Johanniter-Kurs „Erste Hilfe am Kind“

Rotlicht zeigt Gefahr fürs Hirn

Ober-Roden - Fast 200.000 Kinder müssen jedes Jahr nach Unfällen ins Krankenhaus gebracht werden, 1,7 Millionen brauchen ärztliche Hilfe, und rund 180 Kinder sterben bei Unfällen. Von Christine Ziesecke 

Egal, ob eigenes oder fremdes Kind: Die Erfahrung einer Wiederbelebung möchte kein Vater - und natürlich auch keine Mutter - machen. Mareike Wolf (rechts) von der Johanniter-Unfallhilfe trainierte mit Eltern dennoch das lebensrettende Drücken.

Die Statistik der Initiative www.kindersicherheit.de ist eine traurige Bilanz; die Zahlen könnten niedriger sein, würden Erwachsene sich besser mit Erster Hilfe auskennen. Die Erste-Hilfe-Kurse zum Erwerb des Führerscheins liegen oft schon lange zurück, und die Erste Hilfe am Kleinkind ist zudem oft speziell – das sind einige der Gründe, warum immer mehr Erste-Hilfe-Kurse am Kind angeboten werden und gut besucht sind. Auch im Krippenhaus „Herzenskinder“ der Arbeiterwohlfahrt in Ober-Roden war der Lehrgang ausgebucht. Die AWO hatte den siebenstündigen Kurs an die Johanniter Unfallhilfe Rodgau übergeben, die in vielen Kitas, Schulen und im eigenen Haus in der Borsigstraße das richtige Helfen übt.

Die JUH schickte Mareike Wolf, eine trotz ihrer Jugend (20, derzeit nach ihrem Abitur im Freiwilligen sozialen Jahr bei der JUH) sehr erfahrene Ersthelferin. „Ich bin selbst einmal in eine schwierige Lage gekommen, wo ich helfen musste und nicht wusste, was zu tun ist. Seither interessiere ich mich dafür ganz besonders“, schildert die Rödermärkerin ihre Beweggründe. Und sie gibt den zumeist jungen Eltern und einigen Großeltern nicht nur die richtigen Tipps von der stabilen Seitenlage bis zur Herz-Lungen-Wiederbelebung am Beispiel von Puppen in Kleinkindgröße. Mareike Wolf gibt vor allem ganz persönliche Erfahrungen weiter: „Wenn Rettungssanitäter oder Notarzt kommen: Erzählen Sie alles, auch was vielleicht schief gelaufen ist. Jeder macht mal Fehler, doch den Rettern kann jede Kleinigkeit helfen.“

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Leuchtdioden im Kopf dieser Übungspuppe zeigen, wann beim Schütteln oder Kopf-über-Halten das Gehirn an die Schädeldecke anstößt und Verletzungen möglich sind.

An einer mit Elektronik vollgestopften Puppe demonstrierte Mareike Wolf, was passiert, wenn man ein Kind schüttelt oder - wie früher oft empfohlen - an den Füßen hochhält, wenn es etwas verschluckt hat. Sobald das Gehirn an die Schädeldecke stößt, leuchtet bei diesem Modell ein Licht und zeigt, welche Stellen beim „echten“ Kind verletzungsgefährdet sind. Besonders intensiv hörten die Teilnehmer auch bei den Tipps zur Erstbehandlung von Fieberkrämpfen oder Brandverletzungen zu. Kein Elternteil weiß, wann es in einer solchen Situation gebraucht wird, und nicht immer weiß der Mensch automatisch „aus dem Bauch heraus“, was zu tun ist. Zumal der eigene Kopf und der eigene Bauch plötzlich ganz anders reagieren, wenn sich das eigene Kind vor Schmerzen krümmt. Oder - was noch schlimmer ist - regungslos am Boden liegt. Die Eltern im Krippenhaus „Herzenskinder“ nahmen jedenfalls – ihrem Feedback am Ende der Veranstaltungen nach zu urteilen – viele hilfreiche Tipps für einen selbstbewussteren und sichereren Umgang mit einem verletzten Kind mit nach Hause.

Kontakt: Johanniter Unfallhilfe, Borsigstraße 56, Rodgau; Tel.: 06106/87100.

Rubriklistenbild: © Ziesecke

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