CDU Rödermark nominiert den Eppertshäuser Bürgermeister

Bürgermeisterkandidat aus der Nachbargemeinde nominiert

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Carsten Helfmann, seit 2003 Bürgermeister in Eppertshausen, will im Februar 2017 Rathauschef in Rödermark werden. Gestern Nachmittag stellte ihn die CDU vor.

Rödermark - Carsten Helfmann soll für die CDU den Chefsessel in der Rödermark-Verwaltung zurückerobern. Der Parteivorstand hat den Bürgermeister der Nachbargemeinde Eppertshausen am Donnerstagabend einstimmig als ihren Kandidaten für die Bürgermeisterwahl im Februar vorgeschlagen. Von Michael Löw 

Der 43-Jährige ist sozusagen Nachfolger des Ersten Stadtrats Jörg Rotter, der seine Bewerbung aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen hatte. Rödermarks Bürgermeister Roland Kern (AL/Grüne) geht am 31.  Mai 2017 nach zwölf Dienstjahren in Pension.

Als Eppertshausens Bürgermeister Carsten Helfmann am 26. September Rödermarks CDU-Vorsitzende Patricia Lips am Telefon hatte, freute er sich zuerst über die Glückwünsche zum 43. Geburtstag und stutzte dann bei dem Satz „Ich hätte da noch was!“. Zwei Tage vorher hatte nämlich Erster Stadtrat Jörg Rotter seiner Partei mitgeteilt, dass er nach einer schweren Krankheit Zeit zur Genesung brauche und im Februar nicht für das Bürgermeisteramt kandidiere. Diese überraschende Entscheidung sei für die CDU eine „große Herausforderung“ gewesen, die sie innerhalb kürzester Zeit bewältigen musste.

Sie und ihr „wichtiger politischer Freund und Ratgeber“ Wolfgang Steiger, der Generalsekretär des CDU-Wirtschaftsrates, hätten den neuen Bürgermeisterkandidaten erst gar nicht innerhalb der Rödermärker Christdemokraten gesucht, sondern seien gleich auf Carsten Helfmann zugegangen.

Denn der 43-Jährige verkörpere „eine beispiellose Erfolgsgeschichte“, sagte Lips gestern Nachmittag bei einer Pressekonferenz. Helfmann - damals keine 30 Jahre jung - wurde 2003 erstmals zum Eppertshäuser Bürgermeister gewählt. Zweimal haben die Eppertshäuser den CDU-Politiker im Amt bestätigt - jeweils mit rund 90 Prozent der Stimmen, weil keine der anderen Parteien einen Gegenkandidaten aufgestellt hatte. Bei den Kommunalwahlen 2011 und 2016 erzielte die CDU Ergebnisse, von denen selbst die CSU in Bayern meist nur noch träumen kann: 60 und 72 Prozent.

„Wir haben manchmal mit Neid über die Kreisgrenzen geschaut“, lobte Patricia Lips vor allem die wirtschaftliche Entwicklung, die die Nachbargemeinde in den vergangenen Jahren genommen hatte: „Die Gewerbesteuer ist exorbitant gestiegen!“ Ein Grund ist der riesige Logistik- und Gewerbepark an der B 45. Helfmann bekannte sich gestern zu Wirtschaftswachstum durch neue Gewerbeansiedlungen: „Nur mit Mehrerlösen kann eine Stadt auch soziale Leistungen bezahlen.“ Ein erster Streitpunkt mit der Koalition aus CDU und Anderer Liste? Nein, mit Schwarz-Grün hätte er als Rödermark-Bürgermeister kein Problem.

Von Ostfriesland bis Mauritius: Koalitionen in der Region

Die Nominierung für die Wahl am 5. Februar war für Carsten Helfmann ein logischer Karriereschritt. Schon 2008 habe er seinen Parteifreunden und Rathausmitarbeitern gesagt, dass er nicht von Eppertshausen aus in den Ruhestand gehen werden. Nach seiner zweiten Wiederwahl 2014 präzisierte er das: „Im Lauf der Legislaturperiode werde ich mir etwas Neues suchen!“

Gereizt haben den bekennenden Detailliebhaber die Zahlen: 6 000 Einwohner in Eppertshausen, knapp 28 000 in Rödermark; hier eine Verwaltung mit 40, dort mit 340 Mitarbeitern; 10 Millionen Euro Haushaltsvolumen gegen 70 Millionen.

Nach seiner Vorstellung im Parteivorstand will Helfmann erst einmal den Nominierungsparteitag am 28. Oktober abwarten, doch die Zustimmung der CDU-Mitglieder ist eine Formsache. Danach will er in Gesprächen mit Vereinen, Unternehmen, Feuerwehren und Schulen ausloten, wo der Schuh drückt, und parallel in einen kurzen, aber intensiven Wahlkampf einsteigen.

Seine Gegenkandidaten sind bis dato Karl Schäfer (AL/Grüne), Samuel Diekmann (SPD) und Tobias Kruger (FDP). „Es gibt keine Favoritenrolle, lehnt Carsten Helfmann jede vorschnelle Festlegung ab. Aber natürlich trete er an, um zu gewinnen. Dass er der erste Nicht-Rödermärker ist, den die CDU für einen Hauptamtlichen-Posten nominiert, ist in seinen Augen mehr Vor- als Nachteil.

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