Starke Frauen zeigen, wo es lang geht

Maß-Halten im Dirndl: Oktoberfest des TG-Musikzugs

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Ober-Roden - Feiern wie die Bayern liegt voll im Trend. Auch in Hessen schießen Oktoberfeste wie Pilze nach einem warmen Herbstregen aus dem Boden. Die Musiker der Turngemeinde hatten den Trend früher als andere Veranstalter erkannt: Am Samstagabend hieß es zum 24. mal „Ozapft is!“.

Oktoberfest bei der TG ist wie ein Aufatmen. Die Sommerveranstaltungen im Freien sind vorbei, die Hallensaison und damit bald auch Fastnacht gehen los. Da passt so eine Bajuwarengaudi bestens in den Terminkalender. Spätestens als die Kasse im Foyer der Halle geschlossen wurde, weil niemand mehr Platz fand, war klar: Das Fest ist wieder einmal ein Erfolg. In den vergangenen Jahren hat das Oktoberfest, zu dem der Musikzug der Turngemeinde Ober-Roden einlädt, nicht nur immer mehr Zulauf bekommen, sondern auch seine Grundidee verändert. Waren es ursprünglich die bodenständigen und zugkräftigen Wettbewerbe vor allem zwischen den Ortsvereinen, die den Reiz der Veranstaltung ausmachten, ist’s mittlerweile fast ausschließlich das Feiern in großen oder kleinen Cliquen, das Sehen und Gesehen-werden, das hierher lockt.

Ein kluger Kopf lässt sich nach Hause tragen,- dachte sich Florian Löbig und trug beim Oktoberfest dieses ausgesprochen originelle Hosen-Schuh-Modell, das ihm viel Aufmerksamkeit bescherte.

Die einst kräftezehrenden Wettkämpfchen wie Kistenstapeln und Hindernisläufe samt lautstarker Unterstützung sind inzwischen eingedampft auf Maßkrugstemmen und Dirndlpräsentation. Pure Manneskraft hier, weibliche Grazie dort, sinnbildlich sicher für ein solches Fest. So war die Bühne frei für die „Wirtshaus Vielharmoniker“ mit ihrer echten Oktoberfest-Zelterfahrung. Sie spielten ihre volkstümliche Festzelthits bis hin zu Liedern der Toten Hosen - sehr zur Freude der Sänger und Tänzer im Saal, die gerne auch mal auf Bänke und Tische stiegen vor Begeisterung.

Der letzte Oktoberfest-Bieranstich von Bürgermeister Roland Kern im Beisein von viel Brauereiprominenz gelang beim ersten Schlag. Das „Ozapft is!“ war viel umjubelt, wurde aber von Erstem Stadtrat Jörg Rotter zurechtgerückt: „Der Bürgermeister hatte ja auch einen goldenen Zapfhahn und ich letztes Jahr nur einen aus Plastik.“ Es war ein netter Seitenhieb in Erinnerung eines sehr feuchten Bieranstichs im Vorjahr.

Oktoberfest bei der TG Ober-Roden: Bilder

Zur Dirndlkönigin haben die im Männer im Saal Sandra Schauder, das bezauberndste Lächeln aus Rodgau gekürt – so gastfreundlich sind die Ober-Röder. Sandra Schauder hatte diesen Titel vor einigen Wochen schon in ihrer Heimatstadt gewonnen. Die Sieger-Sektflasche hielt sicher nicht lange vor; der Durst war allgemein groß in dieser vollen und heißen Halle. Doch dass die Dirndlkönigin nicht nur fesch, sondern auch stark ist, zeigte sie wenig später: Hinter Tim Koser, der drei Minuten 50 Sekunden durchhielt, wurde sie Zweite beim Bierkrugstemmen! Das Festteam vom Musikzug ist jedenfalls glücklich über ein friedliches und fröhliches Oktoberfest – und fantasiert schon über dem Festprogramm fürs nächste Jahr, wenn’s bei der Turngemeinde zum 25. Mal heißt: „Ozapft is’ in Ober-Roden!“ (chz)

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