Trotz KIP-Förderung

Ganztagspläne für Adenauer-Schule liegen weiter auf Eis

Seligenstadt - Bei keinem Schulthema ist die Einigkeit größer: Die Seligenstädter Konrad-Adenauer-Schule (KAS) soll eine Ganztagsschule, Profil 2, werden. Von Michael Hofmann

Den hehren Vorsatz versucht die Stadtverordnetenversammlung seit vielen Jahren mit Beschlüssen voranzutreiben - vergeblich. Obwohl nun über das Kommunale Investitionsprogramm der Landesregierung (KIP) rund 730.000 Euro zur Verfügung stehen und eine städtische Eigenfinanzierung möglich erscheint, scheinen die Chancen derzeit weiterhin eher gering. Der Grünen-Antrag stammt noch aus der letzten Legislaturperiode, hat nicht an Brisanz verloren: Nach kontroverser Diskussion lehnte die neue Mehrheit aus SPD, FDP und FWS dennoch eine Initiative der Öko-Fraktion ab, mit Mitteln aus dem KIP-Programm der Landesregierung den Ausbau der KAS zu stemmen, „um dort endlich den Ganztagsbetrieb aufnehmen zu können.“ Als Finanzierungserleichterung verweisen die Grünen auf einhergehende Personaleinsparungen im Betreuungsbereich. Doch nur der frühere Kooperationspartner CDU stimmte dem Grünen-Antrag zu.

In seinem ersten Parlamentsredebeitrag verteidigte Dr. Detlev Debertshäuser die KAS-Initiative seiner Grünen-Fraktion engagiert. Ganztag 2 sei nur mit den entsprechenden räumliche Voraussetzungen (Funktionsräume, Mensa, Küche) machbar, die Kosten für eine zweigeschossige rund 900 Quadratmeter große Fläche, vor Jahren auf 800.000 Euro geschätzt, könnten nun etwas höher liegen, doch gebe es eine kostengünstigere Modulbauweise. Da die Stadt mit dem Kreis, der als Schulträger die Mittel für einen dringend erforderlichen Erweiterungsbau verweigere, nicht rechnen könne, sei nun das Parlament gefragt. Mit dem ständigen Hin und Her müsse deshalb ebenso Schluss sein wie mit Parteidenken: „Wir müssen Tacheles reden. Wenn wir das erweiterte Raumangebot und Ganztag 2 wollen, müssen wir den Antrag beschließen.“

Nunmehr bestehe die einmalige Chance, diesen „kommunalpolitischen Dauerbrenner“ zu beenden, fügte CDU-Fraktionschef Joachim Bergmann hinzu. Falls es der neuen Mehrheit mit ihren bildungspolitischen Zielen ernst und der Wahlkampfschwerpunkt kein „billiges Lippenbekenntnis“ sei, müsse sie nun zustimmen. Wenn die mit 150.000 Euro jährlich als Betreuungsbeitrag angesetzte Summe statt dessen für die KAS-Erweiterung eingesetzt werde, „könnte das Projekt noch in dieser Legislaturperiode finanziert werden.“ CDU-Kollege Volker Horn machte anschließend darauf aufmerksam, dass der Antrag bei Ablehnung erst in einem Jahr wieder gestellt werden könne.

Die Erweiterung zur Ganztagsschule sei definitiv auch Wunsch der neuen Mehrheit, versicherte SPD-Fraktionschef Michael Gerheim. Doch müsse das Parlament auch andere Projekte ins Auge fassen, die wohl dringlicher seien: in Froschhausen (Kindergarten und U3-Betreuung) sowie in Klein-Welzheim. „Das sind die Pflichten, während wir an anderer Stelle die Kür haben.“ Auch sei der Einsatz der KIP-Mittel an zeitliche Grenzen gebunden, und für die KAS existiere nicht einmal eine beschlossene Planung. Statt mit einem Beschluss zu früh Gelder für andere Maßnahmen zu blockieren, schlug Gerheim vor, erst ein Gesamtpaket zu erarbeiten und dann zu entscheiden. FDP-Fraktionsvorsitzende Susanne Schäfer ergänzte, mit Beschluss und Planung sei es nicht getan. Schulträger und Land müssten kontaktiert, Konzepte erarbeiten, Lehrer und Personal vorgehalten werden. „Und bis zum Jahresende müsste das fertige Konzept eingereicht werden.“ Kaum möglich, meinte sie.

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Bürgermeister Dr. Daniell Bastian warf Bergmann vor, er spiele „Bildungseinrichtungen gegeneinander aus. Darüber bin ich erschrocken.“ Auch seien Unterstellungen wenig hilfreich. Der Rathauschef kündigte an, der Magistrat werde bis zur Juli-Sitzung ein Papier erarbeiten mit ausführlichen Informationen über Betreuungs-Projekte und ihre Dringlichkeiten. FDP-Politiker René Rock warf CDU und Grünen völliges Versagen in Sachen KAS vor. In den fünf Jahren ihrer Kooperation hätten sie rein gar nichts in der Ganztags-Frage unternommen, die CDU sogar in zehn Jahren als Mehrheitsfraktion „nicht einen einzigen Euro eingestellt.“ Die Fördermittel, so konterte CDU-Politiker Johannes Zahn, stünden jetzt erst zur Verfügung.

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