Jedes Jahr rund 12.000 Kilometer auf dem Sattel

Joachim Weidmann: Vom Marathonläufer zum Viel-Radfahrer

Urberach - Joachim Weidmann ist nicht nur beim „Stadtradeln“ (Bericht unten auf der Seite) einer der eifrigsten Pedaltreter in ganz Rödermark. Pro Jahr legt er rund 12 000 Kilometer zurück - allein mit Muskelkraft. Denn ein E-Bike kommt für ihn nicht in Frage beziehungsweise in die Garage. Von Michael Löw

Ungarn, Spanien, Frankreich, Deutschland von Flensburg bis zur Zugspitze: Das alles hat Joachim Weidmann schon auf dem Fahrradsattel erkundet. Geradelt ist der 71-Jährige immer, doch eine Knieoperation 2010 beendete die Laufbahn des Ex-Marathonmanns. Und machte ihn zum Vielradler mit einer durchschnittlichen Wochendistanz von fast 250 Kilometern. Wenn Joachim Weidmann sagt, dass er Tag und Nacht Radfahre, meint er das wörtlich. Bei den Heimspielen der Frankfurter Eintracht betreut er in den VIP-Loungen die Ehrengäste. Bevor die ihr erstes Lachsschnittchen verspeisen, hat Weidmann schon 25 Kilometer in den Beinen. Und wenn der Schiedsrichter eine Freitagspartie erst spät abends abpfeift, hat er die 25 Kilometer nochmal im Dunkeln vor sich. Vor allem im Wald zwischen Neu-Isenburg und Sprendlingen sieht er gelegentlich Wildschweine, doch unliebsame Begegnungen blieben ihm erspart.

Weidmann schätzt das gut ausgebaute und beschilderte Radwegenetz im Rhein-Main-Gebiet. Ausnahmen gebe es aber zwischen Rödermark und Eppertshausen beziehungsweise Messel. „Da müsste über Kreisgrenzen hinweg mehr getan werden“, fordert Weidmann. Bei seinen Touren - oft solo, manchmal mit den Jedermännern des MTV Urberach - denkt er über Ländergrenzen hinweg. Seine Sportfreunde hat er schon bis in die ungarische Partnergemeinde Bodajk geführt. Allein fuhr er die knapp 3 000 Kilometer von Malaga in Südspanien nach Rödermark zurück, hat dabei auch die Pyrenäen überquert. Um auf Nummer sicher zu gehen, hat er oft ein Zelt in der Satteltasche. Bei der Malaga-Tour schlief er 15 von 30 Nächten darin. Doch sonst überlässt Joachim Weidmann wenig dem Zufall. Sorgfältige Planung am Computer - lautet seine Maxime. Dort hat er unter anderem eine Elbe-Tour von Dresden bis nach Hamburg oder besagte Deutschland-Durchquerung vorbereitet. Das war 2013.

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Deutschland von Nord nach Süd auf dem Sattel zu erfahren, ist schon eine Leistung. Im September will er die toppen: Europa in West-Ost-Richtung, von Paris nach Prag, hat er sich vorgenommen. An den Details der Streckenführung arbeitet er noch. In Kilometern ausgedrückt, heißt das: knapp 2 000. Gleich nach dem „Stadtradeln“ sind Joachim Weidmann und zehn „Jedermänner“ wieder in den Sattel gestiegen und sind nach Heidelberg gefahren. Von dort aus haben die Urberacher täglich Ausflüge unternommen: ins Technikmuseum Sinsheim, nach Speyer oder ins hübsche Neckarstädtchen Hirschhorn, Hessens südlichste Spitze. 420 Kilometer legte jeder Teilnehmer zurück.

Die meisten „Jedermänner“ haben sich mittlerweile ein kräfteschonendes E-Bike zugelegt. Weidmann indes schwört auf seine Beine als einzigen Antrieb. Und er widerlegt den Irrglauben, dass ein gutes Rad 2 000 Euro und mehr kosten müsse. Für sein Tourenrad hat er etwas mehr als 800 Euro hingeblättert. Dass es trotzdem rollt wie die berühmte Eins führt der Vielradler auf eine sorgfältige Pflege und viel Wissen bei den unvermeidlichen Reparaturen unterwegs zurück.

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