Integrationsprojekt

„Café Eine Welt“ vermittelt eine lockere Atmosphäre

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Spaß hat bei den Treffen jeder, ob Deutscher, Eritreer, Afghane oder Iraner. Hier kann jeder so sein, wie er sich gerade fühlt.

Rödermark - Die Integrationsarbeit hat in Rödermark viele Facetten. Das „Café Eine Welt“ ist eine davon. Das Projekt führt nicht nur Flüchtlinge und Einheimische zusammen, sondern es verbindet auch die Stadtteile. Es lädt seine Gäste immer im Wechsel in Ober-Roden und in Urberach ein.

Der Name ist Programm: „Café Eine Welt“ ist eine Initiative des Netzwerks für Flüchtlinge Rödermark (NFR) gemeinsam mit Flüchtlingen aus vielen Nationen. Natürlich gibt’s bei den bunten Treffen Kaffee und frisch gebackenen Kuchen. Das monatliche Café öffnet immer im Wechsel mal im „SchillerHaus“ in Urberach und mal im Gemeindehaus der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) in Ober-Roden. Der Kontakt mit der FeG kam direkt zustande: „Als ich zu einem der ersten Treffen gegangen bin, die für neue ehrenamtliche Mitarbeiter in der Flüchtlingsarbeit warben, erinnerte mich unser Pastor Jens Bertram vorher daran: Denk dran, wenn es Platzprobleme gibt: wir haben hier genug“, erinnert sich FeG-Teammitglied Ursula Tüncher. Gesagt, getan. Seither ist das Café alle zwei Monate zu Gast im großen und bestens ausgestatteten FeG-Gemeindehaus an der Carl-Zeiss-Straße.

Ein Team kocht Kaffee und Tee, backt viele Kuchen und nimmt sich Zeit – und das alles kostenlos. Nicht mal eine Spendenbox wird aufgestellt. „Wir können hier bei diesen Menschen doch nicht um Spenden für den Kaffee bitten, das geht wirklich nicht. Wir schaffen das selber“, ist Ursula Tüncher, Mitglied einer nur gut 50 Seelen starken Gemeinde, überzeugt.

Die Begrüßung ist herzlich und wirkt sehr vertraut, obwohl sich viele der Kaffee-Gäste noch gar nicht oder kaum kennen. Jeder der langsam dazu kommenden Menschen, egal welcher Hautfarbe, begrüßt jeden Anwesenden mit einem freundlichen Lächeln und Handschlag. Man versucht sich gegenseitig zu vorzustellen, jeder kennt zumindest irgend jemanden.

Schwarz und stark: Perfekter Kaffee ist Geschmackssache

An den langen Tischreihen wird schnell alles durchgemischt. Die Klappgarnituren im Freien sind von den jungen Männern – meist aus Afghanistan, dem Iran oder Eritrea – rasch aufgebaut, bis fast der ganze Durchgang gefüllt ist. Ein Basketballkorb steht im Hof, Bälle und Badminton-Schläger liegen bereit. Eine Integrationslotsin hat ein hölzernes Freiluft-Spiel mitgebracht. Die Jüngsten suchen sich die Straßenkreide und bringen junge Kunst in den Hof. Immer wieder kommen neue Gäste dazu, unter anderem eine größere Gruppe aus der Unterkunft in der Maybachstraße. Sie hatten den Weg nicht gefunden und wurden von der neuen Sozialarbeiterin Ingrid Koch gelotst, die sich auch gleich den zahlreichen Sprach- und Integrationslotsinnen und -lotsen und den Flüchtlingen vorstellt.

Mit dabei ist auch Brigitte Speidel-Frey, die Vorsitzende des Freundeskreis Flüchtlinge in Rödermark. Der Nachmittag ist rundherum zum Abschalten und Wohlfühlen geeignet, so dass auch Ursula Tüncher ihre leichten Zweifel ablegt: „Es muss vielleicht doch nicht alles ein Thema, einen Zweck und Nutzen haben. Es reicht wirklich auch, wenn es einfach nur der Gemeinschaft gut tut!“ Das tut das Café eine Welt wirklich, hier ist wirklich jeder willkommen: das nächste Mal am 6. September ab 17 Uhr im „SchillerHaus“ in Urberach, danach am 18. Oktober wieder im Gemeindehaus der FeG in der Carl-Zeiss-Straße Ober-Roden.

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