Magistratsantrag zurückgezogen

Geplante Neugestaltung der Aschaffenburger Straße

+
LSA-Informationsaustausch über den geplanten Umbau der Aschaffenburger Straße: „Gewisse Ängste“ bei den Anwohnern geweckt.

Seligenstadt - Anders als ursprünglich vorgesehen, verlief eine Bürgerversammlung am Mittwochabend. Von Sabine Müller

Der Verein Lebenswerte Seligenstädter Altstadt (LSA) hatte zum Informationsaustausch über den geplanten Umbau der Aschaffenburger Straße ins Gasthaus „Zum Wilden Mann“ eingeladen. Doch gleich eingangs erklärten die Initiatoren, die Umgestaltung sei aus Geldmangel der Stadt wohl nicht mehr spruchreif, eine Intervention daher aktuell nicht notwendig. In einem Artikel unserer Zeitung vom 19. Mai war der Antrag des Magistrats an die Stadtverordnetenversammlung erläutert worden. Die Entwurfsplanung sieht eine Umgestaltung der Aschaffenburger Straße im Bereich der Hausnummern 51 bis 103 vor. „Offenbar unter alten Planungsvorgaben aus den 70er Jahren“, hatten sich Mitglieder des Altstadtvereins angesichts bereits konkreter Konzeptionen empört. Katja Teubner und Horst Gruber, aktiv in der LSA-Arbeitsgruppe Verkehr, hatten kritische Leserbriefe zum Thema verfasst und waren Klinken putzen gegangen, um alle interessierten Bürger, insbesondere die betroffenen Anwohner der Aschaffenburger Straße, zum Informationsaustausch einzuladen. „Wir wollten heute Ideen und Meinungen zur Planung sammeln“, erläuterte Teubner am Mittwochabend vor dem runden Dutzend Versammelter – darunter Wolfgang Reuter, Sprecher des Gewerbevereins, und drei Fraktionsvertreter der Grünen sowie zwei der SPD, die etwas später hinzukamen – „doch das hat sich vorläufig erledigt.“

Der Grund: In den vorbereitenden Fachausschüssen, die mittlerweile getagt hätten, habe der Magistrat seinen Antrag zurückgezogen, da die aktuelle Beratung für den Haushalt 2017 gezeigt habe, dass kein Geld für die seit langem vorgesehene grundhafte Erneuerung da sei. „Es hieß, wir hätten zwar gerne die Fördermittel (aus dem Programm der Verkehrsinfrastrukturförderung, Kommunaler Straßenbau, des Landes Hessen, d. Red.), die Stadt müsste jedoch den Großteil der Kosten selbst aufbringen, was in den kommenden fünf Jahren nicht möglich ist.“ Das bestätigte Bürgermeister Dr. Daniell Bastian gestern mit Verweis auf zahlreiche anstehende Investitionsmaßnahmen (Kindergarten Froschhausen, K 185-Ausbau, Endausbau Gebiet Kleines Feld). Vor diesem Hintergrund habe der Magistrat den Antrag einstimmig zurückgezogen. Darüber hinaus, so Bastian weiter, sei fraglich, ob die Zuschüsse überhaupt fließen, wenn die Aschaffenburger eventuell verkehrsberuhigt werde. Das Gesamtvolumen der Straßenumgestaltung gab Bastian grob geschätzt mit 1,2 Millionen Euro an.

Teubner, selbst Architektin, ärgert sich darüber, dass 15 000 bis 18 000 Euro, die der Vorentwurf gekostet haben müsse, durch voreiliges Vorgehen in den Sand gesetzt worden seien. Auch wenn nun zunächst nichts passiere: „Wir bleiben hellhörig.“ Vor allem die fehlende Vorabinformation der Beteiligten stößt den Altstadtvereinsmitgliedern sauer auf: „Wir wollten keine Rebellion beginnen, aber es gibt zig Fragen zum Thema“, sagte Teubner. Es dürfe keinen Schnellschuss geben, nur um Finanzierungszuschüsse termingerecht beantragen zu können. Für ein Vorhaben mit solch übergeordneter Bedeutung fordere man Bürgerbeteiligung, bei der Aufwertung des südlichen Altstadteinganges sollten die Bedürfnisse aller berücksichtigt werden.

Leserbilder: Die schönsten Plätze in Seligenstadt

„Wenn man die Aschaffenburger Straße irgendwann anpackt, ist das auch die Chance, innovativ dranzugehen, etwa mit niveaugleichem Straßenprofil.“ Fotobeispiele für diesen gemeinsamen Verkehrsraum für Fußgänger, Radfahrer und Pkw („Shared Space“), ohne erhöhten Bürgersteig, hatte der LSA mitgebracht, etwa aus Ochsenfurt, wohin ein Vereinsausflug führte. Dies drossele die Geschwindigkeit des Durchgangsverkehrs und lotse ihn generell eher zum Parkdeck am Friedhof, erhoffen sich die Bürger. Parallel dazu den Fußweg von der evangelischen Kirche in die Stadtmitte attraktiver machen. Auch die öffentlich gewordene Entsorgung des Basaltpflasters sehen die Altstadtbewohner kritisch. Dieser historische Schatz könne doch bei der Umgestaltung wiederverwendet werden.

Der Planentwurf habe auch „gewisse Ängste“ geweckt, erklärte Horst Gruber. Im Zuge der Altstadtsanierung seien die Anwohner schon vor Jahrzehnten kräftig zur Kasse gebeten worden. Jetzt befürchteten viele, für die Umgestaltung wieder bezahlen zu müssen.

Kommentare