Erste Hilfe für putzige Gesellen

Tanja Schäfer nimmt verletzte Hörnchen und Vögel auf

Alle drei Stunden bekommt dieses Eichhörnchenjunge drei Milliliter spezielle Milch. Eine räuberische Katze hatte es an Genick und Rücken erwischt und dann in einen Schacht fallen lassen. Jetzt kämpft das Kleine bei Tanja Schäfer ums Überleben.
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Alle drei Stunden bekommt dieses Eichhörnchenjunge drei Milliliter spezielle Milch. Eine räuberische Katze hatte es an Genick und Rücken erwischt und dann in einen Schacht fallen lassen. Jetzt kämpft das Kleine bei Tanja Schäfer ums Überleben.

Rödermark - Mitgefühl mit einem verletzten Buntspecht war der Anstoß für Tanja Schäfer, sich der Pflege von Tieren zu widmen. Seit diesem Monat betreibt sie in Ober-Roden offiziell und amtlich abgesegnet eine Wildtierauffangstation. Von Bernhard Pelka 

Das Privathaus am Waldrand im Breidert ist eine Herberge. Zum Beispiel finden dort aus dem Nest gefallene Singvögel und von Katzen verletzte Eichhörnchen Pflege und Nestwärme. Tanja Schäfer kümmert sich liebevoll um ihre Zöglinge. Tierlieb ist die 43-Jährige aus Bruchköbel zwar schon immer. Aber das Schicksal eines verletzten Buntspechts bewegte sie im August 2014 dazu, noch mehr für Vögel, Hörnchen, Rehkitz & Co. zu tun. Für sie steht seither fest: „Ich will etwas für die Erhaltung der Arten tun. Ich möchte, dass Kinder auch in 20 Jahren noch wild lebende Tiere im Wald entdecken können.“

Im vergangenen Jahr arbeitete die selbstständige Lebensberaterin noch ohne amtlichen Segen für die gute Sache. Das Veterinäramt beim Kreis Offenbach hat die Station inzwischen aber besucht und für gut befunden. Nach einer Prüfung darf Tanja Schäfer sich nun offiziell Wildtierhilfe nennen. Ihre Zulassung ist auf Singvögel und Eichhörnchen beschränkt. Andere Tiere darf sie gleichwohl vermitteln.

Das geschieht laufend. Rehkitze und Igel, die ihr als Findelkinder gebracht werden, gibt sie zum Beispiel an den Koboldhof in Bad König weiter. Auch die Falknerei auf der Ronneburg gehört zu ihren Abnehmern von Verletzten. „Man hat so seine Kontakte.“ Einen Steinkautz und eine Schleiereule hat sie nach der Erstversorgung schon dorthin in fachkundige und liebevolle Pflege abgegeben.

Nicht von dieser Welt? Skurrile Tier-Entdeckungen

Tanja Schäfers vordringlichstes Ziel ist die Rückführung ihrer Patienten in die Natur. „Bei der Mama ist es immer am besten“, sagt die Fachfrau. Sofern dieser Kontakt aber nicht mehr herzustellen ist, müssen die kleinen Findelkinder in der Wildtierauffangstation bleiben. Mit 16 Wochen kommen Eichhörnchen dann wieder zurück in den Wald. Vögel kommen schon nach vier bis fünf Wochen wieder in Freiheit.

Die medizinische Versorgung darf die Expertin in ihrer Station nicht übernehmen. Für die Diagnostik ist der erfahrene Tierarzt Dr. Reinhard Jost aus Waldacker zuständig. „Ohne den wäre ich aufgeschmissen“, lobt Tanja Schäfer die sachkundige und großzügige Hilfe des Fachmanns.

Tieren ein neues Zuhause schenken: Adoptieren oder kaufen? 

Die von Dr. Jost verordnete Medizin darf sie dann den Tieren verabreichen. Derzeit füllen sieben Eichhörnchen die Käfige an der Thomastraße 17. Im vergangenen Jahr hatten im Sommer hingegen Mauersegler Hochkonjunktur. Wegen der großen Hitze hatten sich die Jungen im Überlebenskampf reihenweise aus den brütend heißen Nestern gestürzt. „Da standen die Leute hier mit Mauerseglerjungen Schlange.“

Für die Zukunft hat die überzeugte Tierpflegerin noch viel vor. Zum Beispiel baut sie derzeit einen bundesweiten Krankentransport für Wildtiere auf. „Für den Fahrdienst suche ich dringend noch ehrenamtliche Unterstützeinnen und Unterstützer.“ Sie sollen im Notfall auf Zuruf Tier-Taxi fahren.

Video: Erste Hilfe für Eichhörnchen-Babys

Rodgau - Viele Menschen wissen nicht was zu tun ist, wenn sie ein Wildtier finden. Petra Kipper von der Wildtier-Arche Rodgau erklärt, wann der Mensch einschreiten sollte und wann nicht.

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