Karl Schäfer will Kern beerben

AL landet mit ihrem Bürgermeisterkandidaten Überraschungscoup

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Kampfansage vorm Sonnenschirm: Karl Schäfer will Bürgermeister von Rödermark werden und die Schutzschirmkommune gegen schwarze, rote und gelbe Konkurrenten ab 2017 weiter grün regieren.  

Ober-Roden - Karl Schäfer, der Direktor des Arbeitsgerichts Darmstadt, ist Bürgermeisterkandidat der Anderen Liste. Die grüne Parteibasis schickte den 55-Jährigen mit einem mächtigen Vertrauensvorschuss ins Rennen um die Nachfolge von Roland Kern, dessen zweite Amtszeit am 31.  Mai 2017 endet. Schäfers Kampfansage an die Konkurrenz: „Ich will es, und ich kann es!“ Von Michael Löw

Seit Monaten spekuliert das politische Rödermark, wen die Andere Liste (AL) als potenziellen Kern-Nachfolger nominiert. Immer wieder fielen die Namen der Spitzenleute von Partei und Fraktion, Perihan Demirdöven, Stefan Gerl und Eckhard von der Leute. Insider hielten auch den Stadtverordneten Karl Schäfer für einen veritablen Kandidaten. Dass der aber seinen Job als Arbeitsgerichts-Direktor aufgibt, um Bürgermeister zu werden, erschien vielen unrealistisch. Umso größer war die Überraschung im „Rothaha“-Saal, als AL-Chefin Perihan Demirdöven am Mittwochabend verkündete: „Ich schlage Euch im Namen des Vorstandes vor, Karl Schäfer als unseren Bürgermeisterkandidaten offiziell zu nominieren!“

Warum die Wahl auf den 55-jährigen Juristen fiel, der - mit zwei kurzen Unterbrechungen - seit 1997 dem Stadtparlament angehört, erläuterte Perihan Demirdöven mit einer Stellenbeschreibung: Rödermarks künftiger Bürgermeister müsse ein belastbares politisches Profil besitzen und als Leitfigur Ziele formulieren können. Vermittlungstalent sei ebenso gefragt wie Führungsqualität, fachliche Kompetenz, Rechtskenntnisse und Ausdauer - „Halt jemand, dem man die Stadt und ihre Bürger mal eben so anvertrauen kann.“ Und weil sie es als Frau sagen dürfe, fügte Perihan Demirdöven hinzu: „Zu guter Letzt ist natürlich ein attraktives Äußeres und eine charismatische Ausstrahlung unverzichtbar: Männlich, sportlich mit grau meliertem Haar, eben ein Mann in seinem besten Reifezustand.“

Seine Nominierung komme vielen Parteifreunden vor, als würde ein Kaninchen aus dem Hut gezaubert, sagte Karl Schäfer in seiner Bewerbungsrede. Der Unterschied zur klassischen Magie: Er war an der Vorbereitung des Kunststücks beteiligt und stellte das Kaninchen dar.

Er kandidiere nicht, um Karriere zu machen, denn beruflich habe er alle Ziele erreicht. Sein Beruf als Richter und Direktor des Arbeitsgerichts Darmstadt mache ihm Freude und verschaffe Anerkennung sowohl bei Arbeitgebern als auch bei Betriebsräten. „Ich muss mir und anderen nichts mehr beweisen“, sagte Schäfer. Er kandidiere, weil er will und weil er es kann.

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Die Fähigkeiten eines Richters sind seiner Ansicht nach für einen Bürgermeister nicht nur nützlich, sondern sogar unerlässlich: Augenmaß, sorgfältiges Abwägen und Entscheidungsfreude.

Dass Schäfer sich in den vergangenen Jahren politisch etwas zurückgehalten hatte und erst am 6. März wieder in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde, sieht er eindeutig als Vorteil. Bei parlamentarischen Scharmützeln war er außen vor. Als Bürgermeister von Rödermark wolle er ab 1. Juni 2017 mehr als nur die Ziele der frisch erneuerten schwarz-grünen Koalition umsetzen. Eigene Konzepte will er bieten und bedenken, „dass Rödermark mehr als nur eine Farbe, auch mehr als nur die Farbe Grün hat.“ Damit spielte Karl Schäfer auf das erfolgreiche Farbenspiel des amtierenden Bürgermeisters Roland Kern an, der seinen ersten Wahlkampf mit eben diesem Slogan geführt hatte und erster Hauptamtlicher ohne schwarzes Parteibuch wurde.

Nach Schäfers selbstbewusster und selbstironischer Rede war Perihan Demirdövens Frage nach weiteren Kandidaten ebenso eine Formsache wie die Abstimmung: 47 der 48 Teilnehmer des Parteitags votierten für Karl Schäfer.

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