Stelle abgesperrt ist. Erst wenn ich das bestätige, wird der Zug auf dieser Strecke freigegeben.“ Sicher ist sicher. In der Testphase werden alle Werte doppelt registriert: automatisch wird das Einsetzen der Warnanlage aufgezeichnet; dazu kontrolliert der zuständige Sicherheitsbeauftragte das visuell. „Seit wir angefangen haben am Sonntag Nachmittag, ist noch keine Unregelmäßigkeit aufgetreten“, bescheinigt Michael Sagolla. Und die Passanten, die den Aufwand teilweise belustigt, teilweise besorgt beobachten, sind sehr nachsichtig – schließlich kommt es langfristig ihrer eigenen Sicherheit zugute.

Positiv sehen das übrigens auch die einzigen echten Anwohner: Familie Haus in der benachbarten ehemaligen Gärtnerei. „Wir hören zwar in dieser Zeit jetzt das regelmäßige Hupen, aber wenn es der Sicherheit am Bahnübergang dient, ist das o.k.“ bp/chz

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