Pilotprojekt zur Trägerentlastung bei Kitas im katholischen Dekanat

Bistum bietet Hilfe an

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Kompetente Unterstützung für die Kitas (von links): Geschäftsträger Patrick Sahm, Generalvikar Dietmar Giebelmann, Hildegard Kewes, Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt und Dekan Dieter Bockholt.

Ostkreis - Kindertagesstätten sind heute kleine mittelständische Unternehmen. Die Qualität der Betreuung ist mit steigenden Anforderungen verbunden. Von Sabine Müller

Die Verantwortlichen für die 14 katholischen Einrichtungen im Dekanat Seligenstadt bekommen nun mit Patrick Sahm einen Mitarbeiter zur Seite gestellt, der sie entlasten kann. Im Pfarrsaal von St. Nikolaus in Klein-Krotzenburg wurde das Pilotprojekt vorgestellt. „Dies ist für uns ein wichtiges Ereignis, für diese Stelle haben wir lange gekämpft.“ Die einführenden Worte von Dekan Dieter Bockholt am Montagabend verwiesen auf einen Entwicklungsprozess: Die immer höheren Anforderungen an den Betrieb einer Kindertagesstätte (Kita) erfordern eine Professionalisierung und zeitliche Entlastung der Verantwortlichen. Nur so können langfristig kirchliche Trägerstrukturen bei Kindertageseinrichtungen erhalten werden. Daher stellt das Bistum Mainz den Trägern jetzt hauptamtliche Kräfte zur Verfügung. Im katholischen Dekanat Seligenstadt, das die Pfarrgemeinden in Hanau-Steinheim und –Klein-Auheim, Hainburg, Seligenstadt und Mainhausen bilden, startet das Pilotprojekt: Durch die neu geschaffene Stelle eines Geschäftsträgers für Kitas können die Priester, die ehrenamtlichen Trägerbeauftragten und die Kita-Leitungen Teile ihrer Aufgaben abgeben. Zeitgleich bekommen das Dekanat Bergstraße-Mitte sowie im September das Dekanat Rodgau solch einen Bistumsmitarbeiter.

„Wir bieten Hilfe an, die Sie abrufen können – wenn Sie es möchten“, betonte Generalvikar Dietmar Giebelmann bei der Einführung von Geschäftsträger Patrick Sahm vor Vertretern von Kitas, Pfarrern, Pfarrgemeinderäten und Verwaltungsräten, des Kreises und der Caritas. „Wir wollen bewusst Ehrenamtliche nicht zurückdrängen“, so der Prälat, „die Kirchengemeinden bleiben Träger der Einrichtung.“ Man wisse jedoch, dass die Verantwortlichen an Grenzen stießen, dazu komme der Fachkräftemangel in den Kitas. „Der Geschäftsträger wird Sie verlässlich unterstützen.“ Voraussetzung sei, dass das Angebot auch genutzt werde, damit klar sei, wo Bedarf besteht.

Nach Auskunft der Leiterin der Stabsstelle Kindertageseinrichtungen beim Bistum Mainz, Hildegard Kewes, können die Träger unter sechs Modulen auswählen: Personal, Finanzen, Gebäude, Pädagogisches Qualitätsmanagement, Zusammenarbeit mit Eltern sowie Öffentlichkeitsarbeit. „Alle haben bis jetzt schon drei Module angegeben.“ Die Entscheidungen lägen bei den Pfarreien, der Geschäftsträger arbeite vor allem zu, etwa bei aufwändigen Verwaltungsaufgaben wie Fördergelder beantragen, Personalsuche, Ausschreibungen, Angebote einholen, Internetauftritte. So könnten sich die Verantwortlichen auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren.

Klagen auf den Kita-Platz - aber wie?

Verwaltungsrätin Kewes stellte den neuen Ansprechpartner, der seit 1. April im Amt ist, offiziell als „kompetente Unterstützung“ vor. Der Verwaltungsangestellte arbeitete zehn Jahre lang beim BAföG-Amt in Frankfurt, ist Public Manager (B.A.) und war seit 2013 als Personalsachbearbeiter im Rentamt der Diözese Limburg beschäftigt. Da Patrick Sahm aus einer katholischen Gemeinde im Dekanat Rodgau komme, kenne er auch die kirchlichen Strukturen. „Das macht ihn für diese Aufgabe sehr interessant“, befand Hildegard Kewes, die außerdem verriet, dass er gerade Deutscher Meister im Maschineschnellschreiben wurde.

Auch das Evangelische Dekanat Rodgau entwickele derzeit neue Trägermodelle für Kitas, berichtet Leonie Krauß-Buck, Pfarrerin der Kirchengemeinde Seligenstadt und Mainhausen, auf Anfrage unserer Zeitung. Die Aufgaben seien mittlerweile „sehr kleinteilig, diffizil und zeitaufwändig“. Im Juni werde Dekan Carsten Tag im Kirchenvorstand berichten, was die Steuerungsgruppe erarbeitet habe. „Wir entscheiden dann, unter welchen Voraussetzungen wir zustimmen.“

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