Treff für Wasserpfeifen-Fans in Klein-Welzheim

Viele Beschwerden nach Eröffnung einer Shisha-Bar

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Klein-Welzheim - Der dickste Dampf hat sich verzogen, doch nach Eröffnung der Shisha-Bar im Seligenstädter Stadtteil Klein-Welzheim gab es viele Beschwerden wegen Lärmbelästigung. Von Sabine Müller

Dass im Obergeschoss desselben Gebäudes zeitgleich Flüchtlinge einquartiert wurden, macht den Treffpunkt von Wasserpfeifen-Rauchern für manchen Zeitgenossen noch dubioser. Der Barbetreiber dagegen sieht seine Szene-Kneipe als Bereicherung der Region. Das traditionelle Rauchwerkzeug aus der arabischen Welt feiert seit längerem auch im Okzident einen Siegeszug. Aber im ländlichen Seligenstädter Stadtteil Klein-Welzheim sei eine Shisha-Bar schon exotischer als etwa in Offenbach, meint der stellvertretende Leiter der Polizeidienststelle Seligenstadt, Hauptkommissar Jürgen Höfer, im Gespräch mit unserer Zeitung. Seitdem die Szene-Kneipe im Gewerbegebiet von Klein-Welzheim eröffnet wurde, waren die Gesetzeshüter schon öfter wegen Ruhestörung vor Ort. Auch mit dem Ordnungsamt seien Gespräche geführt worden.

Die verantwortliche Dezernentin, Erste Stadträtin Claudia Bicherl, berichtet, dass das Haus – bisheriges Domizil einer Pizzeria - versteigert wurde. Im Untergeschoss zogen ein Pizza-Lieferservice sowie die Shisha-Bar ein, das Obergeschoss vermietete der neue Eigentümer an die Stadt, die wiederum eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge einrichtete. Aktuell sind dort 29 Menschen untergebracht.

Die heutige Form des Shisha-Rauchens entstand wohl im Ägypten des 16. Jahrhunderts. Um die Shisha entwickelte sich eine Gemeinschaftskultur, die bis heute Bestand hat.

Allein die neuen Nachbarn mögen manchem missfallen haben, durch die unklug organisierte Eröffnungsfeier im Juni war dann aber richtig Ärger programmiert: Dazu habe der Betreiber im Internet über Facebook eingeladen – also quasi die ganze Welt. „Und fast die ganze Welt ist auch gekommen“, weiß Claudia Bicherl: „Es waren hunderte von Gästen.“ Abends sei die Polizei nach erbosten Anrufen von Anwohnern gleich mehrfach erschienen. „Viele wussten ja auch gar nicht, was das ist und vermuteten, dass da Hasch geraucht wird.“ Zu beanstanden ist jedoch nur die Ruhestörung durch Besucher, die auch gerne mal mit quietschenden Reifen vorfahren, denn Shisha-Tabak ist keine illegale Droge, gilt lediglich wie Zigaretten als gesundheitsschädlich. Der Genuss ist deshalb erst ab 18 Jahren erlaubt, erläutert Bicherl. „Der Betreiber muss das kontrollieren, wie etwa in Spielhallen“.

Die Polizei wiederum sorgt „im Rahmen der normalen Streife“ dafür, dass das Jugendschutzgesetz eingehalten wird, sagt Hauptkommissar Jürgen Höfer. Für die Einhaltung weiterer Auflagen beim Betrieb einer Shisha-Bar wie Brandschutz und Emissionen sei das Kreisamt zuständig, das besonderes Augenmerk auf den Kohlenmonoxid-Gehalt richte. In konzertierten Aktionen kontrollierten die Fachleute vom Kreis mit den entsprechenden Messgeräten auch mal mit Vertretern des Ordnungsamtes und der Polizei.

Zwischenmenschlich herrscht derzeit nicht mehr so dicke Luft. „Erste Erfolge lassen sich erkennen“, sagt Jürgen Höfer. Bußgelder aufgrund der vielen Beschwerden und Anzeigen sowie Gespräche mit Hauseigentümer und Barbetreiber haben wohl gefruchtet. Claudia Bicherl vermeldet: „Das Haus sieht ordentlich aus, momentan liegt uns nichts vor.“

Der Geschäftsführer der Bar sieht die Situation so entspannt wie seine Gäste, die den Sommerabend unter freiem Himmel auf modernen Lounchmöbeln genießen, vor sich die Wasserpfeife oder einen Cocktail. „Die Resonanz ist gut“, freut sich Ylli Miftaraj, „und die Bar macht die Region attraktiver“.

Seine Familie stammt aus dem Kosovo, er ist in Deutschland aufgewachsen, absolvierte eine Banklehre und will nun in Frankfurt International Finance studieren. Seine Besucher seien vor allem junge Leute zwischen 18 und 25 aus der Umgebung, darunter viele Deutsche. „In der ersten Zeit waren wir überfordert“, räumt der 25-Jährige ein, „mit diesem Ansturm hatten wir nicht gerechnet.“ Jetzt habe man die Probleme im Griff: „Jeder Nachbar hat unsere Handy-Nummer und kann sich melden, wenn es was zu beanstanden gibt.“

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