Sechster Friedhofsgang des Arbeitskreises Heimatgeschichte

Ehrenamt vorbildlich gelebt

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An Menschen, die Froschhausen geprägt haben, erinnert die Reihe „Historischer Friedhofsgang“ des Arbeitskreises Heimatgeschichte.

Froschhausen - Mit dem „Historischen Friedhofsgang“ gedenkt der Arbeitskreis Heimatgeschichte Persönlichkeiten, die in Froschhausen eine wichtige Rolle gespielt haben. Zur sechsten Veranstaltung begrüßte Frank Lortz, Leiter des Arbeitskreises, rund 80 Gäste.

„Man muss sehr dankbar sein für den Einsatz vieler ehrenamtlicher Repräsentanten, die im vergangenen Jahrhundert die Voraussetzungen dafür geschaffen haben, dass Froschhausen heute ein allseits anerkanntes und selbstbewusstes Gemeinwesen ist“, sagte Lortz zu Beginn. Arbeitskreismitglied Klaus Heeg erinnerte an Willy Löw, der 1923 als Sänger in die Harmonie eintrat. 1929 wurde er Vorsitzender und übte das Amt bis zur Gleichschaltung durch die Nationalsozialisten aus. 1947 wurde Löw erneut zum Vorsitzenden gewählt. 1953, ein Jahr nach dem 60-jährigen Vereinsbestehen, gab er sein Amt ab, auf ihn folgte Christian Jäger. Willy Löw war 1946 auch Gründungsvorsitzender des CDU-Ortsverbandes Froschhausen. Unter seiner Führung errangen die Christdemokraten mit 73 Prozent einen beachtlichen Sieg bei der ersten Kommunalwahlen nach dem Zweiten Weltkrieg. Im Jahr 1952 gründete er mit seinem Sohn die Lederwarenfabrik Willy Löw KG, die bis 1989 produzierte. Auch als Imker hatte Willy Löw einen Namen.

Der stellvertretende Vereinsringvorsitzende Volker Schmidt erinnerte an Rudi Walter. Er hatte mit seinem Engagement in der Freiwilligen Feuerwehr, dem Gesangverein Harmonie und einigen anderen Vereinen das Ehrenamt „vorbildlich gelebt“. 1951 trat Walter in die Harmonie ein, sang bis 1996 im ersten Bass und engagierte sich in vielen Bereichen des Vereins. Ab 1953 war Walter auch aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. 1965 und 1966 war er stellvertretender Kommandant, ab 1974 Wehrführer. Kurz nach der Eingemeindung stellte er sich der Aufgabe, die nun nicht mehr eigenständige Feuerwehr Froschhausen im Verbund der Feuerwehr in der Stadt Seligenstadt einzubringen. Bis zum Übertritt in die Alters- und Ehrenabteilung 1982 lenkte Rudi Walter die Geschicke der Einsatzabteilung. Für seine Verdienste wurde er 1984 zum Ehrenwehrführer ernannt.

Der Vereinsringvorsitzende Volker Horn übernahm die Erinnerung an Alois Wolf, der Ende der 1940er Jahre nach Froschhausen kam. Die Familie wurde von der Gemeinde zunächst im Anwesen von Franz Schmitt an der Hauptstraße eingewiesen. Wolf war selbstständiger Landwirt bis 1967. Im Jahr 1952 wurde der CDU-Mann Gemeindevertreter und setzte sich besonders für die Interessen der Heimatvertriebenen ein. Der Gemeindevertretung in Froschhausen gehörte Alois Wolf bis 1972 an, er war Mitglied des CDU-Vorstandes, Ortsgerichtsschöffe und Schiedsmann sowie ein Aktivposten beim VdK, dessen Gründung-mitglied und Vorsitzender er von 1963 bis 1969 war. Auch beim Bund der Vertriebenen war er aktiv. Weiterhin engagierte er sich in der „Egerländer G’moi“ in Froschhausen. Er gehörte zu den dienstältesten Kommunalpolitikern und starb am 28. Mai 1999 im Alter von 92 Jahren.

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Frank Lortz übernahm die Würdigung von Nikolaus Lommel, der am 26. Juli 1903 in Seligenstadt geboren wurde und 1932 die Tochter von Altbürgermeister Valentin Holler heiratete. Nach dessen Tod übernahm er die Gaststätte „Zum deutschen Haus“. 1946 gehörte Lommel zu den Gründern der örtlichen CDU und wurde zum Schriftführer gewählt. Die erste Tanzmusik nach dem Krieg fand am 7. Juli 1946 im Saal des „Deutschen Hauses“ statt.

Im August 1946 nahm Lommel auch an der ersten Sitzung des neuen Kirchenvorstandes teil. Während des Umbaus der Kirche wurde der Saal des „Deutschen Hauses“ zum Notquartier für die Gottesdienste. Von 1952 bis 1956 war Nikolaus Lommel Gemeindevertreter. Er wurde am 17. Mai 1953 zum Protokollführer im Gemeinderat ernannt, und bei der Einführung der neuen Friedhofshalle im Oktober 1952 war er Mitunterzeichner der Urkunde in seiner Funktion als Mitglied des Kirchenstiftungsrates. Der nächste „Historische Friedhofsgang“ ist für 2017 geplant.

Bo

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