Zum Fahrplanwechsel

Erstmals Busse ins Oberzentrum Aschaffenburg

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Zum Fahrplanwechsel im Dezember fährt die Linie 58 erstmals den Regionalen Omnibusbahnhof im Oberzentrum Aschaffenburg an.

Seligenstadt - Grenzen überschreiten, das klingt immer gut. Die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach mbH (kvgOF) und die Verkehrsgesellschaft mbH Untermain wollen es wagen und einen im Ostkreis lange gehegten Wunsch erfüllen: eine Busverbindung in das Oberzentrum Aschaffenburg. Noch aber sind nicht alle zufrieden. Von Michael Hofmann

Zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember vereinbarten die kvgOF und der Landkreis Aschaffenburg zwei neue Buslinien vom Kreis Offenbach in den Landkreis Aschaffenburg und zurück - zunächst im dreijährigen Probebetrieb. Wie bereits berichtet, geht es um die Linie 58 (Rodgau-Weiskirchen, Seligenstadt, Zellhausen, Mainaschaff, Aschaffenburg und zurück) und die Linie 57 (Anschlusspunkt Zellhausen über Stockstadt/Main nach Großostheim und zurück). Bei der Präsentation, verbunden mit einer Probefahrt, war die Freude groß - bei Erster Kreisbeigeordneter Claudia Jäger, der kvgOF-Aufsichtsratsvorsitzenden, aber auch bei Seligenstadts Bürgermeister Dr. Daniell Bastian, der Ersten Stadträtin Claudia Bicherl und Mainhausens Rathauschefin Ruth Disser. „Diese Linie ist so bislang einmalig. Wir überschreiten dabei sowohl die RMV-Gebietsgrenze als auch die Landesgrenze Hessen-Bayern“, so kvgOF-Geschäftsführer Andreas Maatz stolz.

Aber es gibt auch kritische Stimmen. Ein Mainflingener Leserbriefschreiber etwa beschwert sich darüber, dass die Standorte Seligenstadt-Klein-Welzheim und Mainhausen-Mainflingen nicht berücksichtigt worden seien. Auch dort gebe es „Kunden, die gerne direkt - ohne Umsteigen und langes Warten - nach Aschaffenburg und Großostheim fahren wollen.“ Dies gelte vor allem für Mainflingen, wo derzeit ein neues Wohngebiet für 750 Bürger entstehe. Nach seiner Schätzung, so der Leser weiter, verlängere ein Umweg über Klein-Welzheim und Mainflingen die Tour um maximal zehn Minuten.

In Seligenstadt macht sich die Heimatblatt-Kultfigur „Turmmännche'“ zum Sprecher der RMV-Kritiker: „Welche Besucher- und Pendlerströme bedient werden sollen, erschließt sich mir nicht.“ Dennoch lasse die Größe der bei der Ankündigung gezeigten Busse „riesige Ausmaße erahnen“, und mit 3,15 Euro sei der Fahrpreis ja geradezu ein Schnäppchen. Dagegen müsse der Seligenstädter, den „unsinnigen“ RMV-Tarifzonen geschuldet, für die Fahrt nach Frankfurt stolze 8,25 Euro berappen. Die deutlich günstigere Alternative (Bus nach Obertshausen, S-Bahn nach Frankfurt) sei unbequem, für Ältere gefährlich und auch nicht umweltfreundlich. Außerdem böten die Busse der Verkehrsbetriebe längst eine Stundentakt-Verbindung nach AB. Nahe dem Fähranlager auf der gegenüber liegenden Großwelzheimer Mainseite: 40 Minuten Fahrzeit zum Hauptbahnhof.

Dagegen begrüßt Seligenstadts Bürgermeister Daniell Bastian die neuen Verbindung über Zellhausen. „Für unsere Bürger ist Aschaffenburg ein wichtiger Zielort, sowohl als Arbeitsplatz als auch für Freizeit oder Einkauf.“ Umwege über Babenhausen oder Hanau mit teilweise erheblichen Wartezeiten gehörten bald der Vergangenheit an. Allerdings seien in der Einhardstadt noch einige Probleme zu lösen - der geplante Bau eines Busbahnhofs auf dem Bahnhofsareal und der provisorische Halt an der Feuerwache für Busse aus Richtung Aschaffenburg. Dieser Halt soll ebenfalls an den Bahnhof verlegt werden.

Ihre Erwartungen weit übertroffen von den neuen Verbindungen zwischen Hessen und Bayern sieht die SPD Mainhausen. Die erheblich verminderte Fahrtzeit zur S-Bahn in Weiskirchen sei zudem eine Überraschung und bedeute eine erhebliche Verbesserung für Berufspendler, Schüler und Studenten. Bereits in den Jahren 2014/2015 habe sich die „Arbeitsgruppe ÖPNV“ in der SPD mit der Fortschreibung des Nahverkehrsplans intensiv beschäftigt und eine Verbindung ins bayerische Aschaffenburg vorgeschlagen. „Viele Pendler in beiden Richtungen wünschen das seit Jahren“, so der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Frank Simon.

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Die beiden neuen Linien werden jeweils die Haltestelle an der Turnhalle in Zellhausen als Knotenpunkt/ Endhaltepunkt ansteuern. Die Linie 57 von Aschaffenburg über Mainaschaff, Zellhausen und Seligenstadt steuert künftig als Endpunkt die S-Bahn-Station in Rodgau-Weiskirchen an und verkehrt in beiden Richtungen werktags elfmal am Tag. So können Aschaffenburg-Hauptbahnhof nach 25 Minuten und die S-Bahn im Rodgau nach 29 Minuten erreicht werden. Die Busse sind auf die Fahrzeiten der Linie S1 getaktet. Auch ein Umsteigen zum Fernverkehr und weiteren Zielen am bayerischen Untermain bis in den Spessart sind vom Knotenpunkt Aschaffenburg möglich. Linie 58 wird künftig werktags zehnmal zwischen Zellhausen und Großostheim pendeln, dabei zudem Stockstadt ansteuern. Auch diese Linie ist über die Taktung an den Bus der Linie 57 angebunden. Auch für die bestehenden Linien werden sich nach SPD-Angaben die Fahrzeiten künftig deutlich verbessern. „Für alle Mainflinger Einwohner besteht über die Linie 86 über die Umsteigepunkte Seligenstadt-Bahnhof und Zellhausen-Turnhalle auch der Anschluss an die neuen Linien.“

Weitere Infos, der Streckenverlauf und der Fahrplan stehen unter www.kvgOF.de zum Download bereit.

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