Erst Baum Nummer drei ist kerbwürdig

Orwischer Kerb: Zwei Fichten zu Kleinholz gemacht

Urberach - 18, 87 und 3: Das sind die wichtigsten Zahlen zum Orwischer Kerbbaum, der seit Mittwochabend vor der Gallus-Kirche steht. Er ist 18 Meter hoch und hat unten einen Stammumfang von 87 Zentimeter. Auf diese Maße ist die Kerbkommission stolz. Von Michael Löw 

Landwirt Carlo Geis zog den 18-Meter-Kerbbaum mit seinem Radlader in die Höhe. Morgen wird unter seiner Spitze der Kerbborsch inthronisiert.

Weniger stolz ist sie auf die 3, denn erst der dritte Baum kam heil aus dem Wald zum „Dalles“. Das Kerbbaumstellen ist in Urberach traditionell ein Gemeinschaftswerk von Kerbkommission, Feuerwehr, Offener Arbeit und den Landwirtsfamilien Geis und Kreis. Ausgesucht hat die kränkelnde Fichte wie immer Hans Sulzmann, Thomas Seitel brachte sie mit der Motorsäge zu Fall. Der musste dieses Jahr drei Bäume fällen: Der erste brach in zwei Teile, als er mit dem Traktor auf den Weg gezogen wurde. Beim zweiten brach die Spitze ab, als er zu Boden stürzte. Die kaputten Stämme wurden noch im Wald zu handlichen Stücken fürs Präzisions-Nageln zersägt. Baum Nummer drei darf sich schließlich mit dem Titel „Kerbbaum 2016“ schmücken.

Dieter Hüllmandel und seine Kollegen von der Kerbkommission tragen das Missgeschick ebenso mit Fassung wie die Kerbborsche und Kerbmädchen. Wissen sie doch, dass die Aktion den Autoren des Ober-Röder Kerbspruchs reichlich Munition liefert. Als der dritte Baum dann in voller Länge auf dem Boden lag, lief alles wie am Schnürchen. Kerbborsche und Kerbmädchen entrindeten ihn, Dieter und Alwin Kreis transportierten ihn auf ihrem Langholz-Hänger zur St. Gallus-Kirche.

Auf der Kreuzung von B 486 und L 3097 leistete Carlo Geis Millimeterarbeit mit dem Radlader und bugsierte den Stamm in einen stählernen Schuh, der ihm während der höchsten Urberacher Feiertage festen Halt gibt. Gut ein Dutzend stramm festgezogene Muttern mit 40 Millimetern Durchmesser sind eine kaum zu knackende Diebstahlsicherung. Unter der Krone der 18-Meter-Fichte thront ab morgen der strohgefüllte Kerbborsch, dessen Vorname dieses Jahr wieder mit einem „I“ beginnt. Um 15.20 Uhr wird Werner Popp das Geheimnis lüften. Doch allzu groß ist die Auswahl an Männernamen, bei denen das „I“ vorne steht, nicht. Bürgermeister Roland Kern zapft das Freibierfass an.

Bilder zur Orwischer Kerb

Los geht die 35. Kerb im Herzen von Urberach bereits heute Abend. Festmeile und der Rummel von Schausteller Peter Stein warten ab 19 Uhr auf Besucher. Ab 19.30 Uhr ist die Familie Knapp im Hof des „Herschwerth“ - des Wirtshauses „Zum Hirschen“ - Gastgeber des Mundartabends des Heimat- und Geschichtsvereins. Die „Rodauschiffer“ machen die Musik dazu.

Rubriklistenbild: © Löw

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