„Gemeinsam sind wir stark“

Erstes Theaterprojekt des Förderkreises Lichtblick

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Lichtblick-Theatergruppe: „Als vertrauensbildende Maßnahme ist das Warm-up sehr wichtig“, sagt Theaterpädagogin Susanne Nees.

Seligenstadt - „Theater, Theater…“: Die Welt des Rollenspiels und der Bühne erobern sich in diesen Monaten acht Frauen und Männer mit unterschiedlichen Behinderungen vom Förderkreis Lichtblick. Professionelle Begleitung haben sie durch Theaterpädagogin Susanne Nees. Von Sabine Müller

Welches Stück zur Aufführung kommt, bleibt noch ein Geheimnis. Ganz offenkundig ist das Ensemble aber mit viel Spaß bei der Sache. Ein paar sind Arbeitskolleginnen und -kollegen im Seligenstädter Klostercafé, andere kennen sich aus Freizeitgruppen, die der Förderkreis anbietet. Im Jahr 1995 aus einer Elterninitiative entstanden, unterhält der Verein heute neben einer Wohngruppe für ältere und geistig behinderte Menschen drei Arbeitsprojekte in Seligenstadt, organisiert Kurse, Ausflüge und Reisen. Ziel ist, Menschen mit Hilfebedarf nicht auszugrenzen, sondern in das gesellschaftliche Leben zu integrieren. Dafür ist Theaterarbeit wie geschaffen, denn sie kann Flügel verleihen. Nicht von ungefähr hat sich die Gruppe den Namen „Schmetterling“ gegeben. Ihr Motto: „Gemeinsam sind wir stark!“

Dienstags zwischen 19 und 21 Uhr kommen Alexandra, Alexander, Johannes, Nathalie, Michael, Felicitas und Ute zur Probe im Haus an der Wallstraße zusammen. „Die Wohngruppe Steinheimer Tor überlässt uns den Gemeinschaftsraum im Keller kostenfrei“, freut sich Angela Cereceda. Sie ist ebenfalls Teilnehmerin, stellvertretende Vorsitzende bei „Lichtblick“ und Initiatorin des Projekts. Schon lange kennt sie die Theaterpädagogin und Erzieherin Susanne Nees, unter anderem Leiterin der Laienspielgruppe INANNA unter dem Dach der evangelischen Kirche. „Ich hatte die Idee, dass sie doch auch mal bei uns Theaterarbeit anbieten könnte“, berichtet Angela Cereceda. Und Susanne Nees war dabei. Im Februar hat sie sich mit den Teilnehmern im Alter zwischen 29 und 56 auf den Weg gemacht. Er ist das Ziel. Die Pädagogin vermittelt Grundkenntnisse des Schauspiels und versucht, die Menschen mit ihren unterschiedlichen Begabungen und Fähigkeiten zur fantasievollen Mitarbeit und Eigeninitiative anzuregen. Dies ist verbunden mit viel Vergnügen, aber auch mit Anstrengung und Disziplin. Erste Voraussetzung für den Erfolg ist Vertrauen.

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„Als vertrauensbildende Maßnahme ist das Warm-up sehr wichtig“, sagt Susanne Nees. Die Interaktionen zu Beginn der Treffen machen den Kopf frei und gute Laune. Jedes Mitglied hat ein anderes Lieblingsspiel. Sei’s der Knoten aus Armen und Händen, der unter viel Gelächter mit Drehen und Wenden gelöst werden soll, oder die Spiegelungen: Zu Harfenklängen gibt ein Partner Bewegungen vor, der andere zieht fast zeitgleich nach. „Ich finde es ganz anmutig, wie ihr das mittlerweile macht“, lobt Susanne Nees. Mehrere mögen die „Schutzengel“-Übung besonders gern, bei der eine Person mit geschlossenen Augen durch den Raum wandert, die anderen verhindern, dass sie gegen die Wand läuft. Bei der von Gabrielle Roth entwickelten Tanzmeditation zeigt Felicitas, dass sie den Rhythmus im Blut hat. Es fällt auf, dass alle Schwarz tragen. „Das ist unsere Arbeitskleidung“, erklärt Johannes, „damit können wir in jede Rolle schlüpfen.“ „Und ich kann euch besser sehen“, ergänzt die Theaterpädagogin. Sie will fördern und fordern, das Individuelle ebenso wie das Miteinander in der Gruppe.

Bei der Frage nach der Bühnenvorlage verraten die Akteure nur so viel: Die Literatur ist schon älter, bekannt und wird von „Lichtblick“ ganz neu interpretiert. Die Texte werden nicht auswendig gelernt, sondern weiterentwickelt. „Anfangs hatten alle Bedenken, sich zu blamieren“, berichtet Angela Cereceda. Susanne Nees hörte immer wieder „ich kann des net.“ Ihre Antwort: „Wir arbeiten mit dem, was ihr könnt, da habt ihr eure Potenziale.“ Mittlerweile ist sie guter Dinge, dass das Theaterstück aufgeführt wird und alle stolz darauf sein werden. Die Mitglieder seien selbstbewusster geworden, über ihre Grenzen hinausgewachsen. Zur Unterstützung des Theaterprojektes würde sich der Verein über eine Spende freuen. Informationen dazu unter: www.lichtblick-seligenstadt.de.

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