Nie wieder wegschauen

Seligenstadt (th) - Im Volksmund heißt er schon lange so, jetzt zeigt ein offizielles Schild den Namen des Platzes an: Als Synagogenplatz wird das Gelände an der Frankfurter Straße in Seligenstadt jetzt auch mit einem Schild ausgewiesen.
Rund 100 Seligenstädter hatten sich im Gedenken an die so genannte Reichspogromnacht am späten Mittwochabend dort versammelt, um an das jüdische Gotteshaus und vor allem an das Unrecht gegen die Seligenstädter jüdischen Glaubens in der Nacht des 9. November 1938 zu erinnern und ihrer zu gedenken.
„Niemand kam in dieser Nacht, um das Feuer in der Synagoge zu löschen. Menschen haben sich das angeschaut - waren gleichgültig“, sagte Pfarrerin Leonie Krauß-Buck zuvor in einem ökumenischen Gottesdienst in St. Marien. „Was ist damals mit unserer Stadt geschehen?“ fragte die evangelische Pastorin. Und: „Wird es noch einmal passieren, dass etwas brennt und niemand etwas dagegen tut?“ In dem angemessenen und würdevollen Gottesdienst, musikalisch schön begleitet von der jungen Katrin Becker, spielte die Symbolik eine große Rolle. Steine wurden an die Gläubigen in der Kirche St. Marien verteilt. Steine, als Symbole für eingeworfene Fensterscheiben jüdischer Geschäfte; Steine als Symbole für den Aufbau von Häusern und als Schmuck jüdischer Grabstätten. Mit brennenden Kerzen bewegten sich die Teilnehmer der Gedenkfeier von der Sankt.-Marien-Kirche zum Synagogenplatz an der Frankfurter Straße.
Dort war es an Stadtrat Jürgen Euler, noch einmal an die Schrecken der Nacht im November 1938 zu erinnern. „Hass und Diffamierung dürfen nie wieder Oberhand gewinnen. Wir dürfen nicht vergessen, was damals passiert ist“, so der Magistrats-Politiker in seiner kurzen Ansprache. Und Thomas Laube, Stadthistoriker, brachte es bei der Straßenschild-Einweihung auf den Punkt: „Ohne die schrecklichen Ereignisse, verursacht durch Nazi-Verbrecher, würde dieser Platz seinen Namen jetzt nicht tragen. Daran müssen wir denken.“ Nie wieder wegschauen.