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„Unserer Stadt nicht würdig“

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Synagogenplatz-Illustration: „Peinlicher Fehltritt im Umgang mit unserer Geschichte“
Synagogenplatz-Illustration: „Peinlicher Fehltritt im Umgang mit unserer Geschichte“ © Repro: red

Seligenstadt (mho) - Nach der Vorstellung des Gedichtbüchleins „Wer ist die Schönste im ganzen Land“ aus der Feder von Stadtrat Manfred Kreis, herausgegeben von der SeligenStadtMarketing-GmbH, war die Nachfrage in der Bevölkerung an den ersten Tagen groß.

Die Tourist-Info sprach gar von reißendem Absatz. Für die Grünen sind Teile des Inhalts dagegen ein regelrechter Skandal.

„Einen peinlichen Fehltritt im Umgang mit unserer Geschichte“ stellten Text und Illustration der Rubrik „De Synagocheplatz - Wir wären gerne hier geblieben“ auf den Seiten 60/61 des Büchleins dar, so etwa Grünen-Fraktionssprecherin Natascha Maldener Kowolik. „Die Pogromnacht mit der Zerstörung der Synagoge als Episode in heimatliche Fastnachtsverse zu gießen, ist unserer Stadt nicht würdig. Wir sind entsetzt, dass diese Verniedlichung eines der dunkelsten Kapitel unserer Stadtgeschichte den Beifall der verantwortlichen Herausgeber gefunden hat“, ergänzt Gunter Gödecke, der stellvertretende Fraktionssprecher. Es werde zu prüfen sein, „wer die Herausgabe des Buches beschlossen hat, beziehungsweise für dessen Inhalte die Verantwortung übernimmt“, so Grünen-Politiker Peter Störk, der als Vertreter der Stadtverordneten die Gesellschaftersitzungen der SeligenStadtMarketing-GmbH besucht.

„Marketinginitiative“ der GmbH

Die Grünen distanzierten sich ausdrücklich von dieser „Marketinginitiative“ der GmbH. „Wir sind der Meinung, dass dieses Werk alles andere als geeignet ist, um für Seligenstadt zu werben“, stellt Natascha Maldener-Kowolik fest und fordert mehr Fingerspitzengefühl im Umgang mit der Seligenstädter Geschichte. „Wir hoffen sehr, dass die Verantwortlichen einen Weg finden werden, um dieser inakzeptablen Bagatellisierung derartig schrecklicher Geschehnisse zu begegnen“, sagt Störk

Die Öko-Partei betont, sie habe grundsätzlich nichts gegen Idee und Ausführung einer mundartlichen Stadtbeschreibung in Reimform. „Ob eine Beschreibung von Gebäuden, Plätzen und Figuren in gereimter Form vom langjährigen TGS-Vorsitzenden und hochdekorierten Karnevalisten Kreis zusammen mit den Illustrationen zweier Künstler die angestrebte positive Ausstrahlung als Marketinginstrument erfüllen kann, ist eine Frage des persönlichen Geschmacks, über den wir uns kein Urteil erlauben wollen.“

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