Attraktivitätssteigerung wohl nur an vier Stellen empfehlenswert

Mainradweg: Einheitliches Stadtmobiliar

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Radwegverlauf auf Höhe des alten Friedhofs: Die lange Zeit sehr enge Stelle konnte in den 1980er Jahren nach Abtretung von Grundstücksstreifen bequem befahrbar gemacht werden.

Seligenstadt - Getreu dem Motto „Unser Abschnitt am Mainradweg soll nicht nur schöner und attraktiver werden, sondern Radel-Touristen auch zum Verweilen und Bleiben in unserer Stadt bewegen“, hatte die Stadtverordnetenversammlung der Verwaltung im Mai eine – vermeintlich – leichte Aufgabe gestellt. Von Michael Hofmann

Allein die inzwischen in einem Bericht zusammengetragenen Vorschläge sind doch eher überschaubar. Warum soll die Stadt Seligenstadt nicht vom hoch frequentierten Mainradweg profitieren? fragte die SPD-Fraktion und schlug zum Zehnjährigen der Strecke von der Quelle bis zur Mündung „Verbesserungen der Infrastruktur“ vor - mehr Abstellanlagen und Fahrradboxen, Stadtplan mit praktischen Hinweisen, Ortsschilder am Mainradweg, eine Liegewiese am Main.... Die Ernüchterung folgt auf dem Fuß. Gesetzliche Vorgaben, Verbote und sonstige Zwänge verhindern einen großen, einen kreativen Wurf. Gestaltung und Aufwertung scheinen nur an vier Stellen möglich/sinnvoll.

Der auf etwa sechs Kilometern an Seligenstadt und Klein-Welzheim vorbeiführende Mainradweg befindet sich zu zwei Dritteln im Eigentum der Stadt, die restliche Fläche gehört der Bundesrepublik Deutschland und wird von der Bundeswasserstraßenverwaltung (WSV) betreut. Bei allen entsprechenden Planungsmaßnahmen ist deshalb der Bund zu beteiligen und dessen Genehmigung einzuholen. Daneben sind auch der Planungsverband Frankfurt/Rhein-Main, der Kreis Offenbach und regionale Wirtschaftsförderungsstellen bei qualifizierten Ausbau- und Aufwertungsmaßnahmen einzubeziehen. Der bestehende Nutzungsvertrag mit dem Bund regelt unter anderem, dass „Absperrungen, Bänke, Papierkörbe und andere Anlagen auf den Grünflächen nur nach vorheriger Zustimmung“ aufgestellt werden dürfen. Zudem liegt der gesamte Radweg entlang des Mains innerhalb des Landschaftsschutzgebietes „Hessische Mainauen“, bedeutet: weitere Einschränkungen, die Eigeninitiative extrem beschneiden. Letztlich, so die Bilanz des Amts für Stadtentwicklung, seien Eingriffe, wie sie die Politik vorgeschlagen hatte (Liegewiese mit Zaun, Fahrradabstellanlage, Fahrradboxen) kaum machbar, wenig sinnvoll (bloßes Aufstellen von zusätzlichen Hinweisschildern), kaum genehmigungsfähig oder auch schlicht zu teuer.

Mainradweg auf Höhe der Seligenstädter Altstadt: Infrastrukturelle Verbesserungen sind nur in Absprache mit Behörden und Förderungsstellen möglich. Die Stadt könnte allerdings vor allem im Bereich der Fähre gestalterisch tätig werden.

Aus diesem Grund solle die Stadt lieber eine geordnete und strukturierte „einheitliche Gestaltung und Verbesserung der Route“ in Angriff nehmen. Konkret schlägt das Amt vier „Gestaltungsstellen“ vor: an der Ein- und Ausfahrt in Richtung Hainburg (Schnittpunkt mit der L 3065), an der Ein- und Ausfahrt in die Altstadt (Steinheimer Straße), vor allem im Bereich der Mainfähre sowie auf Höhe von Klein-Welzheim. Unter anderem könnten in den Boden eingelassene etwa einen Meter hohe Hinweissäulen oder Werbetafeln mit Erläuterungen (botanisch und zoologisch wertvolle Eigenarten, Hinweis auf Radwegführung, Etappenstationsnummern, Übersicht über die Apfelweinroute) aufgestellt werden. Hinzu kommen Maßnahmen zur Temporeduzierung „durch Bodengestaltung“ sowie Hinweisschilder auf Sehenswürdigkeiten, Aufenthaltsmöglichkeiten, kulturelle Kostbarkeiten und kulinarische Spezialitäten. Das Ganze mit der Betonung auf „einheitliche gestalterische Elemente“. Dazu zählen spezifische Erkennungsmerkmal wie „Sandstein als Baumaterial“ (Umsäumen der Sitzplätze, Bau von niedrigen Sitzmauern), Betonung des Elements Wasser und der Werte des Landschaftsschutzgebiets (Ortsschilder, Schaukästen), und auffälliger Bodengestaltung. Kernsatz: Das Stadtmobiliar soll durch seine Einheitlichkeit auch ein Erkennungselement der Seligenstädter Strecke werden.

Bilder: Kartoffelernte wie ganz früher

Am Besten lassen sich die Vorgaben im Bereich der Mainfähre umsetzen. Als Maßnahmen nennt die Verwaltung die Reduzierung der Parkplätze, überdachte Fahrradständer und Anlehnbügel, Sandsteinsitzmauer mit Holzsitzen um den Grünbereich, Neugestaltung der Fläche vor dem Spielplatz sowie gut platzierte Werbetafeln. Der Magistrat schlägt vor, für das Haushaltsjahr 2018 20.000 Euro für einen Landschaftsarchitekten einzustellen, damit dieser die vier Stellen beplant und Kosten ermittelt. Die Gelder sollen im Etatjahr 2019 für den Bereich 3 (Fähre) eingestellt werden, die für die anderen drei Bereiche im Folgejahr. Dazu: Angemerkt und Kasten „Radeln...“

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