Sechs trinkfeste Neumitglieder zum Ritter geschlagen

Geleitsmahl der Ordensbruderschaft: Und ewig lockt der Löffel...

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Eine echte Herausforderung: Löffelwirt Bruno Winkler schenkt ein, Examinator Winfried Gmehling (rechts) kontrolliert, Ritteranwärter Gunther Rausch sammelt seine Kräfte...

Seligenstadt - Dr. Alexander Legler, Rüdiger Stenger, Dr. Axel-Johannes Korb, Norbert Zabolitzki, Wolfgang Hillenbrand und Gunther Rausch sind engagierte Bürger und erwiesen sich am Samstagabend als trinkfest. Von Sabine Müller

Sie wurden deshalb im festlichen Rahmen des Geleitsmahls im Riesen in die Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel zu Seligenstadt aufgenommen. Eine honorige Gesellschaft, ein stilvoll dekorierter Saal, eine feine Menü-Folge mit korrespondierenden Weinen, festliche Musik, ein niveauvoller Vortrag, als Höhepunkt das Aufnahmeritual: So definiert sich Geleitsmahl. Im Jahr 1989 war die Gründungsversammlung der Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel zu Seligenstadt, seitdem pflegt sie diese Zeremonie, die auf Historie und Brauchtum basiert. In Seligenstadts „Gud Stubb“ wurde nun die Gilde, die zuletzt 136 Mitglieder zählte – darunter nur 15 Ordensdamen – um sechs Löffelritter erweitert. Nach dem großen Jubiläumsjahr 2015 mit Kaufmannszug, Geleitszug und großem Löffeltrunk auf dem Marktplatz schien 2016 ein Jahr ohne herausragende Aktivitäten zu werden, erläuterte Ordensmeister Dr. Hans Rolf Flechsenhar in seiner Begrüßungsrede. Doch zwischen vielen Konzerten, Fastnachtszug, Zunft- und Handwerkermarkt sowie Wallfahrt habe man gerade noch den Pfingstsamstag als Termin für die festliche Versammlung gefunden.

Gruppenbild der Ordensbrüder vom Steyffen Löffel und ihrer Löffelmädchen mit sechs Neumitgliedern: Beim Geleitsmahl zu Seligenstadt erwiesen sich Dr. Alexander Legler, Rüdiger Stenger, Dr. Axel-Johannes Korb, Norbert Zabolitzki, Wolfgang Hillenbrand und Gunther Rausch als trinkfest und belastbar.

170 Gäste waren der Einladung gefolgt, Einheimische und Auswärtige aus Frankfurt, Stadt und Kreis Offenbach, Aschaffenburg, Alzenau und Karlstein. Darunter Gründungsmitglieder der Bruderschaft, Ehrenmitglieder wie der Historiker Dr. Manfred Schopp und Heimatbundchef Richard Biegel, der Ehrenpräsident des Kreistags, Paul Scherer, der Alterspräsident des Abends, Siegfried Nichtweiß, Seligenstadts Bürgermeister Bastian und Staatsministerin a.D. Dorothea Henzler. „Aus der hessischen Staatskanzlei erhielten wir eine Mail von unserem Löffelritter Volker Bouffier mit herzlichen Grüßen“, übermittelte der Ordensmeister, „und Löffelritter Johann Lafer, der Bäcker des Emma-Pfannekuchens, wünscht allen Gästen guten Appetit.“ Den dürften diese angesichts der Menüfolge des Geleitsmahls – Forellenstrudel, Ochsenfilet und frische Erdbeeren – im Laufe des Abends entwickelt haben. Die korrespondierenden Weine schufen eine elegante Verbindung zum informativen wie unterhaltsamen Festvortrag des früheren Alzenauer Bürgermeisters Walter Scharwies, stammten sie doch alle vom Hörsteiner Reuschberg.

Das Bläserensemble der Stadtkapelle Seligenstadt hatte mit Händels Feuerwerkmusik und einem Ragtime von Scott Joplin musikalische Akzente gesetzt. Zu bereits fortgeschrittener Stunde dann der mit Spannung erwartete Höhepunkt des Abends nach verbürgtem „Hänselbrauch“ des Mittelalters: Würde es den Kandidaten gelingen, „den Löffel zu trinken“, spricht einen Liter Wein in einem Zug zu leeren? Das Kuratorium habe wieder „sechs herausragende Persönlichkeiten ausgewählt, die sich um das kulturelle Leben der Stadt und Region verdient gemacht haben“, kündigte Dr. Hans Rolf Flechsenhar an. Die Laudatoren gaben sich große Mühe, Vita und bürgerliches sowie gesellschaftliches Engagement der Aspiranten ins rechte Licht zu rücken: Dr. Daniell Bastian sprach für den Alzenauer Bürgermeister Dr. Alexander Legler; Dr. Hans Wurzel für den Gastwirt und Löffelwirt des traditionsreichen Hotels Frankfurter Hof, Rüdiger Stenger; Ludwig Krayer stellte den Juristen bei der Europäischen Zentralbank und Organisten an der Einhard-Basilika, Dr. Johannes Korb, vor; Matthias Neubauer den Instrumenten-Baumeister und Vollblut-Musiker Norbert Zabolitzki. Richard Biegel stand Pate für den Handwerksmeister und Kaufmann Wolfgang Hillenbrand, Stefan Emge für Malermeister und Sangesfreund Gunther Rausch. Bei Letztgenanntem mussten die Trommler besonders lange wirbeln, bis er endlich seinen großen hölzernen Löffel tropfenfrei vorweisen konnte.

Löffelmeister Dr. Hans Jürgen Wolfring, Examinator Winfried Gmehling, Löffelwirt Bruno Winkler und Protokollant Dr. Thomas Schmidt waren zufrieden und hießen die Neuen im Bund der Ordensbruderschaft willkommen. Feucht-fröhlich zelebrierte die Gesellschaft das „Lob des Löffels“ noch bis Mitternacht.

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