Millionen investiert

Feierstunde zum 50-jährigen Bestehen des Abwasserverbandes Schleifbach

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An technische Entwicklungen und mehrere Ausbaustufen der Schleifbach-Kläranlage erinnerte Planerin Petra Häfner. Zweiter von links: Verbandschef Rolf Wenzel.

Seligenstadt - Auch nach einem halben Jahrhundert bleibt noch viel zu tun. Mit seiner Kläranlage in Klein-Welzheim steht der Abwasserverband Schleifbach nach Worten seines Vorstehers Rolf Wenzel aktuell zwar vorbildlich da, Experten wie Dr. Christian Schaum von der Technischen Universität Darmstadt sehen indessen schon die nächsten Herausforderungen am Horizont.

Das Jubiläum bot am Donnerstag dennoch Gelegenheit, zufrieden Bilanz zu ziehen. 50 Jahre lang seien die drei Verbandsgemeinden Mainhausen, Seligenstadt und Karlstein nicht nur ihrer Verantwortung für die Umwelt gerecht geworden, sondern hätten auch ein Musterbeispiel für interkommunale Zusammenarbeit geliefert, betonte Wenzel vor und 60 Gästen im Winterrefektorium der ehemaligen Benediktiner-Abtei. Dass eine reibungslos funktionierende Abwasser-Entsorgung keine Selbstverständlichkeit sei, zeige der Blick in die Welt: „Wir leben in einem Zeitalter, das völlig rücksichtslos und unverantwortlich unsere Natur zerstört“, so Wenzel. So gebe es in manchen Metropolen wie etwa Brasilia bis heute keine Kläranlage.

Die damals selbstständigen Kommunen Klein-Welzheim, Mainflingen und Seligenstadt haben sich nach Worten des Ex-Bürgermeisters schon im April 1966 ihrer Verantwortung gestellt und nach zweijähriger Vorbereitung den Abwasserverband aus der Taufe gehoben. Fünf Jahre später ging die Kläranlage mit einer Kapazität für 18 000 Einwohner in Betrieb. 1975 schloss sich die bayerische Nachbargemeinde Großwelzheim dem Verband an und leitet seither ihr Abwasser durch einen Düker – eine drucklose Rohrleitung – unter dem Main hindurch nach Hessen. 1977 kam dann mit der Gebietsreform Zellhausen dazu.

Nach mehreren Ausbauschritten, die Fachplanerin Petra Häfner von der seit 33 Jahren für den Verband tätigen Planungsgemeinschaft Häfner/Öfner erläuterte, ist die Schleifbach-Kläranlage derzeit auf 39 000 Einwohner-Gleichwerte ausgelegt. Das Abwasser aus ganz Mainhausen, Klein-Welzheim, dem Seligenstädter Süden und dem heutigen Karlsteiner Ortsteil Großwelzheim wird in drei Reinigungsstufen geklärt. Stolz ist Wenzel auf das gerade mit 1,1 Millionen Euro Investitionen umgesetzte Energiekonzept: 80 Prozent ihres Strombedarfs decke die Kläranlage mit Fotovoltaik und einem modernen Blockheizkraftwerk, das unter anderem Gas aus dem Faulturm verbrennt, aus eigener Kraft. Aktuell arbeite der Verband an einer weiteren Reduzierung des Phosphatgehalts.

Nächste große Baustelle

Die nächste große Baustelle wird nach Worten von Christian Schauer, der an der TU Darmstadt in Abwassertechnik forscht, die Elimination von Mikro-Schadstoffen sein. Insbesondere Medikamentenrückstände und mikroskopisch kleine Kunststoffpartikel stellten eine wachsende Bedrohung für Ökosysteme in Gewässern dar. Beizukommen sei ihnen unter anderem mit moderner Filtertechnik oder Aktivkohle. Noch keine praktikable Lösung habe die Wissenschaft für die ebenfalls signifikant steigende Belastung des Abwassers mit resistenten Keimen: „Da ist die Forschung gerade unterwegs.“

Was er bisher leisten konnte, verdankt der Verband laut Wenzel herausragenden Persönlichkeiten - allen voran Lothar Seebacher, der sich seit der Gründung bis 2012 über 46 Jahre ehrenamtlich in Vorstand und Verwaltung engagierte. Ferner würdigte der Verbandsvorsteher das Engagement von Mitgründer Hubert Post, der von 1977 bis 1994 sein Vorgänger war, Theo Stegmann mit 25 Vorstandsjahren und Wolfgang Crynen, der 17 Jahre im Führungsgremium mitwirkte. Auch die Beschäftigten, unter vier Entsorgungsfachkräften zwei Klärmeister, vergaß Rolf Wenzel nicht.

Seligenstadts Bürgermeister Dr. Daniell Bastian nutzte sein Grußwort zu einem Appell an die Vernunft der Bürger: Funktion und Effizienz der Abwasserreinigung litten - nicht nur am Schleifbach - zunehmend unter Fremdkörpern, die gedankenlos durch die Toilette gespült würden. Kreisbeigeordnete Heide Wolf, die auch im Namen von Landrat Oliver Quilling gratulierte, lobte den Verband für seine Innovationfreunde und seine Umsicht im Umgang mit Energie. Unterhalten wurde die Festversammlung von dem Musiker Professor Christopher Miltenberger mit Jazz und launigen Liedern.

rdk

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