Rödermärker Brunnen erinnern oft an die Vergangenheit

Hübsch auf Historie getrimmt

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Den achteckigen Brunnen am Marktplatz von Ober-Roden zieren Wappen von Rödermark, seinen einzelnen Stadtteilen, der Kreise Offenbach und Dieburg und den Partnerstädten.

Rödermark - Ein streng blickender Adliger sitzt über Übeltäter zu Gericht, ein schwerer Eisenschwengel an einem dicken Eichenbalken zeugt von der Mühsal des Wasserholens in noch gar nicht so ferner Vergangenheit: Einige Brunnen im Stadtgebiet wirken alt, sind in Wirklichkeit aber nur auf Alt getrimmt. Von Michael Löw 

Ein Kerbgeschenk ist die Brunnenskulptur hinter der Urberacher St. Gallus-Kirche.

Und geben doch einen Einblick in die Historie der einstigen Bauern-, Handwerker- und Töpferdörfer Ober-Roden und Urberach. Sechs Brunnen sprudeln auf Rödermarks Straßen und Plätzen. Sie sind nur noch Zierde, denn für die öffentliche Wasserversorgung spielen sie längst keine Rolle mehr. Das war bis 1929 noch ganz anders. Damals - so schrieb Hans Hitzel 1975 in der Chronik „700 Jahre Urberach“ - besaß noch jedes fünfte Haus einen privaten Born. Von dort oder von einem der elf öffentlichen Brunnen schleppten die Leute das Wasser zum Herd oder in den Badezuber. Ab 1929 ließ Bürgermeister Wagner die erste Urberacher Wasserleitung verlegen, um den Menschen Lohn und Brot zu geben, die die Weltwirtschaftskrise arbeitslos gemacht hatte.

Aus Sandstein gebaut sind sowohl der Brunnen am „Jubiläumsstein“ in Ober-Roden als auch der an der Darmstädter Straße in Urberach. Doch damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf. Der Urberacher Brunnen orientiert sich an alten Vorbildern...

Der Sandsteinbrunnen am Beginn der Töpferstraße erinnert noch am ehesten an die mühselige, alte Zeit. Allerdings plätschert das Wasser automatisch in einem geschlossenen Kreislauf, der Pumpenschwengel ist fest verschraubt. Dank der Bänke und Blumenkübel drumherum ist er aber ein schöner Platz zum Ausruhen. Der Brunnen hinter der St. Gallus-Kirche versucht erst gar nicht, sich an Altem zu orientieren. Bildhauer Frank Gutberlet schuf ihn Anfang der neunziger Jahre und gab seiner Skulptur den Namen „Wasser ist Leben“. Er sprudelt übrigens seit einer Zeit, in der die Stadt der offiziellen Kerberöffnung - dem Aufstellen des Kerbbaums - noch eine inoffizielle vorschaltete: Meist wurde ein Bauwerk eingeweiht.

...Sein Ober-Röder Gegenstück ist eine drei Meter hohe Skulptur mit Motiven aus 1200 Jahren Geschichte der Röder Mark.

In Ober-Roden waren‘s da schon wirklich bedeutsamere Ereignisse, denen zentrale und weniger zentral gelegene Plätze einen Wasserspender zu verdanken haben. Zur Stadtwerdung wurde am 30. August 1980 auf dem Ober-Röder Marktplatz ein achteckiger Sandsteinbrunnen aufgestellt. Seine Seitenwände zieren die Wappen von Rödermark, Ober-Roden und Urberach, die der Kreise Offenbach und Dieburg sowie die der Partnerstädte Tramin und Saalfelden. Viel über die Heimatgeschichte erzählt der Brunnen, den Gerhard und Katharina Gotta 1986 zur 1 200-Jahr-Feier Ober-Rodens gestiftet hatten. Auf der gut drei Meter hohen Sandsteinsäule gegenüber des Friedhofs werden Wälder gerodet, Schweine in die Eicheln getrieben und ein mutmaßlicher Verbrecher vorm „Märker Gericht“ abgeurteilt. Der „Jubiläumsstein“ ist ein Werk der Bildhauerin Renate Golla, die damals in Waldacker wohnte.

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Der Volksmund hat den 1976 eingeweihten Brunnen am Ober-Röder Rathaus „Knochen“ getauft.

Die hatte 1976 den wohl am meisten belästerten Brunnen im ganzen Stadtgebiet geschaffen - den „Knochen“ am Rathaus. Was vor 40 Jahren die Gemüter erhitzte, wird heute eher beiläufig als Kunst im öffentlichen Raum wahrgenommen. Für Pflege und Unterhaltung der öffentlichen Brunnen ist die städtische Tiefbauabteilung zuständig. Die schaltet die Wasserpumpen nach den letzten Frostnächten im Frühjahr an und lässt die Brunnen bis in den Oktober hinein plätschern. Früher werden sie höchstens abgeschaltet, wenn eine außergewöhnliche Wartung ansteht und das Budget schon aufgebraucht ist.

Eines haben alle Brunnen gemein: Das aus ihnen fließende Nass sollte man keineswegs trinken - egal, wie groß der Durst ist. Denn Chlor ist nun mal leider nicht bekömmlich.

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