Schulbusse vor ungewisser Zukunft

Rödermark (lö) - Müssen 900 Kinder und Jugendliche, die derzeit mit dem Bus in die Schule fahren, nach den Weihnachtsferien laufen? Die Gefahr besteht - zumindest theoretisch. Denn die schwarz-gelbe Landesregierung streicht ihre Zuschüsse für die Schülerbeförderung zusammen.

Ab Januar fehlen in Rödermark rund 170 .000 Euro. Das entspricht ungefähr der Hälfte der Summe, die für die Aufrechterhaltung des bisherigen Angebotes nötig sind.

Stadt, Kreis und Kreisverkehrsgesellschaft suchen deshalb händeringend nach einer Lösung. Denn die Schulbus-Finanzierung ist ein kompliziertes Geflecht mit etlichen Beteiligten: Der Kreis trägt 120.000 Euro der Gesamtkosten und die Verantwortung, hat diese Aufgabe aber an die Kreisverkehrsgesellschaft weitergegeben. Die 170.000 Euro vom Land werden vom Regierungspräsidium an den Dienstleister, das Rödermärker Busunternehmen Hain, ausgezahlt.

Diskutiert werden drei Möglichkeiten, um den Busverkehr aus entfernten Wohngebieten in die Trinkborn- beziehungsweise die Nell-Breuning-Schule nächstes Jahr zu sichern.

  • Alles wie gehabt, nur eben ohne Landeszuschuss: Dann wird die Schülerbeförderung für den Busunternehmer zum Zuschussgeschäft. Auch eine Ausdünnung des Fahrplans oder die Beschränkung nur auf die Schüler, die jenseits einer bestimmten Mindestentfernung (zwei Kilometer bei Grundschulen, drei Kilometer bei weiterführenden Schulen) zur Schule wohnen, bringt nach einer Untersuchung des Verkehrsplanungsbüros IGDB niemanden etwas. 400 der bisherigen Fahr-Schüler wären dann nämlich sogar komplett von der Beförderung ausgeschlossen.
  • Der derzeitige Schülerverkehr wird zum Linienverkehr: Dann könnten auch andere Fahrgäste die Schulbusse mitnutzen. Doch das ist wegen einer beschränkten Linienführung und proppenvollen Bussen allenfalls Theorie. Die Stadt müsste trotzdem 120 000 bis 150.000 Euro für das Sparangebot zahlen. Bisher ist sie bei der Finanzierung außen vor.
  • Schulbusse werden zu Stadtbussen und damit Teil des RMV-Angebotes: Rund 100.000 Euro müsste die Stadt für diese Variante hinlegen, die nach Ansicht der IGDB die größten Vorteile bringt. Schüler könnten ihre Wochen- oder Monatskarten auch für Fahrten nachmittags oder abends oder während der Ferien als so genannte „Clevercards“ im Gebiet des Rhein-Main-Verkehrsverbundes nutzen. Andere Passagiere würden von den zusätzlichen Bussen am Morgen oder zur Mittagszeit profitieren. Der öffentliche Personennahverkehr in Rödermark würde insgesamt attraktiver.

Plädoyer für Schul-Stadtbus

Die SPD sieht im Schul-Stadtbus eine ihrer Forderungen aus dem Jahr 2009 aufgegriffen. Zumal Rödermark eine der wenigen Kommunen im Kreis ist, in denen die Schüler extra befördert werden.

Fraktions-Vize Armin Lauer fordert vom Magistrat, diese integrierte Lösung in den Verhandlungen mit Kreis und Kreisverkehrsgesellschaft zu forcieren. Ein weiterer Pluspunkt dieser Variante: Sie wäre auf jeden Fall bis Ende 2014 befristet, denn ab 2015 werden die Linienbus-Konzessionen ohnehin neu vergeben. Die SPD wäre sogar bereit gewesen, das von der IGDB errechnete jährliche Defizit von 100.000 Euro vorab als städtisches Angebot in die Verhandlungen einzubringen. Lauer: „Wenn wir nicht entscheiden, entscheidet der Kreis für uns!“

Bürgermeister Roland Kern (AL) steht dieser Form eines Stadtbusses durchaus aufgeschlossen gegenüber, will zunächst aber abwarten, wie der Kreis seiner Beförderungspflicht für die 900 Rödermärker Schüler nachkommen will. Eine vorzeitige Übernahmeerklärung fürs Defizit lehnt er „in der schwierigen Endphase der Gespräche“ aber ab.

Rubriklistenbild: © dpa

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