Ärger um Altkleidersammlungen

Ärger um Altkleidersammlung und Container

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Die Stadt Seligenstadt unterstützt die Kleidersammlungen der Kolpingfamilie, gewerbliche Sammler sind dagegen nicht erwünscht.

Seligenstadt - Es vergeht kaum eine Woche ohne dass einer der Zettel im Briefkasten landet. „Schuh- und Altkleidersammlung. Bitte helfen auch Sie für den guten Zweck. “ Und es muss nicht nur der Zettel sein. Von Thomas Hanel

Andere gewerbliche Sammler stellen direkt kleine Wäschekörbe vor die Haustür und bitten um Kleiderspenden. Noch aufwändiger geht es in Form von Altkleidercontainern, die mittlerweile überall herumstehen. Grund für die Sammelwut mit dem - leider - oftmals lediglich vorgegebenen sozialen Anstrich: ein gutes Geschäft für den Einsammler. Altkleider bringen Geld. Gute Ware wird an Second-Hand-Geschäfte im In- und Ausland verkauft, nicht mehr verwertbare Ware zu Putzlappen für die Industrie verarbeitet. Der soziale Hintergrund?

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Gewerbliche Altkleidersammlungen und Sammelcontainer sind der Stadt Seligenstadt ein Dorn im Auge. Erste Stadträtin Claudia Bicherl: „Wir wollen das nicht. Wir unterstützen die zwei Mal im Jahr stattfindende Sammlung der Kolpingfamilie.“ Da wisse man, wohin die Sachen gehen, was damit passiert. Auf jeden Fall bereiten die gewerblichen Altkleidersammler der Stadtverwaltung viel Arbeit. „Ich habe einen ganzen Aktenordner mit Anfragen gewerblicher Altkleidersammler nach Genehmigungen“, sagt Gudrun Walter, Chefin des Seligenstädter Amtes für Abfallwirtschaft. Geregelt werden die Sammlungen durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz. Heißt: Ein Altkleidersammler muss einen Antrag an das zuständige Regierungspräsidium Darmstadt stellen. Dies wiederum fragt bei der Stadt nach und bittet um Stellungnahme. Ein Bürokratie-Wust entsteht. Dies ist auch der Hintergrund dafür, dass die genehmigungspflichtigen Container zumeist auf Privatgrundstücken von Discountern und Getränkemärkten aufgestellt werden. „Die Grundstückseigner bekommen wahrscheinlich Provision für den Stellplatz“, mutmaßt Gudrun Walter. In Seligenstadt gibt es nur einen genehmigten Stellplatz für einen Altkleidercontainer: auf dem Bauhof. Und dieser Container wird ebenfalls von der Seligenstädter Kolpingfamilie versorgt.

Nächstes Problem: Wer steckt hinter den gewerblichen und zettelangekündigten Sammlungen? „Wenn wir die auf den Flugblättern angegebenen Telefonnummern anrufen, meldet sich oftmals niemand“, sagen Bicherl und Walter. Die Frage, ob es dubiose Kleiderverwerter sind, die nur auf den eigenen Profit aus sind, kommt gelegentlich auf. Zumal auf dem derzeit aktuellen Flugblatt in Seligenstadt („Wir unterstützen die Jugend- und Altenhilfe. Bitte helfen auch Sie!“) ausdrücklich weitere Sammelwünsche angegeben sind: Geschirr, Pfannen und Töpfe sind auch erwünscht. Und Altmetall bringt bekanntlich Geld. Das Land Rheinland-Pfalz hat dem mittlerweile im Ostkreis „wirkenden“ Verein „Quo Vadis. Vereinte Jugend- und Altenhilfe“ mittlerweile die Genehmigung zur Sammlung entzogen. Mit sofortiger Wirkung darf der Verein nicht mehr in Rheinland-Pfalz zu Spenden aufrufen, da „die Verwendung der Altkleider sowie deren Erlöse aus der Verwertung für karitative Zwecke nicht sichergestellt ist“, wie es in einer Mitteilung der Landesregierung heißt.

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