Im „Dinjerhof“ steht eine tierische Plastik

Ein Denkmal für die letzte Ortskern-Kuh

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Im „Dinjerhof“ wurde die letzte Milchkuh Alt-Ober-Rodens geboren, vom „Dinjerhof“ wurde sie zum Metzger gebracht, im „Dinjerhof“ hat Wilhelm Schöneberger dem lieben Vieh ein Denkmal gesetzt.

Ober-Roden - Wilhelm Schöneberger hat der letzten Milchkuh im Ortskern von Ober-Roden ein lebensgroßes Denkmal gesetzt. Das Rindvieh guckt vom Heuboden des „Dinjerhofs“ auf die Besucher des denkmalgeschützten Anwesens hinunter. Von Michael Löw 

Am 26. Juli 2008 hat die letzte Kuh Alt-Ober-Roden verlassen. Das dokumentiert Wilhelm Schöneberger mit einem Foto, dessen Vordergrund ein braun-weiß gefleckter Rinder-Hintern bestimmt und auf dessen Hintergrund die Kirchturmuhr zu sehen ist: „Dem Hans soi letzt Kuh“ steht mit ihrer Tochter auf dem Transporter des Metzgers. „Ihr Schicksal war besiegelt, nachdem Landwirt Hans Tüncher, mein Onkel, im Juni 2008 gestorben ist“, erzählt Wilhelm Schöneberger. Der 51-jährige Unternehmensberater will die Erinnerung an die Kuh wach halten: „In Zeiten, in denen der Milchpreis für die Bauern auf unter 20 Cent je Liter gefallen ist, ist es Zeit diesen liebenswerten Tieren ein Denkmal zu setzen.“

Warum aber widmet er es der letzten und nicht der letztgeborenen Kuh? Die Mutter hat gekalbt und Milch gegeben, erklärt Schöneberger. Die Tochter dagegen war lose und ledig und ist deshalb „nur“ ein Rind. Einen Namen hatte übrigens keine der Damen, aber ihre Rasse ist bekannt: Simmentaler Rinder.

Die Rasse stammt aus dem Berner Oberland, wurde dort schon im Mittelalter gezüchtet und verbreitete sich über die Alpen nach Norden. Simmentaler Rinder sind nicht nur gute Milch- und Fleischlieferanten, sondern waren früher aufgrund ihres kräftigen Körperbaus beliebte Zugtiere. Dank McDonald’s sind Simmentaler Rinder momentan in aller Munde.

Wilhelm Schöneberger setzt der letzten Ortskern-Kuh im „Dinjerhof“ in der Pfarrgasse ein Denkmal. Im Stall der Hofreite wurde sie geboren, von dort wurde sie zum Schlachten abtransportiert. Schöneberger ließ das Plastik-Rindvieh in Thüringen maßanfertigen: „Das Denkmal hat genau die gleichen braunen Flecken wie ihr lebendes Vorbild.“ Mit knapp 70 Kilogramm Gewicht wiegt es aber nur gut ein Zehntel des Originals.

Bilder: Frühlingsmarkt in Rödermark

Trotzdem waren vier Mann nötig, um es auf den Heuboden des „Dinjerhofs“ zu wuchten. Werner Gotta vom Freundeskreis des Kulturdenkmals hat eine Guckluke gesägt, durch „Dem Hans soi letzt Kuh“ auf die Gäste in der Scheune blickt. Diesen umständlichen Namen soll sie auf alle Ewigkeit behalten, sagt Schöneberger. Denn egal, wie er das Denkmal taufen würde: Jeder Frauenname könnte jemandem vor den Kopf stoßen - auch wenn Wilhelm Schöneberger noch so oft betonen würde, dass jede Ähnlichkeit mit lebenden Personen ungewollt sei.

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