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„Einfach losplappern“

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Im „Conversation Club“: Weltgeschehen, Gesellschaftsklatsch, Stadtpolitik. © paw

Ostkreis (th) - Eine Traditionsgaststätte in Seligenstadt. „Zur guten Quelle“ an den Grabenstraße, von vielen nur „Dobbscher“ genannt. An einem Stammtisch sitzen acht gut gelaunte Damen und Herren, sie kommen aus Mainhausen, Seligenstadt und Hainburg.

Treffen sich zum 14-tägigen Stammtisch. Nichts Besonderes eigentlich. Wenn da nicht das vertraute hessische Gebabbel fehlen würde. Die Damen und Herren am Stammtisch unterhalten sich ausschließlich in englischer Sprache. Der „English Conversation Club“ sitzt dort. Georg Reuter aus Mainhausen ist eine der Triebfedern des Clubs. „Wir haben Spaß an der englischen Sprache. Sei es, dass wir sie aus beruflichen Gründen nutzen oder einfach die Schulkenntnisse nicht einrosten lassen wollen“, bringt er es auf den Punkt. Noch einfacher formuliert es die Hainburgerin Norma Bach: „Ich liebe England. “ Sie fahre gern dorthin, mag die englischen Traditionen. Bestätigt wird sie von Marika Böhm, ebenfalls aus Hainburg. Sie liest auch englischer Bücher und Zeitungen - um mit der Sprache vertraut zu bleiben.

Gesprochen wird im „English Conversation Club“ über alles. Weltgeschehen und Gesellschaftsklatsch, Stadtpolitik und private Erlebnisse. Hauptsache, alles wird auf Englisch vermittelt. Zur Sicherheit liegt auf dem Tisch ein Lexikon oder aber eine elektronische Übersetzungshilfe. Doch die Nachschlagewerke werden kaum gebraucht. Alle sind geübt in der Weltsprache Englisch. „Bei einem Volkshochschulkurs kommt man kaum zum sprechen, hier können wir einfach losplappern“, sagt Gudrun Kempf. Mit 15 Jahren war sie das erste Mal in England während eines Schüleraustauschs. „Der Spaß an der Sprache ist immer noch da“, so die Dame, mittlerweile im besten Alter. Ganz anders die Motivation von Christine Löffler aus Froschhausen. Sie spricht perfekt, hat eine Neigung zu Fremdsprachen. Neben Englisch kann sie sich auch auf Spanisch, Französisch und Italienisch grundlegend verständigen. Allein in England - die Sprache des Königtums spricht sie nahezu perfekt - war sie noch nie gewesen. „Kann ja noch kommen“, scherzt die Froschhausenerin, ebenfalls im besten Alter.

Club existiert seit 1984

Seit 38 Jahren lebt Nigel Whippey in Deutschland, gebürtig aus der englischen Metropole Bristol stammend. Der Ingenieur ist mit einer Deutschen verheiratet. Er ist der „Chefübersetzer“ der Seligenstädter Gruppe des „English Conversation Club“, wenn einmal eine Vokabel fehlen sollte. Er spricht Deutsch akzentfrei - und fühlt sich wohl in Deutschland. „Mittlerweile bin ich mehr Deutsch als Englisch“, sagt Whippey. Anfangs habe er einiges vermisst: Etwa Spezialitäten der englischen Küche wie „Baked Beans“ oder „Plum-Pudding“. Mittlerweile könne man dies im Internet kaufen, wenn die Sehnsucht nach heimischen Produkten groß wird.

Komplettiert wird der Gesprächskreis mit wechselnden Teilnehmern aus vielen Ländern. „Wir hatten schon Chinesen oder Südafrikaner zu Gast, die über das Internet auf uns aufmerksam geworden sind“, erzählt Georg Reuter. Jeder sei jederzeit bei den Treffen willkommen. „Wir sind kein Verein, haben keinen Vorstand. Wir sitzen aus Spaß beieinander und sprechen Englisch.“ Seit 1984 gibt es den Club, rund ein Dutzend Interessierte treffen sich zu den Stammtischen im „Dobbscher“. Auch Besuche des englischen Theaters in Frankfurt werden regelmäßig wahrgenommen. Demnächst wollen die interessierten Deutschen an einer Stadtführung in Babenhausen teilnehmen: Gebucht wurde natürlich ein Englisch sprechender Stadtführer, der seine Heimatstadt in dieser Sprache vorstellt.

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