Erster Unternehmerinnen-Tag im Seligenstädter Rathaus

Der weibliche Blick ist anders

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Gelegenheit zum Austausch gab es reichlich beim ersten Seligenstädter Unternehmerinnen-Tag. Links (erste Stuhlreihe) die Vorsitzende des Netzwerks, Gabriele Maria Völk.

Seligenstadt - Professionalität und persönlicher Austausch werden besonders geschätzt im Unternehmerinnen-Netzwerk Seligenstadt (U. N. S. ), das Frauen aus den unterschiedlichsten Branchen versammelt. Von Sabine Müller

Am Samstag feierte der Verein das fünfjährige Bestehen mit Vorträgen und Aktivitäten im Rathaus, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern und neue Mitglieder zu werben. Die Veranstaltungen waren oben im Großen Saal angesiedelt, darüber hinaus informierten auf allen Stockwerken des Seligenstädter Rathauses Plakate und Broschüren über den Verein und die Dienstleistungen seiner Mitglieder. Sie selbst konnten natürlich am besten Auskunft geben und luden zum Gespräch an den Stehtischen ein. Gerne bei einem Glas Sekt, denn schließlich gab es auch was zu feiern: Am 14. Juni 2011 wurde das Unternehmerinnen-Netzwerk Seligenstadt in das Vereinsregister eingetragen.

Zuvor hatte es eine „Visitenkarten-Party“ in einer Seligenstädter Gaststätte gegeben, „damals schon mit zehn Damen“, berichtete Gabriele Maria Völk in ihrer Begrüßungsrede. Die Gründerin und Vereinsvorsitzende aus Mainhausen, von Beruf Raumstylistin, hatte ihr Schlüsselerlebnis während eines Vortrags. „Damals fiel der Satz: Sind Sie eine erfolgreiche Unternehmerin? Ich überlegte, wo ich stand, und wo ich mit 50 stehen wollte.“

Heute sind es 26 Vereinsmitglieder aus verschiedenen Branchen, die persönlich und digital vernetzt sind, sich gegenseitig informieren und unterstützen. Denn: „Frauen gründen anders als Männer“, erläuterte Gabriele Maria Völk, „der weibliche Blick ist anders“. Sie hätten oft weniger finanzielle Mittel zur Verfügung, fokussierten nicht das schnelle Wachstum, wollten – etwa für die Familie – flexibel bleiben und machten sich später selbständig. Um diese Herausforderungen zu meistern, suchten sie gerne den Austausch. Das Wir-Gefühl wird gestärkt durch regelmäßige Treffen, Vorträge über Unternehmen oder Fachgebiete bis hin zu gemeinsamen Ausflügen. Willkommen sind alle, aus Seligenstadt und drum herum, Anzug- oder Blaumann-Trägerinnen. Nur eine Alice Schwarzer sei nicht darunter, meinte Steuerberaterin Alexandra Burkard im Zeitungsinterview. „Brauchen wir auch nicht, unsere Leistung spricht für uns.“

 Viele der selbstständigen Frauen arbeiten als Heilpraktikerin und Therapeutin, sowie in den Bereichen Beratung, Design, Kommunikation und Coaching. Auch die Seligenstädter Wirtschaftsförderin Désirée Volz, die seit 1. August vor allem die Firmen in den örtlichen Gewerbegebieten betreut, war froh über einen weiblichen Coach an ihrer Seite in einer ansonsten sehr männerorientierten Arbeitswelt. Als Geschäftsführerin einer GmbH, die Tochtergesellschaft des Fußball- und Leichtathletik-Verbands Westfalen ist, habe sie selbst in den vergangenen Jahren als Bindeglied zwischen Sport und Wirtschaft fungiert und dabei schöne und erfolgreiche Formate entworfen. „Aber 98 Prozent der Führungskräfte sind Männer, ich hätte mir oft den Austausch gewünscht.“ Sie sei sehr gerne der Bitte von Bürgermeister Dr. Daniell Bastian nachgekommen, heute in seiner Vertretung das Grußwort zu sprechen, so Désirée Volz: „Ich finde es gut, dass es ein solches Netzwerk gibt.“

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Heidrun Mayer-Gubatz und Petra Liebeskind sind ebenfalls beide unter anderem als Coach tätig. Sie haben sich über U.N.S. kennengelernt und mit der gesammelten Kraft ihrer Erfahrung das gemeinsame Unternehmen „die konfliktgestalter“ gegründet: Ein Jour fixe für Führungskräfte, die noch in ihre Aufgabe hineinwachsen müssen oder ihre Rolle weiterentwickeln wollen. „Sehr zufrieden“ waren die Unternehmerinnen mit der Resonanz auf ihre Auftaktveranstaltung. Eine Fortsetzung alle zwei, drei Jahre könnten sie sich vorstellen. Vor allem am Samstagnachmittag seien die Vorträge („Steuern für Selbstständige“) und Workshops wie etwa „Frauen kommunizieren, Männer ganz anders“ - gut angenommen worden.

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