Glockenfreunde bringen alte Turmuhr zurück

„Zeitmaschine“ im Gepäck

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Stolze Glockenfreunde mit Uhrwerk: Heinz Wenzel, Hans-Joachim Lutz, Thomas Knapp, Joachim Rühl und Michael Irlbacher.

Seligenstadt - Nach 16 Jahren befindet sich die Turmuhr der evangelischen Kirche wieder in Seligenstadt. Die Glockenfreunde haben sie nach Hause gebracht, repariert und suchen nun nach einem geeigneten Präsentationsstandort. Von Armin Wronski

Den Seligenstädter Glockenfreunden ist es gelungen, das historische Uhrwerk der evangelischen Kirche wieder in die Einhardstadt heimzuholen. Die rustikale „Zeitmaschine“ wollen sie auf dem Zunft- und Handwerkermarkt (21./22. Mai) präsentieren. Die Uhr stammt aus der Ulmer Turmuhrmanufaktur Philipp Hörz und wurde am 4. Januar 1954 installiert. Die mit der Uhr gelieferte „Behandlungsanleitung“ von Philipp Hörz diente dem Uhrmachermeister Albert Wagenblast - seinerzeit Inhaber der Uhrmacherwerkstatt am Marktplatz - als Service-Anleitung.

Wagenblast war über viele Jahre der Organist der evangelischen Kirchengemeinde. Die Turmuhr betreute er von 1954 bis 1963. Damals verkaufte er sein Uhrmachergeschäft an den Uhrmachermeister Helmut Oster, der ganz selbstverständlich auch die Verantwortung für die Turmuhr-Wartungsarbeiten übernahm. Die Glockenfreunde aktivierten in den zurückliegenden Monaten den Kontakt zu Oster an dessen Alterswohnsitz in Wabern (Schwalm-Eder-Kreis). „Die Turmuhr lief anfangs recht genau. Größere Reparaturen gab es nicht. Es waren lediglich Instandhaltungsarbeiten nötig oder Sommer- und Winterzeit anzupassen. Kleine Differenzen gab es natürlich immer“, erfuhren die Freunde von Meister Oster. Doch das hatte sich im Laufe Betriebsjahre geändert: Die Genauigkeit ließ doch stark nach. „Darum entschloss sich der Kirchenvorstand zur Anschaffung einer funkgesteuerten Turmuhr“, so der inzwischen 80-jährige Helmut Oster. Die Hörz-Turmuhr aus Ulm wurde demontiert und sollte verschrottet werden - ein schreckliche Vorstellung für einen Uhrmachermeister. Das Werk wurde in seine Uhrmacherwerkstatt umgesiedelt. Als das Ehepaar Oster am 4. Februar 2000 nach Schließung des Geschäfts am Marktplatz an den neuen Wohnsitz Wabern umzog, befand sich die alte Kirchturmuhr im Umzugsgepäck. Die Glockenfreunde übernahmen die Uhr in den zurückliegenden Wochen und sorgten für den Rücktransport.

Bilder: „Rodgaudom“ hat Kirchturmuhr zurück

Nach 16 Jahren befindet sich die Turmuhr wieder in Seligenstadt - in der Werkstatt des Uhrmachermeisters Michael Irlbacher. Das inzwischen überholte Uhrwerk befindet sich in einem guten Zustand. Jetzt suchen die Freunde nach einem geeigneten Präsentationsstandort. „Unser Ziel ist es, die Mechanik, wie bereits das Werk der alten Rathausturmuhr, den Menschen sichtbar zu machen“, wünscht sich Sprecher Thomas Knapp.

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